Taltontheater: Warum Tschaikowsky sterben musste, recherchiert das Wuppertaler Ensemble am Kipdorf.

David Meister (rechts) spielt Tschaikowsky, Maurice Kaeber gleich vier Rollen auf einmal. Premiere haben sie heute Abend im Rex-Theater.
David Meister (rechts) spielt Tschaikowsky, Maurice Kaeber gleich vier Rollen auf einmal. Premiere haben sie heute Abend im Rex-Theater.

David Meister (rechts) spielt Tschaikowsky, Maurice Kaeber gleich vier Rollen auf einmal. Premiere haben sie heute Abend im Rex-Theater.

Andreas Fischer

David Meister (rechts) spielt Tschaikowsky, Maurice Kaeber gleich vier Rollen auf einmal. Premiere haben sie heute Abend im Rex-Theater.

Wuppertal. Die Ochrana ermittelt in Wuppertal: Das Taltontheater holt den russischen Geheimdienst nach Elberfeld. Regisseur Jens Kalkhorst lotst die Beamten ins Rex-Theater, und auch für die Zuschauer gilt ab Donnerstagabend: Die Musik spielt am Kipdorf.

Nach 18 Produktionen, die - mal mehr, mal weniger - von Klängen getragen wurden, liegt es nahe, einem Komponisten ein ganzes Stück zu widmen. Erst recht, wenn die Zeitreise "eine gekonnte Mischung aus Biografie und Fiktion ist", wie Kalkhorst und seine "Taltoner" versprechen. Was wahr, erdichtet, tragisch oder auch komisch ist, steht ab 20 Uhr zur Diskussion.

Mut zum Pathos: Theater mit viel Musik

"Tschaikowsky, Verhör vor der Ochrana" heißt der Zweiakter von Karlheinz Komm, mit dem das Wuppertaler Ensemble ein Geheimnis lüften will: das Rätsel um den Tod von Peter Tschaikowsky. Schon bei den Proben ist die Spannung im Kleinen Saal groß. Denn nicht nur die Grenzen zwischen Wahrheit und Fiktion sind fließend. Auch die Schnittstelle zwischen Musik- und Sprechtheater ist nicht unantastbar.

Kalkhorst verschiebt sie nur allzu gern - damit unter dem Strich ein melodiöses Melodram herauskommt. "Die Musik soll die Handlung illustrieren", betont er. Das klingt plausibel, ist aber gar nicht so einfach, wie man meinen könnte. Denn: "Tschaikowskys Musik ist alles - nur kein Kammerspiel." Gestenreich, wie es in leidenschaftlichen Klangwelten sein muss, ruft er deshalb ein zentrales Regie-Motto aus und den Darstellern vor allem eines entgegen: "Mut zum Pathos!"

Dass die Zuschauer bekannte Melodien des russischen Komponisten erwarten, dürfte keine Überraschung sein. Auch die Neigung der Titelfigur ist auf der Bühne ein offenes Geheimnis. Umso spannender ist die Frage, weshalb Tschaikowsky denn nun sterben muss. "Das wird noch nicht verraten", sagt Kalkhorst. So viel aber schon: "Es ist nicht nur ein Werk über Homosexualität, sondern vor allem ein Stück über das Scheitern eines Menschen an den Konventionen einer Gesellschaft." Für den 34-Jährigen ist der Zweiakter deshalb "höchst aktuell" - auch wenn er im 19. Jahrhundert spielt.

1895, zwei Jahre nach Tschaikowskys Tod, verhört der Geheimdienst Krankenschwester Katja, die den Komponisten bis zuletzt betreut hat. Für Sarah Kocherscheidt könnte der Blick zurück ein Sprungbrett für die Zukunft sein: Als Krankenpflegerin, Schlüsselfigur und Geheimnisträgerin gibt sie ihr Debüt. Nicht nur mit ihrer, auch mit der allgemeinen Entwicklung ist Kalkhorst sichtlich zufrieden. Seit 2004 gehört seine Truppe zu den produktivsten Ensembles der freien Theaterszene. Trotzdem oder gerade deshalb "haben wir inzwischen so viele neue Anfragen von Schauspielern, dass wir manche bis 2010 vertrösten müssen".

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