Jubel für einen glänzenden Saison-Auftakt: „Der fliegende Holländer“ erntete am Sonntagabend viele Bravo-Rufe und minutenlangen Applaus.

Eine Frau zwischen zwei Männern: Allison Oakes (Senta) und Johan Weigel (Erik) sind als Gast-Sänger im Opernhaus im Einsatz. Ensemblemitglied Kay Stiefermann (rechts) feiert sein Debüt als Holländer.
Eine Frau zwischen zwei Männern: Allison Oakes (Senta) und Johan Weigel (Erik) sind als Gast-Sänger im Opernhaus im Einsatz. Ensemblemitglied Kay Stiefermann (rechts) feiert sein Debüt als Holländer.

Eine Frau zwischen zwei Männern: Allison Oakes (Senta) und Johan Weigel (Erik) sind als Gast-Sänger im Opernhaus im Einsatz. Ensemblemitglied Kay Stiefermann (rechts) feiert sein Debüt als Holländer.

Uwe Stratmann

Eine Frau zwischen zwei Männern: Allison Oakes (Senta) und Johan Weigel (Erik) sind als Gast-Sänger im Opernhaus im Einsatz. Ensemblemitglied Kay Stiefermann (rechts) feiert sein Debüt als Holländer.

Wuppertal. Ein Traum, der Wirklichkeit wird. Eine Liebe, die Gemeinsamkeit nur im Tod findet. Selbstpreisgabe einer Frau, die sich für den Mann opfert. Ein holländischer Phantomsegler, den nur die Treue einer Frau von seinem Fluch errettet: Das sind Elemente, die seit Hauffs Märchen vom Gespensterschiff bis in die Gegenwart von Fantasy-Filmen kolportiert werden, wenn verfluchte Seelen ruhelos wandern. Bei Richard Wagner ist die Todessehnsucht in der Thematik vom Weltschmerz in der deutschen Romantik verankert.

Christian Sturm überzeugt als Steuermann

Mit Wagners Oper „Der fliegende Holländer“ starten die Wuppertaler Bühnen in die neue Saison. Jakob Peters-Messer lässt sich in seiner Regie eher vom Fantasy- Genre inspirieren, als die Oper als Psychodrama anzulegen. Und er spart bei der Ausstattung seines ruhelosen Kapitäns nicht am Gruselfaktor.

Denn Bariton Kay Stiefermann, der sein Debüt in der Holländer-Rolle grandios und kraftvoll meistert, obwohl sie ihn in ungewohnte Höhen führt, ist ein bleicher, langhaariger Untoter im bodenlangen Fischschuppen-Mantel, der schon bange machen kann (Kostüme: Sven Bindseil). Für Senta aber ist er der Traummann, in dessen Bild sie sich verliebt hat und den sie retten will.

Auch für Allison Oakes ist die Senta das Rollen-Debüt. Nicht nur in ihrer zentralen Ballade, die die Geschichte des Holländers erzählt, überzeugt sie in hohem Maße mit kraftvollem Sopran. Ein wenig mehr Schmelz und Leichtigkeit in den lyrischeren Passagen ständen ihr gut an, ebenso wie Tenor Johan Weigel als Erik, der sich anfangs die Höhen mit Macht erstreitet.

Christian Sturm ist mit leichtem und freiem Tenor ein überzeugender Steuermann. Michael Tews zeichnet den Seefahrer Daland, der seine Tochter Senta gerne für viel Gold an den Holländer verschachern will, mit markantem und tragfähigem Bass. Miriam Ritter als Sentas Amme, bleibt – auch rollenbedingt – ein wenig blass.

Die Sinfoniker erwecken Sturm und Wellen zu Tönen

Großes leistet der Bühnenchor (Einstudierung: Jens Bingert), der das Steuermannslied schmettert, den Spinnerinnenchor leicht schnurren lässt, die Matrosen markig in Feierlaune gibt und als Geisterchor schaurig seufzt. Im Bühnenbild und einer ausgeklügelten Lichtregie (Guido Petzold), die auch die Handlung deutend unterstreicht, entwickelt der Chor Erzählung und Dramatik eindrucksvoll.

Die Regie spart nicht mit Symbolik, etwa wenn Senta und der Holländer mit ihren Körpern die Kreuzigungsszene stellen. Erst im Schlussbild, als im Tod gemeinsam Erlöste, nähern sich beide, auf Nebelschwaden wandelnd, langsam einander an.

Die Wuppertaler Sinfoniker unter Hilary Griffiths müssen sich zunächst wieder mit der trockeneren Akustik des Opernhauses vertraut machen, glänzen aber dann durchweg mit markantem oder inwendigem Spiel und vermitteln die für die Wagner-Zeit progressive Musik mit ihren Leitmotiven, Sturmakkorden und Wellenfiguren eindrucksvoll. Frenetischer Jubel beim Premierenpublikum, das die Akteure erst nach vielen Vorhängen gehen lassen will.

Regie: 5 von 5
Bühne:
5 von 5
Ensemble / Orchester:
4 von 5

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