Das Programm wird ausgeweitet: Erstmals gibt es eine Operette und ein brisantes Zeitstück.

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Vorhang auf für Ralf Budde (links) und Stefan Hüfner: Die Theaterleiter stellten am Freitag ihre Pläne vor.

Vorhang auf für Ralf Budde (links) und Stefan Hüfner: Die Theaterleiter stellten am Freitag ihre Pläne vor.

Andreas Fischer

Vorhang auf für Ralf Budde (links) und Stefan Hüfner: Die Theaterleiter stellten am Freitag ihre Pläne vor.

Cronenberg. Das Wichtigste vorweg: „Die Wahrheit“ ist im Theater in Cronenberg (TiC) genauso zu erwarten wie „Die lustige Witwe“, die Franz Lehár ins Rennen schickt. Auch sonst verspricht der Spielplan 2014 allerlei Dramatisches, Komisches und Klangvolles. „Oskar und die Dame in Rosa“ werden am 1. März Premiere feiern, auch „Die toten Augen von London“ sollen das Publikum in Atem halten. „Ziemlich beste Freunde“ haben sich angesagt, „Verrücktes Blut“ wird präsentiert und am Ende gibt sich sogar noch ein Prinz von Dänemark die Ehre: Im November soll „Hamlet“ Cronenberg erobern.

„Ein Käfig voller Narren“: Patrick Stanke führt erneut Regie

Doch der Reihe nach. Was hat das Outing von Ex-Fußball-Profi Thomas Hitzlsperger mit einer TiC-Inszenierung zu tun, in der „Ein Käfig voller Narren“ versprochen wird? Eine ganze Menge, meinen die beiden Theaterleiter Ralf Budde und Stefan Hüfner, die am Freitag den neuen Spielplan vorstellten. „Ein Fußballspieler outet sich und füllt damit auch heutzutage noch die wichtigsten Schlagzeilen“, sagt Hüfner und wundert sich. Anders gesagt: Das Thema Homosexualität, das im Musical „Ein Käfig voller Narren“ humorvoll präsentiert werde, „ist frappierend aktuell“, wie Hüfner betont. Patrick Stanke, Musical-Star aus Langerfeld, setzt das Stück von Jerry Herman im September im Atelier Unterkirchen in Szene.

Wer allerdings glaubt, dass das TiC nach wie vor hauptsächlich für Musical-Genuss, Krimi-Spaß und Komödienkunst steht, irrt sich gewaltig. „Wir sind mit der programmatischen Entwicklung sehr zufrieden“, betont das Führungsduo. „Auch der Klassiker hat sich im TiC etabliert.“ Die aktuelle Schiller-Schau („Kabale und Liebe“) komme bestens an. Budde sieht das TiC-Team auf dem richtigen Weg: „Wir wollen weg von der reinen (Boulevard-)Unterhaltung – hin zu einem Stilmix.“ Ein Konzept, das schon seit einiger Zeit Programm ist und „glücklicherweise sehr gut funktioniert“.

„Verrücktes Blut“: Die Schul-Studie dürfte niemanden kaltlassen

Konstante Besucherzahlen belegen es: Rund 25 000 Gäste – im Jahr 2011 sogar fast 30 000 Zuschauer – erleben jährlich mehr als 300 Vorstellungen. „Für eine kleine Bühne, die mit nicht professionellen Schauspielern arbeitet, ist das erstaunlich“, sagen die Chefs, die sich über die gute Auslastung sichtlich freuen. „Statistisch gesehen spielen wir fast jeden Tag.“ Ausruhen gilt also nicht – im Gegenteil. Das TiC wagt sich an weitere Herausforderungen: „Wir möchten zwei neue Türen öffnen.“ Die erste Pforte öffnet sich am 25. April: Als Regisseur setzt Ralf Budde auf „Die lustige Witwe“.

So viel steht bereits fest: „Es wird keine Operette im klassischen Sinne, sondern eine sehr eigene Version, angepasst an unsere Räumlichkeiten.“ Denn das mache den Reiz der kleinen Kultbühne aus: „Wir können Stücke von einer neuen Seite zeigen.“

„Oskar und die Dame in Rosa“ (ab 1. März); „Die toten Augen von London“ (ab 7. März); „Die lustige Witwe“ (ab 25. April); „Spiel’s nochmal, Sam“ (Mai); „Ziemlich beste Freunde“ (Juni); „Verrücktes Blut“ (September); „Ein Käfig voller Narren“ (September); „Die Wahrheit“ (Oktober) und „Hamlet“ (November).

Gerade ging die 187. Vorstellung über die Bühne: „Die Feuerzangenbowle“ ist eine echte Erfolgsgeschichte. „Die Nachfrage ist sensationell gut“, freut sich Ralf Budde. Bis März wird das Stück noch gespielt, danach folgt eine Pause bis zur Wiederaufnahme im Dezember. Karten gibt es unter Ruf 47 22 11 und unter
www.tic-theater.de
 

Stolz ist man vor allem auch auf die zweite Tür, die auf ungewohnte Pfade führen soll: „Verrücktes Blut“, ein modernes Schauspiel von Nurkan Erpulat und Jens Hillje, ist ein „sehr zeitaktuelles, sehr krasses Stück“, wie Hüfner erklärt. Die Handlung erinnert an einen Thriller: Einem Schüler fällt eine Pistole aus der Tasche. Die Lehrerin greift nach ihr und schießt in die Luft. Plötzlich hört ihr die Klasse zu. Die Pädagogin erkennt ihre Chance: Sie zwingt die Schüler, Schillers „Räuber“ nicht nur zu lesen, sondern auch zu spielen. Ralf Budde fiebert der Premiere jetzt schon entgegen: „Das wird ein großes Experiment.“

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