Eine Mission im Namen aller Migranten: Die Wuppertaler Bühnen eröffnen „Das Ministerium“ im Kleinen Schauspielhaus.

Ihre Mission ist noch lange nicht beendet: Vier Mitarbeiter des Ministeriums für Migration – Juliane Pempelfort, Anne-Catherine Studer, Thomas Braus und Julia Wolff (von links) – wollen die Integrationsfrage lösen.
Ihre Mission ist noch lange nicht beendet: Vier Mitarbeiter des Ministeriums für Migration – Juliane Pempelfort, Anne-Catherine Studer, Thomas Braus und Julia Wolff (von links) – wollen die Integrationsfrage lösen.

Ihre Mission ist noch lange nicht beendet: Vier Mitarbeiter des Ministeriums für Migration – Juliane Pempelfort, Anne-Catherine Studer, Thomas Braus und Julia Wolff (von links) – wollen die Integrationsfrage lösen.

Uwe Stratmann

Ihre Mission ist noch lange nicht beendet: Vier Mitarbeiter des Ministeriums für Migration – Juliane Pempelfort, Anne-Catherine Studer, Thomas Braus und Julia Wolff (von links) – wollen die Integrationsfrage lösen.

Wuppertal. Ist das Leben am Ende nur ein Spiel? „Game over“ steht auf der Leinwand, als das Theater ein Ende gefunden hat. Was aber stand am Anfang? Offensichtlich eine himmlische Mission.

Denn immerhin: Das Bild – an sich – stimmt. In Zeiten, in denen viele Wähler Würdenträger wohl am liebsten zum Mond schicken würden und Volksvertretern vorgeworfen wird, dass sie längst die Bodenhaftung verloren hätten und in ihrem politischen Kosmos nur um sich selbst kreisten, wirkt die Science-Fiction-Szenerie wie ein aussichtsloses Himmelfahrtskommando.

Endstation Ministerium: Die Angst der Deutschen vor dem Fremdem

Weshalb? Ganz einfach: Die Mitarbeiter des Ministeriums für Migration sehen aus wie Raumfahrer, die nicht wissen, wohin die Reise geht, welcher Kurs eingeschlagen werden muss und wer das Steuer an sich reißen sollte. Mit anderen Worten: „Das Ministerium“, das Kai Schubert (Text) und Jenke Nordalm (Regie) am Donnerstag im Kleinen Schauspielhaus eröffnet haben, spielt mit den Ängsten von heute und sucht Lösungen für morgen.

Keine Einzelschicksale: In Elberfeld geht um Grundsätzliches

Dabei ahnt das Publikum früh, dass das (nicht unsympathische) Quartett, das die Integrationsfrage ein für allemal lösen möchte, zum Scheitern verurteilt ist. Juliane Pempelfort, Anne-Catherine Studer, Julia Wolff und Thomas Braus sitzen rollengemäß fest.

Kein Wunder: Der knapp bemessene Handlungsradius der Zweckgemeinschaft erinnert an Gefängniszellen. Vier weiß-blaue Raummodule bleiben dem „Fliegenden Integrationskommando“ zum Leben – sie sind Schlaf-, Wohn- und Büroraum zugleich. Die mobilen Module können die Ministeriums-Mitarbeiter drehen und wenden, wie sie wollen: Ein Patentkonzept, um bei Migranten Punkte zu sammeln, dem deutschen Volk gleichzeitig die Angst vor dem Fremden, der Endzeitstimmung und dem Kontrollverlust zu nehmen, finden sie nicht.

An der Spitze des Ministeriums für Migration gibt es einen Wechsel. Der neue Chef will innerhalb von sieben Tagen – von großem medialem Zeremoniell – die absolute Lösung zur Bewältigung aller Probleme mit der Zuwanderung vorstellen.

Die stereotypen Figuren verfolgen unterschiedliche Lösungsansätze – dazu gehören Video-Clips, die das Image der Migranten (wie auch des eigenen Ministeriums) aufpolieren sollen. Hal (Thomas Braus) geht noch einen Schritt weiter: Er sieht das Ganze als Computerspiel.

Nicht alles ist bissig genug. Dass die Mitarbeiter im Ministerium etwa Angst vor der Bürgersprechstunde haben und ihre Anwesenheit verleugnen, ist einer der schwächsten Momente.

„Das Ministerium“ lebt vom pointierten Spiel mit der Sprache („Ich habe mich hochgejobbt“). Aufgelockert wird das textlastige Stück durch Projektionen: Video-Clips sind geschickt gesetze Regie-Elemente.

Karten für die Vorstellung am 18. Januar, 20 Uhr, gibt es unter Ruf 569 4444.

Keine Frage: Das Thema Migration, das Schubert und Nordalm bereits zum dritten Mal in Wuppertal beleuchten, ist wichtig, die Rollen sind bestens besetzt, der Text ist witzig und spritzig – an vielen Stellen. Im Großen und Ganzen erfordert er vom Publikum jedoch volle Konzentration. 75 Minuten können deshalb lang sein – zumal die Theater-Reise immer wieder ins Groteske abdriftet, mal reale Bezüge hat, dann wieder absurde Züge annimmt. Albern wirkt es etwa, wenn die Schauspieler mehrfach Tierkostüme anlegen. Zurück zur Realität also: Die Figuren diskutieren aneinander vorbei und verlieren den Blick für den konkreten Fall. Genau das ist auch das Problem des Stücks: Wo keine Einzelschicksale vorgestellt werden, kann man auch nicht individuell mitfiebern. Die selbst ernannten Integrationsbeauftragten, die vor allem mit der eigenen Existenz beschäftigt sind und den Bezug zur Außenwelt verloren haben, reden pausenlos über Migranten, es treten aber keine auf. So bleiben ihnen ihre Klienten fremd – parallel dazu kommen auch den Zuschauern die Figuren nicht wirklich nahe.

Mit dem Ausflug ins Ministerium legen die Bühnen zwar keine Bruchlandung hin, der Zuschauer erlebt andererseits aber auch keine Höhenflüge. 

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