Graubner trifft Baselitz: Die Galeristen David Achenbach und Anna Hagemeier mischen Künstler und Werke an der Wolkenburg.

Graubner trifft Baselitz: die Galeristen David Achenbach und Anna Hagemeier mischen Künstler und Werke an der Wolkenburg.
Anna Hagemeier und David Achenbach wohnen mit wechselnder Kunst, hier mit zwei Arbeiten von Jon Pilkington.

Anna Hagemeier und David Achenbach wohnen mit wechselnder Kunst, hier mit zwei Arbeiten von Jon Pilkington.

Andreas Fischer

Anna Hagemeier und David Achenbach wohnen mit wechselnder Kunst, hier mit zwei Arbeiten von Jon Pilkington.

Wuppertal. Der Graubner hängt im Flur, dahinter sieht man durch den Türrahmen schon den Baselitz im Esszimmer – ein Wasserfarbenwerk in heiterem Rosa von 2005. Solche großen Maler-Namen erwartet man nicht unbedingt hinter den Hauswänden der Wolkenburg. Doch hinter der Haustür der Nummer 48 eröffnet sich ein stilvoller Altbau, der den Werken von 13 zeitgenössischen Künstlern einen adäquat lichten und luftigen Rahmen bietet.

Im Haus ergeben sich
spannende Bilder-Mischungen

David Achenbach (29) und Anna Hagemeier (25) nennen ihre Präsentationsfläche nicht Galerie, sondern Projektraum – nicht aus neumodischer Wortklauberei, sondern weil sie ein anderes Konzept verfolgen. Sie haben keinen festen eigenen Künstlerstamm, sondern tragen für ihre Ausstellungen einzelne Werke von Galerien, Sammlern und Künstlern zusammen, die ihnen auffallen und deren Arbeiten sie ansprechen. Ein ziemlich einzigartiges Geschäftsmodell – „mir fällt keiner ein, der das auch macht“, sagt Achenbach.

Im Haus ergeben sich daher spannende Bilder-Mischungen. Im rundum weißen Galerieraum im Erdgeschoss hängen die HTML-Bilder des in New York lebenden Dänen Kasper Sonne gegenüber den reduzierten Pflanzenmotiven des Israelis Guy Yanai. Sonne, laut Achenbach ein Shootingstar der jungen Szene, hat eine spezielle Produktionsweise: Er fängt seine Bilder auf Fotoshop an, schickt sie sich aufs Smartphone und reproduziert sie in handwerklicher Perfektion mit Aerosol-Farben.

HTML steht hier auch nicht für eine Programmiersprache, sondern für „Hommage to manuel labour“ – die langwierige Handarbeit als Gegenprinzip zum heute üblichen schnellen und effizienten Produzieren. Zwischen den Wänden hebt eine Bronzefigur von A. R. Penck die Arme zum Himmel und beweist, dass Reduktion kein ganz neues Thema ist.

Im Oktober 2015 sind Hagemeier und Achenbach von Düsseldorf nach Wuppertal gezogen: „Hier kann man schön leben.“ Im April hatten sie ihre erste Vernissage. 200 Besucher kamen – natürlich Freunde aus der alten Heimat am Rhein, aber auch eine Menge Wuppertaler neben den Sammlern aus Köln, Berlin, dem Ruhrgebiet und London. Der Name Achenbach wirkt eben auf dem Kunstmarkt, auch wenn Vater Helge wegen Betrugs unter anderem an dem Aldi-Erben Ber-thold Albrecht zu sechs Jahren Haft verurteilt worden ist. Das Paar betreut zudem Sammlungen – „es ist gut, dass sich der Kunstmarkt gerade mal etwas abkühlt“, sagt Hagemeier.

David Achenbach und Anna Hagemeier laden am Samstag zwischen 15 und 20 Uhr zur Ausstellungseröffnung in die Wolkenburg 48 ein. Bis zum 2. Oktober hängen die 25 Werke im Erdgeschoss und in der ersten Etage. Zu sehen sind sie Sa + So jeweils von 12 bis 18 Uhr oder nach Absprache per Mail unter
info@davidachenbach.com
 

Moderat modern geht es in der ersten Etage zu. Gotthard Graubner hängt in der Nähe von Sam Francis, ihm gegenüber zwei Arbeiten von Norbert Tadeusz von 1968: eine Frau, die er mit Öl auf einen Umschlag gemalt hat, und zwei Figuren auf einer kleinen Pappe. Um die Ecke schaffen die zartfarbigen Bilder von Jon Pilkington eine angenehme Atmosphäre. Ein schöner Kontrast dazu sind die „White Paintings“ des gebürtigen Düsseldorfers Chris Succo: Er grundiert die Bilder mit Sprühfarbe, trägt darauf dick weiße Farbe auf, die er mit Pinseln, Rakel und Fingern bearbeitet, oft in rhythmischen Wiederholungen. Das Esszimmer dominiert – neben drei Baselitz-Werken – eines der seltenen Selbstporträts des Popart-Künstlers Alex Katz.

David Achenbach ist schon als Kind mit seinem Vater in den Ateliers der Düsseldorfer Künstler gewesen – „ich weiß noch, wie ich mit sechs Jahren bei Jörg Immendorf war und es krass nach Ölfarbe und Rauch gerochen hat“. Dennoch hat er erst mal solide BWL studiert, allerdings sogleich ein Zweitstudium am Sotheby’s Institut of Art in London drangehängt. Seit sechs Jahren handelt er nun mit Kunst und ist zufrieden: „Es läuft, alles ist gut.“

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