Martin Kloepfer inszeniert „Die Lotterie in Babylon“. Die Produktion feiert am Samstag Uraufführung an der Kluse.

„Die Lotterie in Babylon“ geht ab Samstag über die Bühne: Martin Kloepfer (links) führt Regie, Oliver Kostecka sorgt für das passende Bühnenbild und die Kostüme.
„Die Lotterie in Babylon“ geht ab Samstag über die Bühne: Martin Kloepfer (links) führt Regie, Oliver Kostecka sorgt für das passende Bühnenbild und die Kostüme.

„Die Lotterie in Babylon“ geht ab Samstag über die Bühne: Martin Kloepfer (links) führt Regie, Oliver Kostecka sorgt für das passende Bühnenbild und die Kostüme.

Andreas Fischer

„Die Lotterie in Babylon“ geht ab Samstag über die Bühne: Martin Kloepfer (links) führt Regie, Oliver Kostecka sorgt für das passende Bühnenbild und die Kostüme.

Wuppertal. Das ganze Leben ist kein Quiz (wie Komiker Hape Kerkeling einst postulierte), es ist wohl eher ein Glücksspiel - zumindest behauptet das Martin Kloepfer. "Das Schicksal ist ein wesentlicher Teil des Lebens", sagt der Spielleiter, der deshalb "Die Lotterie in Babylon" in Gang setzt. Ob er mit der Stoffwahl das große Los gezogen hat, zeigt sich am Samstag, wenn seine Theaterproduktion Uraufführung feiert.

"Wenn man keine Fragen mehr hat, ist man tot."

Martin Kloepfer, Regisseur

Das Schicksal hat den gebürtigen Essener nach Elberfeld geführt: Kloepfer inszeniert erstmals im Tal - und fing dabei "bei Null an", wie er keinesfalls seufzend, sondern freudig betont. Schließlich ist eine Uraufführung eine ganz besondere Herausforderung - vor allem, wenn es sich um die Adaption einer Kurzgeschichte handelt, die keine Handlung im konventionellen Sinn hat.

"Es gibt keinen greifbaren Plot, es ist eher ein Sachtext", betonen Martin Kloepfer (Regie) und Oliver Held (Dramaturgie) in trauter Übereinstimmung. Das ist aber auch schon fast alles, was das Duo faktisch verrät. Auf den Rest darf man gespannt sein. Denn wenn man Kloepfer und Held nach dem Kern des Stücks fragt, diskutieren die beiden wild durcheinander. So viel darf daher jetzt schon sicher sein: Die neueste Produktion der Wuppertaler Bühnen hat szenisch-experimentellen Charakter. Passenderweise soll auch das Bühnenbild nur fragmentarisch Akzente setzen.

"Ich habe hier den Begriff der Türschwellen-Regie erfunden", meint Kloepfer und lacht. Was das konkret bedeutet? "Man kommt zur Probe, geht über die Schwelle, hat ein tolles Ensemble und sieht, was passiert." Kloepfer kommt das alles andere als ungelegen, denn auch wenn er schon große Klassiker auf die Bühne gebracht hat, bedeutet ihm die Arbeit im Kleinen Schauspielhaus mehr: "Mir liegen essayistische Arbeiten. Da kann man voraussetzungslos herangehen. Bei Klassikern ist man stärker mit Erwartungshaltungen konfrontiert."

Apropos: Das Publikum darf erwarten, dass Lutz Wessel einen Geschichtenerzähler spielt, der in finanzielle Nöten gerät. Kloepfer hat dies als Seitenhieb auf die aktuelle Spardiskussion eingebaut: "Es geht um ideelle Werte." Also auch um die Frage: Wie viel ist Menschen ihre Kultur wert? Dabei gibt es keine vorgefertigten Antworten. Denn Kloepfer, der noch nie an einer Lotterie teilgenommen hat, sieht es so: "Wenn man keine Fragen mehr hat, ist man tot." In diesem Sinne hofft er auf quicklebendige Zuschauer.

"Die Lotterie in Babylon" ist ein Glücksspiel nach der gleichnamigen Erzählung von Jorge Luis Borges. Die rund 70-minütige Theaterproduktion hat am Samstag, 22. Mai, um 20 Uhr Premiere im Kleinen Schauspielhaus. Auch am 23. Mai, 18 Uhr, ist die Aufführung an der Kluse zu sehen. Karten und Infos zu weiteren Terminen gibt es unter Telefon 569 4444.

"Die Lotterie in Babylon" erschien erstmals 1941 in "Fiktionen", einem Band mit Kurzgeschichten von Jorge Luis Borges. Seine phantastischen Erzählungen sind Modelle, Zeugnisse der Verwirrung und des Erkennens, Versuche der Welterklärung und Beschreibungen der unendlichen Weiten des Lesens und Denkens. Die Botschaft lautet: Jede Gesellschaft braucht Geschichten, um zu bestehen - in ihnen lebt ihr Erbe.

In der Küche sitzt ein Mann und versucht, die Dimension des großen Spiels zu ermessen. Nach welchen, nach wessen Regeln, seit wann, bis wann läuft das Spiel? Sind alle Züge sichtbar? Wer spielt, wer ist Figur? Sitzt jemand auf dem Stuhl des Schiedsrichters? Viel weiß er, doch er möchte alles wissen, er kann nicht aufhören. Der Mann hat aber auch eine Familie, und die braucht etwas zu essen. Welchen Wert haben Kultur und Bildung, wenn das Geld knapp wird?

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