Das Schauspiel bereitet sich auf die Premiere der „Buddenbrooks“ in den herrschaftlichen Räumen der Gesellschaft Concordia am Werth vor.

Kamerafrau Carmen Fett (v. l.), Schauspiel-Intendantin Susanne Abbrederis und Regisseur Stephan Müller sitzen entspannt im Raucherzimmer der Concordia, das auch in den „Buddenbrooks“ bespielt wird.
Kamerafrau Carmen Fett (v. l.), Schauspiel-Intendantin Susanne Abbrederis und Regisseur Stephan Müller sitzen entspannt im Raucherzimmer der Concordia, das auch in den „Buddenbrooks“ bespielt wird.

Kamerafrau Carmen Fett (v. l.), Schauspiel-Intendantin Susanne Abbrederis und Regisseur Stephan Müller sitzen entspannt im Raucherzimmer der Concordia, das auch in den „Buddenbrooks“ bespielt wird.

Anna Schwartz

Kamerafrau Carmen Fett (v. l.), Schauspiel-Intendantin Susanne Abbrederis und Regisseur Stephan Müller sitzen entspannt im Raucherzimmer der Concordia, das auch in den „Buddenbrooks“ bespielt wird.

Wuppertal. „Das ist das Schönste, was einem passieren kann als Theater: Alle Vorstellungen sind so gut wie ausverkauft – welch ein Vertrauensvorschuss des Publikums“, strahlt Schauspiel-Intendantin Susanne Abbrederis. Denn die Bühnenfassung der „Buddenbrooks“ hat erst an 24. September, das ist nächste Woche Samstag, Premiere in der Gesellschaft Concordia.

Einschränkend muss man sagen, dass es auch nur 120 Zuschauerplätze im Rittershaus-Saal der Concordia gibt. Regisseur Stephan Müller, der schon am Burgtheater, am Gorki Theater Berlin, am Theater Basel und der Oper Zürich inszeniert und einen solchen Ansturm „noch nie erlebt hat“, überlegt nun, die Zuschauer in einem anderen Raum zu platzieren. Möglicherweise wird es auch zwei Zusatzvorstellungen geben. Denn die Anrufer bei der Kulturkarte sind ziemlich enttäuscht und erbost, dass es für keine der insgesamt 15 Aufführungen bis zum 9. Januar mehr Karten gibt.

„Die Räume nehmen den Roman
und die Figuren sehr gut auf“

Ursprünglich waren immerhin 17 Aufführungen geplant, doch Julia Wolff, die die Konsulin spielen sollte, ist im Urlaub schwer verunglückt. „Tragischerweise mussten wir umbesetzen“, sagt Susanne Abbrederis. Anuk Ens, die schon in der „Wupper“ gespielt hat, wird die Rolle übernehmen.

Die Intendantin hat für die „Buddenbrooks“ einen Ort gesucht, „an dem wir kein Bühnenbild brauchen, sondern wo das bürgerliche Ambiente schon da ist.“ In der Gesellschaft Concordia, in der sich seit 1801 Kaufleute treffen, und ihrem Bau aus dem Jahr 1900 hat sie ihn gefunden.

Über die Bühnen-Möglichkeiten in der Concordia ist der Schweizer Regisseur jedenfalls des Lobes voll: „Das Haus ist erste Sahne, die Räume nehmen den Roman und die Figuren sehr gut auf.“Auch die Zuschauer können sich in Ruhe umschauen. Denn zunächst sollen sie durchs Haus flanieren und sich die sechs Räume ansehen, die später bespielt werden. Ob im Biedermeier-Salon oder im Raucherzimmer: In jedem wird ein Schauspieler sitzen und über ein Thema des Romans räsonieren – wie Erfolg, Heimat oder Familientradition.

Vorstellungen Derzeit sind alle Aufführungen bis zum 9. Januar ausverkauft.
Besetzung Stefan W    alz spielt den Konsul, Anuk Ens seine Frau. Der Schwerpunkt in John von Düffels Bühnenfassung liegt auf ihren Kindern: Thomas Braus spielt den kühlen, pflichtbewussten Sohn Thomas, Alexander Peiler den exzentrischen Lebemann Christian und Philippine Pachl die Tochter Tony, die zum Wohle der Familie in zwei zum Scheitern verurteilte Ehen einwilligt. Aaron Röll, der im vorigen Herbst den quirligen Peter Pan gespielt hat, ist als Hanno dabei, der überzarte Sohn von Thomas Buddenbrook.
 

Wenn das Publikum nach 20 Minuten im Rittershaus-Saal sitzt, beginnt das eigentliche Stück. John van Düffel hat für seine Bühnenfassung einen legendären Koloss behauen. Thomas Manns Roman von 1901 hat 770 Seiten, vielfältiges Personal, ausschweifende Handlungsstränge und komplexe Charakterstudien. Von Düffel, selbst erfolgreicher Romancier („Gott ruft an“), hat daraus in eineinhalbjähriger Arbeit ein dramatisches Konzentrat gemacht. Er lenkt den Fokus auf die mittlere der drei Roman-Generationen: Die Söhne Thomas und Christian sowie Tochter Tony.

2005 hatte von Düffels Fassung am Hamburger Thalia Theater Premiere, wurde kontrovers besprochen, wird aber bis heute gern aufgeführt. „Ich glaube, wir machen in Wuppertal schon die 47. Produktion“, sagt Regisseur Müller.

Bei aller Verdichtung bleibt Thomas Manns Sprache. Müller: „Eine wundersame Gebirgswanderung durch diese Satzkaskaden, bis nach der dritten Apposition das Ende kommt.“

Ergänzend zur Theaterinszenierung bietet das Schauspiel „Buddenbrooks-Soiréen“ in der Concordia an – laut Ankündigung Abende voller Geist und Esprit. Die Themen sind originell und populär gewählt. Am 5. Oktober spricht Michael Okroy unter dem Titel „Die Fülle des Wohllauts“ über die Musik im Werk Thomas Manns. Es liest Stefan Walz, am Flügel sitzt Stefan Leibold. „Hilde, bitte schreiben Sie!“: Um Thomas Manns Sekretärin Hilde Kahn-Reach aus Elberfeld dreht sich der Vortrag von Katja Schettler am 24. Oktober. Dazu lesen Thomas Braus und Lena Vogt.

Den Aufstieg einer Familie am Beispiel von Manns Roman „Joseph und seine Brüder“ beleuchtet Ulrike Schrader am 7. November, es liest Miko Greza, Um Thomas Manns Besuche in Barmen geht es am 21. November beim Vortrag von Volkmar Wittmütz, früherer Professor für Regionalgeschichte. Thomas Mann hat in seinem Romanen auch mehrgängige Essen und festlich gedeckte Tafeln immer wieder detailliert beschrieben. Stoff genug also für für den Vortrag von Arne Karsten (Bergische Universität) über die Tischsitten und Essgewohnheiten der Buddenbrooks – inklusive einem Menü à la Thomas Mann.

Auch für diese Abende hat der Vorverkauf begonnen, das Interesse ist laut Susanne Abbrederis hoch.

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