Die Werke des Elberfelder Kantors und Komponisten sind heute kaum noch bekannt. Das soll sich ändern.

wza_1500x1032_734729.jpeg
Kantor Matthias Lotzmann und Ulrike Schrader, Leiterin der Begegnungsstätte Alte Synagoge, wollen Hermann Zivi würdigen.

Kantor Matthias Lotzmann und Ulrike Schrader, Leiterin der Begegnungsstätte Alte Synagoge, wollen Hermann Zivi würdigen.

Andreas Fischer

Kantor Matthias Lotzmann und Ulrike Schrader, Leiterin der Begegnungsstätte Alte Synagoge, wollen Hermann Zivi würdigen.

Wuppertal. Um 1900 war Hermann Zivi ein wichtiger Mann in Elberfeld. Der Kantor der jüdischen Gemeinde organisierte ein aktives musikalisches Leben. Er gründete den Synagogenchorverein und fügte gesammelte liturgische Werke und eigene Kompositionen zu einem Gesangbuch für seine Gemeinde zusammen.

Doch Zivi komponierte auch weltliche Werke: Gebete für Kaiser und Bitten um Schutz für das deutsche Heer gehörten ebenso dazu wie eine Festhymne nach dem Text von Otto Hausmann, die er zum 300-jährigen Bestehen der Stadt Elberfeld schrieb.

Musik als wichtiger Teil der Wuppertaler Stadtkultur

Welch bedeutende Stellung er einnahm, wird an der Tatsache deutlich, dass seine Frau Rosa im katholischen Krankenhaus behandelt wird, unter dem Einfluss der Nationalsozialisten 1938 eine absolute Ausnahme. 1939 emigrierte das Paar nach Tel Aviv.

"Mein Anliegen ist es, diese Kompositionen, die keiner mehr kennt, wieder hörbar zu machen", sagt Ulrike Schrader, Leiterin der Begegnungsstätte Alte Synagoge. Für April 2011 plant sie eine Dauerausstellung über die jüdische Geschichte in Wuppertal, in der auch Zivi eine Rolle spielen wird. Deshalb rief sie jetzt einen Chor zusammen, der an vier Samstagen die Werke Zivis einstudieren soll.

Kantor Matthias Lotzmann hat die Einstudierung übernommen. "Die Stücke zeigen, wie sehr sich die Juden assimiliert und als Teil der Stadtkultur verstanden haben", meint Lotzmann. Viele Stücke seien stark von Brahms beeinflusst, andere wiederum halten sich an die traditionellen jüdischen Melodien. "Unsere Sänger sind sehr neugierig, diese Werke kennen zu lernen, sie sind sehr diszipliniert", lobt Schrader. Aus unterschiedlichsten Richtungen sind die Sänger für das Projekt zusammengekommen - wie immer fehlen auch hierbei die Männerstimmen.

Musikaufnahmen könnten eine neue Dauerausstellung bereichern

Wenn der Chor am Ende gut klingt, soll eine Aufnahme von den Werken Zivis gemacht und Teil der Ausstellung werden. Ein Konzert ist bisher nicht geplant. "Es gibt noch einige ältere Leute, die sich an Zivi erinnern können", sagt Schrader.

Einer davon ist Walter Levin, Geiger des berühmten LaSalle-Quartetts. Er war der Enkel von Hermann Zivi und schoss mit seinem gerade zur Bar Mitzwa bekommenen Fotoapparat eines der wenigen überlieferten Fotos. Im Hintergrund sind die Häuser der Briller Straße zu sehen.

Anstoß für die Beschäftigung mit Zivi gab die Wissenschaftlerin Tina Frühauf, die seine Werke im Rahmen ihrer Dissertation über Orgelmusik in der Synagoge ausgegraben hat.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer