Beim Konzert im Bayer-Klavierzyklus spielt Jin Ju Beethoven, Chopin und Schubert.

Stadthalle
Jin Ju spielte am Donnerstag im Mendelssohn-Saal das dritte Konzert im Bayer-Klavierzyklus 2013/14.

Jin Ju spielte am Donnerstag im Mendelssohn-Saal das dritte Konzert im Bayer-Klavierzyklus 2013/14.

Stefan Fries

Jin Ju spielte am Donnerstag im Mendelssohn-Saal das dritte Konzert im Bayer-Klavierzyklus 2013/14.

Wuppertal. Ob sie das „Jahr des Pferdes“ einläuten wollte? Die junge chinesische Pianistin beim Bayer-Klavierzyklus erfüllte jedenfalls am Donnerstagabend im gut besuchten Mendelssohn-Saal der Stadthalle die Charakteristika, die das neue Jahr im chinesischen Kalender prägen sollen: Schnell und kräftig packte Jin Ju in die Tasten, voller Energie schleuderte sie die langen Haare im furiosen Spiel.

Bei Carl Czernys „La Ricordanza“ überzeugte sie mit Brillanz und blieb doch unverbindlich – genau so sind die fünf Variationen mit den atemberaubenden Effekten angelegt.

Beethovens „Appassionata“ kommt eher zwanghaft herüber

Beethovens düsterste und wildeste Sonate op. 57 „Appassionata“ (Die Leidenschaftliche) dagegen bedarf durchaus auch einer gewissen Anschlagspoesie und feinen Nuancierung, die man im Spiel der jungen Pianistin weitgehend vermisste. Überwertig im Pedalspiel, impulsiv und ruhelos und mit holzschnittartiger Dynamik, blieb ihr Spiel bei allem Bemühen um das Herausstellen der Weltuntergangsstimmung plakativ und gewichtig. „Ich bewundere die technische Leistung, aber ich bin auch erschlagen“, gestand Konzertbesucherin Marilyn Morgan, „es klang sogar ein bisschen zwanghaft.“

Überzeugende Interpretation von Franz Schuberts „Sonate in c-Mol“

Und ihr Mann Stewart Lindemann fügte hinzu: „Mir war es zu schwer, aber das ist ja immer eine Frage des Stils und eine persönliche, wie man es gelernt hat.“ Tatsächlich kann man Beethoven so spielen, muss es aber nicht zwangsläufig.

Überzeugender spielte Jin Ju Franz Schuberts „Sonate c-Moll“ D 958. Obwohl auch hier die raschen Sätze fast einen Kampf mit dem Klavier suggerierten und weniger Kraft mehr Ausdruck bedeutet hätte, war das schöne „Adagio“ in seiner Schlichtheit und melodischen Schönheit gut charakterisiert.

Am 19. März um 20 Uhr spielt beim Bayer-Klavierzyklus die bulgarische Pianistin Plamena Mangova Werke von Beethoven, Liszt, Gubaidulina, Tschaikowsky und Schostakowitsch. Mehr unter:
www.stadthalle.de
 

Nur bei den Zugaben von Rameau und Chopin verloren die Pastelltöne wieder gegen pastose Klangfarben – allerdings im technisch sehr versierten Spiel.

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