Sinfoniekonzert: Die städtischen Musiker begeisterten am Sonntag in der Stadthalle.

Wuppertal. Eigentlich war es gut, dass die Programmhefte zum 8. Konzert der Wuppertaler Sinfoniker am Sonntag verschollen blieben. So konnten die Zuhörer im gut besetzten großen Stadthallen-Saal intensiv und unvoreingenommen der großartigen Musik von Richard Strauss lauschen.

Kammermusikalisch duftig geht es zu bei seiner Orchestersuite op. 60 "Der Bürger als Edelmann" (1920), die Strauss zunächst als Bühnenmusik zur Molière-Komödie geschrieben hatte. Vieler Stile bedient er sich, verfremdet hier, schärft harmonisch dort, verquert die Rhythmen und Perioden. Drastisch charakterisiert die Ouvertüre den protzigen "Bürger Jourdain", tänzerisch leicht hüpft das "Menuett", und im Satz "Der Fechtmeister" trumpfen Posaune, Trompete und Klavier in witzigen Soli auf. Das Lully-Menuett ist die schalkhafte Strauss´sche Sichtweise auf den Barockmeister.

Toshiyuki Kamioka weist im ruhigen Stand an - mit kleinen, aber präzisen Bewegungen. So arbeitet er die Charakteristika der Suitensätze feingliedrig heraus, so atmen sie größtmögliche Geschlossenheit. Ein Programm hat Strauss selbst seiner "Sinfonia domestica" op. 53 von 1903 beigegeben. Er will die Szenen einer bürgerlichen Familie darstellen. Dem mag folgen, wer will, aber in erster Linie ist das Strauss-Werk ein großartiges, farbenfrohes Klanggemälde.

Träume, Aufregung und Gefühle: Viele Solo-Rollen für die Musiker

Drei Themengruppen kennzeichnen das einsätzige Werk: Beschwingte Cello-Weise trifft auf träumerische Oboen-Melodie, harsche Klarinetten-Wendung auf feurig auftrumpfenden Violinenklang, ehe sich alle im kammermusikalischen Spiel verweben. Dann geben sich aufgeregte Streicherklänge und schroffe Bläser-Cluster ein Stelldichein. Und endlich gibt es eine sehr gefühlvolle Oboenlinie, die bei Strauss "das Kind" kennzeichnen soll. Die vielen Solo-Rollen erfordern die ganze Aufmerksamkeit der Musiker, das Spiel in Soli und Tutti bleibt immer transparent und sauber.

Wieder einmal erweisen sich die Sinfoniker unter Kamiokas Leitung als versierte und engagierte Strauss-Interpreten. Das Publikum lohnt dies mit Bravo-Rufen und stehenden Ovationen.

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