Der Bildhauer Hans-Jürgen Hiby ist 75 geworden, doch die Lust an der Arbeit mit der Kettensäge ist ihm keineswegs vergangen.

Hände gehören zu Hans-Jürgen Hibys bevorzugten Motiven.
Hände gehören zu Hans-Jürgen Hibys bevorzugten Motiven.

Hände gehören zu Hans-Jürgen Hibys bevorzugten Motiven.

Hiby mit Werken in seinem Atelier und Garten

Hiby mit Werken in seinem Atelier und Garten

Hiby, Bild 1 von 3

Hände gehören zu Hans-Jürgen Hibys bevorzugten Motiven.

Wuppertal. Organisch sind die Formen, die Hans-Jürgen Hiby aus Holz und Stein herausschlägt. Ob fünf Zentimeter oder fünf Meter hoch: Sie schmeicheln sich mit ihren Rundungen und ihrer Glätte ins Auge und in die Hand. Doch Hiby lässt ihnen immer etwas Eckiges, Widerborstiges, damit der Blick nicht vor lauter Harmonie abgleitet.

Am Dienstag ist der Bildhauer 75 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass öffnet er am Wochenende sein Atelier und seinen Garten: „Sonst mache ich zur Woga auf, aber Anfang November müssen die Leute im Garten meist durch Matsch laufen. Das ist jetzt vielleicht schöner.“ Der Herbst-Matsch hat Besucher aber noch nie abgehalten – „400 bis 500 Leute kommen regelmäßig“, sagt Hiby.

Der Bildhauer hat überraschend kleine Hände

Finger und Hände gehören zu seinen häufigsten Motiven – „schon allein, weil sie das wichtigste Instrument des Bildhauers sind“, sagt Hiby, der überraschend kleine Hände hat. Mit seiner Kettensägen-Kollektion rückt er meterhohen Steinblöcken und massigen Holzstämmen zu Leibe, bevor er die Werkstücke manuell weiterbearbeitet. „Aber man muss etwas dafür tun, dass die Kraft reicht“, sagt er. Regelmäßig absolviert er Morgengymnastik und Walking auf der Trasse, außerdem bekommt er jede Woche eine Thaimassage.

„Leben und Tod, Werden und Vergehen, das beschäftigt mich“, sagt Hans-Jürgen Hiby. „Holz wächst und stirbt. Ich versuche, es in der Kunst wiederzubeleben.“ Auf seinen Bildern finden auch aktuelle Themen ihren Niederschlag wie der Krieg in Syrien und die Flüchtlinge. Am liebsten sind ihm die einheimischen Hölzer, doch die sind nun mal nicht witterungsbeständig. Und wer hat schon Platz, um etwas so Großformatiges wie sein Hauptwerk „Totentanz“ aus Wildkirsche aufzustellen?

Auch im Urlaub lässt das Material den Bildhauer nicht los. „Anders als meine Frau kann ich schlecht am Strand liegen. Auch wenn mich die Leute in der Hitze am Mittelmeer für verrückt halten: Ich suche mir einen Stein und bearbeite den.“

33 Jahre war Hans-Jürgen Hiby im Schuldienst, obwohl er da ursprünglich nicht hinwollte. Doch als er Bildhauerei bei Fritz Wotruba in Wien studierte und auch das Bohèmeleben genoss, bekam er bei älteren Kommilitonen mit, welche üblen Vertreterjobs auch gute Künstler annehmen mussten, um ihr Leben zu finanzieren.

Deshalb hat er sich doch für die Schullaufbahn entschieden – zur großen Beruhigung seiner Mutter, die eine Fabrik für maschinell hergestellte Spitzen in Nächstebreck führte. In den Gebäuden ist seit 1986 Hibys geräumiges, heute mit Werken gut gefülltes Atelier. Als Kunstlehrer am Gymnasium Sedanstraße „ist es auch wunderbar gelaufen. Ich hatte da – anders als manche Kollegen an anderen Schulen – viel Freiraum.“ Im Ruhestand hat sich Hiby revanchiert und 2010 eine riesige Mahagoni-Arbeit auf dem Schulhof aufgestellt.

Hans-Jürgen Hiby hatte zahlreiche Ausstellungen, einige Werke stehen dauerhaft in der Stadt: Am Gutenbergplatz, am Wichlinghauser Markt, an der Kirchhofstraße und das Eichenportal der Lichtenplatzer Kapelle. Derzeit arbeitet er an einer Skulptur, die er dem Bürgerverein Nächstebreck versprochen hat – ein Wegweiser für die Trasse. Die ausgestreckten Finger sind schon deutlich zu erkennen.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer