Der Dramaturg verrät sein Rezept.

wza_1000x1500_778358.jpg
Morgen ist die Suppe angerichtet: Um 17 Uhr servieren die Bühnen ihre Version der "Steinsuppe".

Morgen ist die Suppe angerichtet: Um 17 Uhr servieren die Bühnen ihre Version der "Steinsuppe".

Bühnen

Morgen ist die Suppe angerichtet: Um 17 Uhr servieren die Bühnen ihre Version der "Steinsuppe".

Wuppertal. Von solchen Eltern können andere Kinder nur träumen. Schauspiel-Intendant ist eben nicht jeder, und wenn die Mutter dann auch noch als Bühnen- und Kostümbildnerin alten wie neuen Dichter-Stoffen die passende Form gibt, ist Theater programmiert. So feiern Christian von Treskow und Dorien Thomsen eine ganz besondere Premiere: Weil ihre Töchter Lou (7) und Rosa (4) die "Steinsuppe" lieben, hatten die Eltern eine tierische Idee. Wenn Wolf, Hund und Henne schon die Renner im heimischen Kinderzimmer sind, könnten sie ihr Star-Potenzial auch in aller Öffentlichkeit entfalten. Nun sind sie also bühnenreif und kommen ins Rampenlicht.

Die gute Seite des Bösen: Hungriger Wolf ist ein "sozialer Katalysator"

Noch wird geprobt, doch morgen ist die Suppe angerichtet: Um 17 Uhr servieren die Wuppertaler Bühnen ihre Version erstmals im Kleinen Schauspielhaus. Dahinter steckt eine realistische Hoffnung: Was dem eigenen Nachwuchs gefällt, soll auch anderen eine Freude bereiten.

Einer ist schon jetzt begeistert: Sven Kleine hat die Bühnenfassung nach dem Bilderbuch von Anaïs Vaugelade geschrieben - für Kinder ab fünf Jahren. "Das Tolle an dem Buch ist, dass vieles in der Schwebe gehalten wird", sagt der Dramaturg. "Außerdem erlaubt die Fabel viele Interpretationsansätze."

Alles andere als oberflächlich sei die tiefsinnige Geschichte über die Freuden der Gastfreundschaft und der Geselligkeit. Kleine würzt sie mit Wortspielen, die Klischees bedienen und zugleich entlarven sollen: "In der Tierwelt gibt es dafür ein herrliches Reservoir", erklärt der Dramaturg, der sich auf die Premiere freut wie ein neugieriges Kind. Denn dann wird sich zeigen, ob das Rezept aufgeht und die Inszenierung kleine wie große Zuschauer begeistern kann - mit bekannten Redewendungen ("Ich glaube, mein Schwein pfeift"), allerlei Metaphern und tierischen Typen.

Neben einer zickigen Ziege (Björn Lukas) und einem Schwein (Frederik Kienle), das als Allesfresser Hüter einer Biotonne ist, spielt vor allem ein Hund (Soeren Messing) eine zentrale Rolle: Er ist der Dorfpolizist, aber eigentlich feige und darum auch schon oft im Genuss des Feierabends, wenn er gebraucht wird.

Bis zum 2. Januar sind insgesamt 42 Vorstellungen angesetzt. Viele sind bereits ausverkauft - wie etwa die Premiere morgen um 17 Uhr. Karten und Infos zu den Terminen gibt es unter Telefon 569 4444.

Vor die eigentliche Bilderbuch-Handlung stellt Kleine zwei Szenen, die zeigen, dass im Dorf jeder sein eigenes Süppchen kocht. Erst dann kommt der Wolf (Andreas Ramstein) ins Spiel. "Er gilt allgemein als Außenseiter und gefährliche Figur. Bei uns ist er als eine Art sozialer Katalysator angelegt. Was sich der Wolf einerseits ergaunert, gibt er der Dorfgemeinschaft andererseits wieder: Ohne ihn kämen die Tiere am Ende nicht zu einem Festmahl zusammen."

Während Sebastian Weber das Stück mit Musik im Stil von Eisler und Brecht verfeinert, dürfte die Premiere für Regisseur Christian von Treskow nicht unbedingt ein Kinderspiel werden. Denn die strengsten Kritiker sind diesmal die eigenen Töchter.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer