Das Projekt „Talstück.de“ zeigt in der Börse die Kunst des Improvisierens.

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„Die Improfanten“ bei einer Probe in der Börse.

„Die Improfanten“ bei einer Probe in der Börse.

Uwe Schinkel

„Die Improfanten“ bei einer Probe in der Börse.

Wuppertal. "Träume nicht Dein Leben, sondern lebe Deine Stadt" - so könnte man das Experiment untertiteln, das am Donnerstag, 19. November, um 20 Uhr in der Börse zur Aufführung kommt. Interessant ist, dass die Akteure selbst noch nicht wissen, wie diese Aufführung sich entwickeln wird, ist "Talstück.de" doch ein improvisiertes Theater, das auf mitwirkende Besucher angewiesen ist.

Teilnehmender Zuschauer sollen eine - gern visionäre - Stadtansicht entwickeln und dem Ensemble "Die Improfanten" mitteilen. Durch das Bestimmen einer umsetzenden Person wird der Besucher zudem zum Co-Spielleiter, der die Rahmenbedingungen mitbestimmt.

Regisseurin und Spielleiterin Susanna Düllmann betont einen zentralen Aspekt: "Wenn eine Stadt nicht geliebt wird, kann sie sich nicht verbessern!" So sollen Verbesserungsvisionen - ohne die unschönen Aspekte schönzureden - direkt improvisatorisch umgesetzt werden. Modifiziert hat Düllmann hierbei eine in Moskau aus einem Volksspiel entwickelte Theaterform zur Thematisierung sozialer Prozesse innerhalb einer Gemeinschaft.

Interaktion auf der Bühne: "Was ist Wuppertal für Dich?"

Der Frage "Was ist Wuppertal für Dich?" folgend, entsteht eine Live-Inszenierung, ein interaktives, dokumentarisches Theaterstück, dessen "Bühnenbild" vor dem geistigen Auge erscheint und szenisch wechselt. "Talstück.de" ist ein Experiment, das Düllmann, angeregt durch das Netzwerk "Meine Stunde für Wuppertal", konzipiert hat: "Ich wollte etwas für die Stadt tun und mit den Mitteln des Theaters arbeiten. Ein Bühnenstück kann Unausgesprochenes offenlegen, eine soziale, sogar politische Funktion haben", sagt die Regisseurin und Dramaturgin, die seit 2006 in Wuppertal lebt. Spannende visualisierte Ideen zur Stadt dürften also zu erwarten sein.

"Talstück.de" wird am Donnerstag, 19. November, um 20 Uhr in der Börse, Wolkenburg 100, präsentiert. Nähere Infos gibt es unter Ruf 243 22-0.

Susanna Düllmanns "Mitmachtheater" steht unter anderem in der Tradition des Stegreiftheaters von Paul Pörtner. Der Elberfelder Schriftsteller schrieb in den 1960er Jahren mit "Scherenschnitt" erstmalig ein Theaterstück, bei dem die Zuschauer aktiv an einer Krimihandlung und der Lösung des Falls beteiligt wurden. Pörtner gelang damit ein internationaler Erfolg: Jahrzehntelang wurde sein erstes Mitmach-Theaterstück in New York aufgeführt.

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