Interview: Isabel Dörfler spielt die Hauptrolle im derzeit erfolgreichsten Stück der Bühnen.

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„Cabaret“ sei ihr Lieblingsmusical, sagt Isabel Dörfler. In der Wuppertaler Inszenierung ist die Sängerin nun regelmäßig im Opernhaus zu erleben.

„Cabaret“ sei ihr Lieblingsmusical, sagt Isabel Dörfler. In der Wuppertaler Inszenierung ist die Sängerin nun regelmäßig im Opernhaus zu erleben.

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„Cabaret“ sei ihr Lieblingsmusical, sagt Isabel Dörfler. In der Wuppertaler Inszenierung ist die Sängerin nun regelmäßig im Opernhaus zu erleben.

Frau Dörfler, in Europas größtem Revue-Theater, dem Friedrichstadtpalast Berlin, waren Sie die Solistin in der "Wunderbar"-Show. Auch für Thomas Gottschalk haben Sie schon gesungen. Sie waren Gast in seiner Fernsehsendung "Wetten, dass...?" - was reizt Sie nun an Ihrer neuen Aufgabe, sprich an "Cabaret" in Wuppertal?

Isabel Dörfler: "Cabaret" ist mein Lieblingsmusical. Das kann ich wirklich so sagen. Dieses Stück gehört zur ganz großen Musical-Literatur. Die Komponisten haben sich große Mühe gegeben, das Lebensgefühl und die Musik der 30er Jahre in Deutschland zu spiegeln. Außerdem war "Cabaret" mein erstes Musical in meiner Heimatstadt Bremen am Stadttheater. Damals führte Torsten Fischer Regie und ich war mit 18 Jahren eines der Kit-Kat-Girls. Natürlich träumte ich von der Hauptrolle - damals. Nun habe ich sie schon mehrfach gespielt - öfter als die Schauspielerin in der Hauptrolle damals in Bremen.

"Ich bekomme bei fast jedem Live-Auftritt irgendwann Gänsehaut."

Sie sagen es: "Cabaret" ist kein Neuland für Sie. Vor neun Jahren waren Sie schon einmal Sally Bowles - damals in Freiburg. Was ist nun anders?

Dörfler: Die Inszenierung ist eine andere. Es gab vor ein paar Jahren eine Cabaret-Revival-Produktion am Broadway, die als einzige Version auch in der deutschen Fassung vom Verlag an die Theater weitergereicht wird. Diese Version hat wenig mit dem berühmten Original oder dem Film zu tun. Die Figur der Sally als emanzipiertes Frauensymbol, zu dem Liza Minnelli sie machen durfte, wurde zu einem hilflos tragischem, drogensüchtigen Opfer gemacht. Zum Glück folgt die Wuppertaler Inszenierung der Vorlage nicht in allen Punkten.

Wie haben Sie die Proben erlebt?

Dörfler: Bei den Wiederaufnahme-Proben haben wir noch einmal intensiv nach den emotionalen Motiven der Rolle gesucht. In Freiburg haben wir die Rollenprofile bewusst extrem jugendlich gehalten. Bei der Inszenierung in Wuppertal haben wir es mit Erwachsenen zu tun, die ein Beziehungsmodell ausprobieren, das nicht zu ihnen passt.

Gibt es bei aller Routine immer noch Momente, in denen Sie auf der Bühne eine Gänsehaut bekommen?

Dörfler. Natürlich. Sonst würde ich den Beruf schon lange nicht mehr machen. Ich bekomme bei fast jedem Live-Auftritt irgendwann Gänsehaut - oft aus dem einfachen Grund, dass ich spüren kann, dass es einen Dialog mit dem Publikum gibt. Wir tun diese Arbeit ja nicht zum Selbstzweck, sondern möchten gerne etwas teilen.

Haben Sie auf der Bühne auch schon einmal eine Panne erlebt, die für einen unerwarteten Adrenalinstoß gesorgt hat?

In der Spielzeit 2009/2010 war "Cabaret" - unter der Regie von Werner Pichler - das beliebteste Stück der Wuppertaler Bühnen. In 16 Vorstellungen wurden insgesamt 9800 Gäste gezählt. Zunächst spielte Judith Jakob die Hauptrolle. Nun gibt es eine neue Sally: Isabel Dörfler tritt als Gast im Opernhaus auf. In der aktuellen Saison sind insgesamt zehn Aufführungen geplant.

Die nächste Vorstellung geht am Sonntag, 5. Dezember, um 19 Uhr über die Bühne. Am 31. Dezember gibt es gleich zwei Aufführungen: um 16 Uhr und um 20.30 Uhr. Karten: Ruf 569 4444.

Dörfler: Sagen wir mal so: Unerwartet sind die Adrenalinstöße nicht. Leider kann man sich aber nicht wirklich dagegen wappnen, denn "Unfälle" ereignen sich eben immer in unerwarteten Momenten. Bei einer Vorstellung von "42nd Street" in Stuttgart ist mir zum Beispiel mal eine Vase heruntergefallen, die im Bühnenbild stand. Da Scherben auf der Bühne in einer Tanzshow für die Tänzer lebensgefährlich sein können, war eine Kollegin so schlau, während der von uns gespielten Szene einfach von der Bühne zu gehen und ein Kehrblech zu holen. Mitten in der Szene räumte sie meine "Garderobe" auf.

Dann nahm alles ein glückliches Ende?

Dörfler: Ich spielte eine Riesen-Diva damals und wir alle mussten ein Streitgespräch laut Textbuch führen. Als mein Kollege Kevin Tarte sich mitten in der Szene für die geleistete Hilfe mit einem "Danke Peggy!" fürs Aufräumen bedankte, das so nicht im Textbuch stand und überhaupt nicht an die Stelle passte, wo es kam, habe ich mir einen Lachanfall nur schwer verkneifen können.

Sie sagen: "Wer lebt, der spielt." Wie leben Sie am liebsten?

Dörfler: Zurzeit allein - in Berlin. Ich liebe es aufregend und abwechslungsreich. Da passt diese Stadt mit ihrem Tempo, den vielen Künstlern aus allen möglichen Bereichen und der großen Toleranz für lebhafte Menschen gut zu mir.

Sie haben sich in der Musicalszene einen Namen gemacht, singen aber auch Pop und Jazz. Wofür schlägt Ihr Herz am schnellsten?

Dörfler: Zurzeit schlägt mein Herz für die von mir produzierte und in diesem Monat erscheinende CD "Leben!" mit Pop-Chansons von Hildergard Knef über Udo Jürgens und Reinhard Mey bis Tokio Hotel, Xavier Naidoo, Nena und Herbert Grönemeyer.

Und allgemein?

Dörfler: Mein Herz schlägt am schnellsten, wenn ein Musiktitel gut zu mir passt. Da ich musikalisch sehr vielseitig bin und ich mir Songs wirklich zu eigen machen kann, ist das sehr oft der Fall. Das wird nicht so gerne gesehen in Deutschland. Es soll immer eine Schublade sein, in die der Künstler passt. Wenn ich nicht so vielseitig wäre, wäre mein Leben einfacher. Dann hätte ich nur einen Stil und den müsste ich - so gut es geht - verkaufen. Doch es bereichert - vor allem das Publikum.

Wenn Sie sich selbst ein Musical auf den Leib schreiben könnten - wie sähe das aus?

Dörfler: Das wäre eine Personality-Show mit guten deutschen Songs. Eigentlich habe ich das schon mit meinem Solo-Abend "Leben!" getan. Ich habe viele große Diven wie Evita, Edith Piaf oder die Dorothy Brock in "42nd Street" in Broadway-Qualität gespielt. Das waren große, künstlerisch anerkannte Erfolge für mich. Hier in Deutschland kann man als Protagonist in einer kleinen oder großen Musical-Produktion kaum etwas erreichen, was den Tellerrand überschreitet. Mit einer Solo-Show geht es besser. Die Menschen lernen mich dabei eben auch als solchen näher kennen. Außerdem ist es für mich - je älter ich werde - wichtiger, ich selbst zu sein, als mich hinter einer Rolle zu verstecken.

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