Anne Linsel zeigt am Sonntag ihren Film „Tanzträume“ auf dem Filmfestival.

Den begehrtesten Bären der Welt gibt’s auf der Berlinale.
Den begehrtesten Bären der Welt gibt’s auf der Berlinale.

Den begehrtesten Bären der Welt gibt’s auf der Berlinale.

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Den begehrtesten Bären der Welt gibt’s auf der Berlinale.

Wuppertal/Berlin. Wer hätte das erwartet: Die 41 Jugendlichen, die auf der Berlinale erwartet werden und morgen über den roten Teppich schreiten, hätten wohl selbst am allerwenigsten gedacht, wohin die Reise einmal gehen würde.

"Ich wusste gar nicht, was auf mich zukommt", sagt eine junge Dame. Mit dieser Erkenntnis tanzte sie nicht lange allein. Ein ebenso erfreulich offener Mann ahnte genauso wenig, mit wem er es Schritt für Schritt zu tun bekommen würde. Vor der Kamera von Rainer Hoffmann und den Ohren von Journalistin Anne Linsel ließ er seine Zusammenarbeit mit Pina Bausch wenig später Revue passieren. "Wer ist das? Ich kenn die Frau überhaupt nicht" - das war seine erste Reaktion, als der Nachwuchstänzer davon hörte, dass die Leiterin des Wuppertaler Tanztheaters eine neue "Kontakthof"-Version mit Jugendlichen einstudieren wollte.

Die erstaunlich erfrischenden Kommentare gehören zu einem Dokumentarfilm, den Linsel (Buch/Regie) und Hoffmann (Kamera) am Sonntag auf der Berlinale vorstellen. Die beiden haben die Jugendlichen begleitet - vom ersten Training im April bis zur Premiere im November 2008. Dabei gibt ihr Film "Tanzträume" mehr als nur einen Einblick in den Probenraum. Er zeigt die Entwicklung von 41 Teenagern - von ersten, noch ungeschickten Tanzversuchen bis zum gemeinsamen Streben nach choreographischer Perfektion.

Schnell spüren die Jugendlichen, wer Pina Bausch ist. Genauso flink lernen sie sich, den eigenen Bewegungsradius und Gleichgesinnte kennen. Denn bei jedem Tanzschritt sind Gefühle im Spiel: Zärtlichkeit, Scham und immer wieder Wut. Der Film zeigt, wie sich ein Körper langsam an den anderen herantastet - wie verschiedene Schulformen, unterschiedliche Nationalitäten, individuelle Träume aufeinandertreffen.

"Dass eine wunderbare Gemeinschaft daraus geworden ist, macht mich glücklich", sagte Pina Bausch am Rand der Proben. Was damals noch niemand ahnte: Es sollte ihr letztes Interview vor laufender Kamera sein. Acht Monate nach ihrem plötzlichen Krebstod feiert der Film nun Uraufführung - ohne Pina Bausch, aber mit 41 erfrischend aufgeregten Jugendlichen. Denn keiner von ihnen hätte gedacht, dass das Experiment, das mit jugendlicher Naivität begann, einmal auf dem roten Teppich endet.

Das Stück wurde 1978 uraufgeführt. Am 7. November 2008 hatte die Version mit Jugendlichen Premiere im Wuppertaler Schauspielhaus. Jo Ann Endicott und Bénédicte Billiet leiteten die Proben, die auch Pina Bausch regelmäßig besuchte. Das Duo begleitet Anne Linsel und die Jugendlichen morgen auf dem roten Teppich.

Der Film "Tanzträume - Jugendliche tanzen Kontakthof von Pina Bausch" wird morgen, 14. Februar, um 12 Uhr erstmals vor 1600 Zuschauern im Friedrichstadtpalast gezeigt. Bundesweiter Kinostart ist am 18. März. Wer einen kurzen Einblick erhalten möchte, kann sich im Netz einen Trailer ansehen.

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