Die reinen Umsatzzahlen können aber die Erwartungen nicht erfüllen.
Kenny Weißgerber betreut bei der Wirtschaftsförderung das Projekt Online City.

Kenny Weißgerber betreut bei der Wirtschaftsförderung das Projekt Online City.

Andreas Fischer

Kenny Weißgerber betreut bei der Wirtschaftsförderung das Projekt Online City.

Wuppertal. 60 Händler und 886 000 Produkte sind bei Online City vertreten, dem Online-Portal für den Wuppertaler Handel. Es ist ein Pilotprojekt. Von 2013 bis 2016 gab es dafür eine Förderung vom Bund. Für die kommenden zwei Jahre bis Juli 2019 steuert jetzt das Land NRW insgesamt 350 000 Euro bei. „Unser Ziel ist es, 100 Händler dabei zu haben“, sagt Kenny Weißgerber, seit August neuer Projektkoordinator bei der Wirtschaftsförderung. Und bei der Zahl der Produkte soll natürlich schnell die Marke von einer Million geknackt werden.

Doch ist das Pilotprojekt auch ein Erfolgsmodell? Andere Städte würden immer wieder in Wuppertal nachfragen, wollen selbst Erfahrungen sammeln. Doch was die nackten Zahlen angeht, ist die Online City bislang alles andere als ein „Big Player“. Zwischen insgesamt 1000 und 1300 Euro liegt der monatliche Umsatz über das Portal – von allen Händlern zusammen wohlgemerkt. Wie viele Transaktionen über die Plattform ablaufen, das könne man so direkt nicht sagen, heißt es von der Wirtschaftsförderung.

Ein Manko: Der Bekanntheitsgrad von Online City. Der liege in Wuppertal bei gerade einmal drei Prozent, hatte Rolf Volmerig, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung, noch im Mai erklärt – und angekündigt, dass in Zukunft viel mehr Werbung gemacht werden solle. Geplant sind jetzt Spots und Anzeigen in den Zeitungen und im Radio sowie großflächige Plakatwerbung an verschiedenen Standorten in der Stadt.

Hoffnung der Online City: Online suchen – offline einkaufen

Letztendlich sei aber auch Online City für einige Händler nichts anderes als Werbung. Sie bieten gar keine Waren an, sondern nutzen die Plattform als Schaufenster, wie Weißgerber es ausdrückt. Die Zahl derer, die es als „zweites Ladengeschäft“ betreiben, sprich, also auch wirklich etwas anbieten, solle aber weiter steigen. Neu dabei ist laut Weißgerber zum Beispiel ein Baustoffgroßhändler, der in Kürze seinen Shop in der Online City eröffnen will.

Ein weiteres Ziel: Auch die großen Filialisten sollen mitmachen, zum Beispiel Saturn oder Ikea. Die betreiben zwar bereits alle eigene, deutschlandweite Online-Shops, doch die Wirtschaftsförderung setzt auf Regionalität, auf das „Heimatshoppen“. So habe zum Beispiel auch der schwedische Möbelkonzern bei seiner Eröffnung in Nächstebreck Wuppertal-spezifische Produkte verkauft. Das wäre auch etwas für Online City, sagt Weißgerber.

Und auch, wenn die Umsatzzahlen auf den ersten Blick alles andere als beeindruckend wirken, ist man bei der Wirtschaftsförderung überzeugt, dass die Händler profitieren. Viele „Kleine“ finden sich in der Online City. „Was wäre sonst deren Alternative?“, fragt Marco Trienes, der bei der Wirtschaftsförderung für den Einzelhandel zuständig ist. Ein kleiner, einzelner Online-Shop „hätte gar nicht die Reichweite“. Online City biete dagegen auch einen Wiedererkennungswert.

Dass die reinen Umsatzzahlen deutlich unter den ursprünglichen Erwartungen liegen, will Weinhändler Peter Bothmann, Vorsitzender des Händlervereins Talmarkt-Online City, nicht leugnen. Er weist aber wie auch Weißgerber auf den Ropo-Effekt hin: Research online, purchase offline (zu deutsch: Der Kunde sucht online und kauft dann offline im Laden). Das sei deutlich spürbar. Und ein wichtiger Aspekt sei auch die Vernetzung innerhalb der Händlerschaft durch Online City. „Wir müssen uns auf die Veränderungen im Einzelhandel einstellen“, sagt Bothmann, der deshalb nach eigener Aussage immer noch „150 Prozent“ optimistisch ist, was den Erfolg der Online City angeht. Nach Ablauf der zweiten Förderphase, so das Ziel, soll sich das einstige Pilotprojekt ohne Förderung selbst tragen.

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