Seit Freitag sind die Duschräume der Sporthalle Wichlinghausen erneut gesperrt.

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Marc Sondern, Sporthalle Wichlinghausen

Marc Sondern, Sporthalle Wichlinghausen

Uwe Schinkel

Marc Sondern, Sporthalle Wichlinghausen

Wuppertal. Zehn Tage lang dauert es, eine Wasserprobe auf Legionellen zu überprüfen. Die Stäbchenbakterien müssen in der Zeit auf einem Nährboden wachsen, damit sie so groß sind, dass man sie sehen und zählen kann. Zehn Tage lang dauerte es, bis die Stadt nach einer Routine-Untersuchung den positiven Befund in der Hand hatte und die Duschräume in der Sporthalle Wichlinghausen erneut sperrte.

Legionellen in Nasszellen und Leitungsrohren

In der Zwischenzeit vermehrten sich die Bakterien nicht nur im Reagenzglas, sondern auch in den Nasszellen und Leitungsrohren der Wichlinghausener Sporthalle. Sportler des CDG Grün Weiß, des ASV Wuppertal, LTV Wuppertal und des Barmer Turnvereins duschten in den befallenen Kabinen und atmeten legionellenhaltigen Wasserstaub ein.

"Wir haben in den letzten drei Wochen durchweg Sport in der Halle gemacht, weil die Stadt uns gesagt hat, dass die Halle legionellenfrei ist", sagt Marc Sondern, der Leiter der Handballspielgemeinschaft CDG/Grün-Weiß. "Jetzt müssen wir unseren Jugendmannschaften erneut mitteilen, dass das Duschen dort eine Gefahr darstellt." Er bezweifelt, dass die Krankheitserreger zwischenzeitlich überhaupt verschwunden waren.

Gesundheitsamt: "Die Bakterien sind sehr stabil"

Matthias Buntrock-Schweer, beim Gesundheitsamt zuständig für den Bereich Infektions- und Umwelthygiene weist diese Behauptung von sich: "Eine Legionellensanierung ist oft schwierig - die Bakterien sind sehr stabil." Desinfektionsmittel in hohen Dosen und hohe Temperaturen seien vonnöten, um die Bakterien abzutöten. Das Problem: Legionellen sind immer im Wasser - nur auf die Konzentration kommt es an. Und die war dem Bergischem Wasserlabor zufolge zeitweise unbedenklich gewesen.

Der Grund dafür, dass die Zahl der Keime nun erneut gewachsen ist, ist vermutlich auf die alten Wasserleitungen in der Halle zurückzuführen, sagt Thomas Lehn vom städtischen Gebäudemanagement. "Wenn Wasser länger in der Leitung steht, vermehren sich die Bakterien."

Legionellen sind stäbchenförmige Bakterien. Sie kommen in Schwimmbädern, Krankenhäusern, Sporthallen, Altersheimen, Wasserleitungen und -tanks mit langen Stillstandszeiten vor.

Die Erreger können die Legionärskrankheit bei Menschen auslösen - eine Lungenentzündung, die von hohem Fieber begleitet wird. Eine Infektion ist über das Einatmen von legionellenhaltigem Wasser möglich.

Die Legionärskrankheit wurde dem Robert-Koch-Institut im vergangenen Jahr insgesamt 502 mal gemeldet. 247 Fälle sind in diesem Jahr bereits aufgetreten.

Das Gebäudemanagement nimmt einmal jährlich Hygieneprüfungen an Gebäuden vor.

Im April war der erste Legionellenbefall bei der Jahreskontrolle entdeckt worden. Daraufhin waren die Duschräume bis zum 8. Juni gesperrt worden. Am 23. Juni wurde eine neue Probe entnommen. Am 2. Juli lag das Ergebnis vor: Legionellenbefall. Die Duschräume wurden geschlossen.

Lehn schätzt das Risiko einer Erkrankung als gering ein: "Es ist nicht so, dass man duscht und sofort krank wird." Für gesunde Menschen stellten die Keime keine Gefahr dar, aber für lungenkranke und immungeschwächte Menschen könne sie lebensbedrohlich sein.

Von den sechs Duschräumen mit jeweils sechs Duschen bleiben vier bis zu ihrer Sanierung, die Mitte 2011 ansteht, geschlossen. Zwei Duschräume werden in den Sommerferien vorab saniert, damit die Sportler die Halle für ihre Trainingseinheiten und Turniere weiterhin nutzen können. "Hier geht es um unsere Gesundheit und die unserer Kinder", sagt Handballer Marc Sondern. "Da sollte eigentlich keine Mühe zu groß sein."

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