Medien „down under“ berichten über das Schicksal des Aborigine-Mädchens, das in Sonnborn begraben ist. Eine australische Organisation will die Knochen von ihr nach Australien holen.

Medien „down under“ berichten über das Schicksal des Aborigine-Mädchens, das in Sonnborn begraben ist.
Die Zeitung „Townsville Bulletin“ aus Queensland berichtet über das Schicksal der Aborgines. Sussy Dakaro ist die sitzende junge Frau links. Screenshot: WZ

Die Zeitung „Townsville Bulletin“ aus Queensland berichtet über das Schicksal der Aborgines. Sussy Dakaro ist die sitzende junge Frau links. Screenshot: WZ

Die Zeitung „Townsville Bulletin“ aus Queensland berichtet über das Schicksal der Aborgines. Sussy Dakaro ist die sitzende junge Frau links. Screenshot: WZ

Sonnborn. Seit 1885 liegt Sussy Dakaro in Sonnborn begraben – fernab ihrer Heimat, aus der das Aborigine-Mädchen verschleppt worden war, um als Anschauungsobjekt bei Völkerschauen in den USA und Europa zu dienen. Jetzt sorgt ihr Schicksal auch in Australien für ein Medienecho – und es gibt die Idee, die sterblichen Überreste von „Prinzessin Sussy“, wie die 17-Jährige in den zeitgenössischen Zeitungen den Besuchern verkauft wurde, nach „down under“ zurückzuholen.

Ein Aspekt, der für die Ureinwohner  Australiens sehr wichtig sei, betont Lucy Smith, die für die Zeitung „Townsville Bulletin“ im australischen Bundesstaat Queensland über Sussy berichtet hat, gegenüber der WZ betont. Wie ihr ein Aborigine erklärt habe, wandere der Geist eines Toten, wenn er nicht in seiner Heimat begraben ist. Würde er aber zurückgebracht, finde der Geist endlich seine Ruhe. Die Wunden der Vergangenheit seien noch frisch, so Smith. „Auch ich war geschockt, als ich von den Völkerschauen erfahren habe.“

Smith steht auch in Kontakt zu Nachfahren von Sussy Dakaro. Sie müssten jetzt entscheiden, ob man die Repatriierung, also die Rückführung der Gebeine , vorantreiben soll. Erst dann, so die Journalistin, würde der Australische Staat angefragt. Er finanziert und organisiert unter Umständen solch ein Vorhaben. In der Vergangenheit waren unter anderem die Überreste von Aborigines aus der Charite-Klinik in Berlin nach Australien überführt worden (2013/14). Eine Repatriierung sei laut Smith aber oft ein langwieriger Prozess. Sussys Partner Tambo, der in den 1880er Jahren in den USA verstarb, war bereits 1993 in seine Heimat zurückgeführt worden, wie der „Bulletin“ schreibt.

Gedenkstein in Sonnborn wird bald eingeweiht

Kontakt mit der Wuppertaler Friedhofsverwaltung habe Smith noch nicht aufgenommen. Dort ist man ob des Vorschlags auch ein wenig skeptisch, wie Detlef Westphal, der für den Evangelischen Friedhof an der Kirchhofstraße zuständig ist, einräumt. Grundsätzlich befürworte man das. Westphal gibt allerdings zu bedenken, dass nicht 100 prozentig sicher sei, ob man wirklich genau das Grabfeld von Sussy lokalisiert habe, Und dann bleibe, so Westphal, auch noch die Frage: „Was ist nach so langer Zeit noch übrig?“

In Sonnborn soll aber ein Gedenkstein an dem vermutlichen Grabfeld an die junge Aborgine und ihr Schicksal erinnern. Demnächst wird es eine offizielle Einweihungsfeier geben, kündigt Westphal an. Der rötliche Stein wird künstlerisch von Karola Krämer gestaltet. Es werden zwei Aborgine-Symbole aufgetragen. „Eins für Frau und eins für Weg“, erklärt Westphal. Dazu erhält der Stein noch einen kleinen Text von Manfred Görgens. Der Wuppertaler Journalist hatte sich intensive mit der Geschichte Sussys befasst.

Im Auftrag des berühmten Zirkuspioniers Barnum hatte Robert A. Cunningham, Schausteller und Menschenjäger, in den 1880er Jahren Sussy mit weiteren australischen Ureinwohnern per Schiff erst nach Amerika und später nach Europa verfrachtet, um sie bei Völkerschauen als „Wilde“ präsentieren zu können unter anderem im Elberfelder Zoo. Damit der animalische Eindruck verstärkt wurde, ließ Cunningham seinen Schützlingen noch Knochen in die Nase bohren – und kündigte sie als Kannibalen an. Nur drei der neun Aborigines sollen überhaupt die Strapazen überlebt haben.

Dass Sussys Schicksal überhaupt noch einmal erforscht wurde, ist Cesare Lazaros Borgia, Stadtarchiv-Mitarbeiter in Solingen, zu verdanken. Er hatte sich für den Gedenkstein eingesetzt, Spenden gesammelt und auch die australischen Medien auf das Thema aufmerksam gemacht.

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