Ein Wuppertaler Ehepaar hoffte auf eine schöne Tour nach Holland - und landete ungewollt in einer mehrstündigen Verkaufsveranstaltung.

Zum Kauf verpflichtet ist rechtlich niemand. Doch der psychologische Druck, der auf die Teilnehmer von Kaffeefahrten ausgeübt wird, ist oft enorm.
Zum Kauf verpflichtet ist rechtlich niemand. Doch der psychologische Druck, der auf die Teilnehmer von Kaffeefahrten ausgeübt wird, ist oft enorm.

Zum Kauf verpflichtet ist rechtlich niemand. Doch der psychologische Druck, der auf die Teilnehmer von Kaffeefahrten ausgeübt wird, ist oft enorm.

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Zum Kauf verpflichtet ist rechtlich niemand. Doch der psychologische Druck, der auf die Teilnehmer von Kaffeefahrten ausgeübt wird, ist oft enorm.

Wuppertal. Die Werbung im Briefkasten war überzeugend: Ein kostenloser Bus-Ausflug nach Holland mit Besuch im Blumenzentrum, dazu noch die Aussicht auf einen tollen Gewinn - das gefiel Ilse und Burkhard Schröder (Namen von der Redaktion geändert). "Man wird ja immer vor solchen Angeboten gewarnt", sagt Ilse Schröder. "Aber Holland hörte sich gut an. Da wollten wir hin."

Dass hinter den als "Kaffeefahrten" bekannten Touren fast immer skrupellose Abzocke steckt, hat sich zwar herumgesprochen. Doch längst nicht jeder ist immun gegen die vollmundigen Ankündigungen. Und auch auf der Anbieterseite wurde dazugelernt, wie Verbraucherschützer warnen: Große Gewinne werden versprochen - Reisen, Bargeld oder gar ein Traumhaus.

"Das Risiko, etwas zu kaufen, ist sehr groß."

Thomas Kittler von der Wuppertaler Kripo

Der Aussicht auf einen Gewinn konnten auch Ilse und Burkhard Schröder nicht widerstehen. Voller Vorfreude darauf - und auf Holland - stieg das Ehepaar früh morgens in den Bus. Nach stundenlanger Fahrt zu weiteren Haltestellen endete die Reise gegen Mittag aber vor einem Gasthaus in der Nähe von Münster, wie Ilse Schröder berichtet. "Auf Nachfrage sagte man uns, der Holland-Ausflug hätte nicht geklappt."

Das eigentliche Ziel der Tour wurde hingegen erreicht - die Werbeveranstaltung im Lokal dauerte Stunden. Und auch die Schröders ließen sich zum Kauf von Nahrungsergänzungsmitteln für fast 1100 Euro überreden und buchten auch noch an Ort und Stelle eine Türkei-Wellness-Reise."Man darf die Situation bei diesen Veranstaltungen nicht unterschätzen", sagt Thomas Kittler von der Wuppertaler Kripo. "Das Risiko, etwas zu kaufen, ist sehr groß." Fast immer übten geschulte Verkäufer massiven Druck aus. Kittler: "Da wirken gruppendynamische Prozesse." Aus gefühltem Zwang, Einschüchterung und um nicht als Außenseiter dazustehen, werde dann nachgegeben - und gekauft." Marlene Pfeiffer, Leiterin der Verbraucher-Zentrale Wuppertal, nickt dazu: "Wer nichts kauft, dem wird auch schon mal mit dem Ausschluss von der Rückfahrt gedroht". Zuweilen würden Gäste sogar im Veranstaltungsraum festgehalten: "Das ist Freiheitsberaubung."

Glück gehabt: Auf Kaffeefahrten gilt das Widerrufsrecht

Zudem gelte auch auf Kaffeefahrten das Widerrufsrecht. Käufer können von einem Vertrag innerhalb von 14Tagen zurücktreten. Ohne korrekte Widerrufsbelehrung von Seiten der Anbieter kann der Verkaufsvertrag möglicherweise auch noch später rückgängig gemacht werden.

Die Verbraucherzentrale und die Polizei Wuppertal informieren an zwei Terminen zum Thema. Am Donnerstag, 7. Oktober, geht es um Trickdiebstahl, Haustürgeschäfte und Telefonwerbung. Themen der zweiten Veranstaltung am Dienstag, 9. November, sind Gewinnversprechen, Kaffeefahrten und Straßenwerbung.

Beginn ist jeweils um 15.30 Uhr in der Kirche in der City, Kirchplatz in Elberfeld.

Familie Schröder hat sich nach der Fahrt an die Verbraucher-Zentrale gewandt und ihr Geld zurückbekommen. Am besten sei jedoch, gar nicht erst auf die zahlreichen Offerten zu reagieren, rät Marlene Pfeiffer: "Niemand hat etwas zu verschenken - ab in den Papierkorb mit solchen Angeboten. Immer wieder."

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