Geringer Verdienst bei hoher Verantwortung – die Arbeit in der Geburtshilfe.

Jessica Winkel mit Baby Josephine und den Hebammen Alice Bruchhaus (l.) und Nina Peterwerth auf der Geburtsstation an der Vogelsangstraße. Die beiden haben gerade ihre Ausbildung an der AfG abgeschlossen.
Jessica Winkel mit Baby Josephine und den Hebammen Alice Bruchhaus (l.) und Nina Peterwerth auf der Geburtsstation an der Vogelsangstraße. Die beiden haben gerade ihre Ausbildung an der AfG abgeschlossen.

Jessica Winkel mit Baby Josephine und den Hebammen Alice Bruchhaus (l.) und Nina Peterwerth auf der Geburtsstation an der Vogelsangstraße. Die beiden haben gerade ihre Ausbildung an der AfG abgeschlossen.

Andreas Fischer

Jessica Winkel mit Baby Josephine und den Hebammen Alice Bruchhaus (l.) und Nina Peterwerth auf der Geburtsstation an der Vogelsangstraße. Die beiden haben gerade ihre Ausbildung an der AfG abgeschlossen.

Wuppertal. Alice Bruchhaus (29) ist Kinderkrankenschwester und gerade mit ihrer Ausbildung zur Hebamme an der Akademie für Ausbildungsberufe fertig. Nina Peterwerth (24) macht berufsbegleitend zu ihrer Ausbildung einen Bachelor-Studiengang. Beide sind hochqualifiziert und voller Begeisterung für ihren Beruf. Aber ihnen und ihren Kolleginnen wird es nicht leicht gemacht: Die Geburtshelferinnen leiden unter enormer Finanznot und sind deshalb in den vergangenen Wochen bundesweit auf die Straße gegangen.

„Die Einnahmen sind am unteren Ende“

Die Kosten für die Haftpflichtversicherung sind dramatisch gestiegen und liegen für Hebammen, die in der Geburtshilfe arbeiten, bei rund 4000 Euro pro Jahr. „Wer Geburtshilfe leistet, bekommt einen Stundenlohn von unter 13 Euro brutto“, sagt Ursula Alef, seit 1989 Leiterin der Hebammenschule. Dabei gehen die Frauen mit großem Idealismus in den Beruf – und das würde häufig ausgenutzt.

„Wir wollen einen guten Start ins Leben und die perfekte Betreuung für Mütter und Kinder, aber das kommt finanziell überhaupt nicht rüber.“ Gerade die freiberuflichen Hebammen seien für die Nachsorge nach der Geburt enorm wichtig, außerhalb der Ballungszentren ist es oftmals schwierig, jemanden für die Betreuung zu finden.

Alice Bruchhaus macht sich selbstständig und hat gerade ihren Businessplan erstellt. Sie will Kurse im Geburtshaus und in einer Hebammenpraxis geben und sich um die Vor- und Nachsorge kümmern. „Die Einnahmen sind am unteren Ende. Damit kann man nicht reich werden. Aber mir reicht es, wenn ich davon leben kann“, sagt sie.

Nina Peterwerth kümmert sich nach ihrer Ausbildung in Vollzeit um ihr Studium an der FH Osnabrück. „Die Anforderungen an die Hebammen steigen“, erklärt sie, warum sie sich für das Studium entschieden hat. Ob sie dadurch später bessere Verdienstmöglichkeiten hat, kann ihr noch niemand sagen.

Beide lieben ihren Beruf und sorgen sich deshalb um die Zukunft der Geburtshilfe: „Es ist traurig, wenn sich die Frauen aus Kostengründen nicht mehr frei entscheiden können, ob sie zu Hause oder im Geburtshaus entbinden können“, sagt Bruchhaus. „Dafür ist das Thema einfach zu wichtig.“ Wegen der hohen Versicherungskosten würden viele Kollegen nicht mehr in der Geburtshilfe arbeiten können.

Das Problem kennt auch das Geburtshaus an der Hainstraße. „Wir haben Nachwuchssorgen und das Problem wird sich weiter verschärfen“, sagt Geschäftsführerin Kristin Seeland. In Teilzeit lohne es sich schon lange nicht mehr, in der Geburtshilfe zu arbeiten. Die erschwerten Bedingungen würden „das originäre Hebammengeschäft ausbremsen.“ In benachbarten Städten wie etwa in Witten habe das schon zu Schließungen der Geburtshäuser geführt.

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