In Wuppertal fehlen Paare, die Kinder aufnehmen wollen. Gleiches gilt auch für die Betreuung auf Zeit.

Mutter mit Baby
In Wuppertal gibt es zu wenige Adoptiv-Eltern – und auch Pflege-Eltern, die sich auf Zeit um ein Kind kümmern wollen, sind rar. (Symbolfoto)

In Wuppertal gibt es zu wenige Adoptiv-Eltern – und auch Pflege-Eltern, die sich auf Zeit um ein Kind kümmern wollen, sind rar. (Symbolfoto)

dpa

In Wuppertal gibt es zu wenige Adoptiv-Eltern – und auch Pflege-Eltern, die sich auf Zeit um ein Kind kümmern wollen, sind rar. (Symbolfoto)

Wuppertal. Es gibt Kinder, die haben zwei Mütter. Eine schmiert morgens die Schulbrote, die andere schickt ab und zu mal einen Brief. Letztere wird manchmal „Bauchmutter“ genannt. Dahinter verbirgt sich eine Frau, die ihr Baby nach der Geburt zur Adoption freigegeben hat. Das Problem in Wuppertal: Bauchmütter haben es immer schwerer, die passenden Adoptiveltern zu finden.

Barbara Mertmann, beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) für Adoption und Pflegekinder zuständig, sagt: „Wir haben unsere Zahlen angeguckt und einen Schreck bekommen.“ Bei dem kirchlichen Verband warten zurzeit nicht einmal zehn Bewerber auf ein Adoptivkind.

„Manche wollen keine Polizisten oder Lehrer“

So etwas wie eine Warteliste gibt es nicht. In Wuppertal werden Kinder keiner Familie zugewiesen, die schwangeren Mütter selbst suchen sich die künftigen Eltern für ihr Baby aus. Und Mütter können wählerisch sein. Mertmann berichtet von den genauen Vorstellungen der Frauen: „Manche wollen katholische Eltern, andere keine Polizisten oder Lehrer.“

Den Traum von der perfekten Familie träumen gerade die Frauen, die unter unglücklichen Umständen schwanger geworden sind. Doch das Angebot an Pflegeeltern ist eingeschränkt. Von dieser Tendenz berichtet auch das städtische Jugendamt, das ebenso Kinder vermittelt.

Viele scheuen das Aufnahmeverfahren. Barbara Mertmann sagt: „Einige Eltern denken, wir würden bei ihnen in die Schränke gucken. Aber so schlimm ist das alles gar nicht.“ Lediglich ein paar Grundvoraussetzungen müssen die Eltern zwingend erfüllen.

Wer ein Kind adoptieren will, muss zunächst ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis und ein Gesundheitszeugnis vorlegen. Süchtige und Menschen, die unter lebensgefährlichen oder psychischen Krankheiten leiden, scheiden aus. Die zukünftigen Eltern sollten finanziell unabhängig sein und dem Kind einen ausreichenden Wohnraum bieten können. Ein Elternteil muss über 25 Jahre alt sein, zusammen sollten es die Anwärter jedoch nicht auf über 80 Jahre bringen.

Der SkF berät über das Bewerberverfahren für Adoptiv- und Pflegeeltern. Ungewollt schwangere Frauen können sich auch anonym an den Dienst wenden. Kontakt: Barbara Mertmann, Telefon 931 26 16.

Die Stiftung arbeitet Hand in Hand mit dem SkF Wuppertal. Donum Vitae berät Frauen bei ungewollten Schwangerschaften und versucht so, Abtreibungen zu verhindern.

2009 gab es bei dem Sozialdienst elf Anfragen junger Mütter. Nur vier Kinder wurden letztendlich zur Adoption freigegeben.

Klappt es mit der Vermittlung, gilt es noch eine weitere Hürde zu überwinden. Die leibliche Mutter hat acht Wochen Bedenkzeit, in der sie sich anders entscheiden kann. Pflegemutter Marlene Rade (Name von der Redaktion geändert) berichtet: „Belastend war in der ersten Zeit die Ungewissheit, dass uns das Kind auch wieder weggenommen werden könnte.“ Heute ist sie glücklich, dass dieses Kapitel durchgestanden ist.

Acht Wochen lang können sich die Mütter umentscheiden

Rade und ihr Mann wollten eigentlich ein Kind adoptieren, ihnen wurde jedoch zu einer Pflegeelternschaft geraten. Der Unterschied ist ein juristischer. Bei einer Adoption geht die Erziehung komplett in die Verantwortung der neuen Eltern über, bei Pflegeeltern sind die Rechte nicht so weit gefasst. Die Kinder halten in der Regel Kontakt zu den leiblichen Eltern, das Jugendamt ist zusätzlicher Entscheidungsträger.

Mit dem Pflegekinderdienst hat die Stadt seit kurzem auch freie Träger wie etwa den SkF beauftragt, um Kindern künftig gezielter und schneller helfen zu können. 2008 brachte der Fall Talea das Wuppertaler Jugendamt unter schweren Beschuss. Die Fünfjährige war in einer Pflegefamilie ums Leben gekommen.

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