Bis zu 5000 Demonstranten protestierten in Elberfeld gegen den Aufmarsch der Rechtsextremen.

Kundgebung
Mehrere tausend Demonstranten bekundeten am Samstag auf dem Kirchplatz ihren Widerstand gegen Rechts.

Mehrere tausend Demonstranten bekundeten am Samstag auf dem Kirchplatz ihren Widerstand gegen Rechts.

Andreas Fischer

Mehrere tausend Demonstranten bekundeten am Samstag auf dem Kirchplatz ihren Widerstand gegen Rechts.

Wuppertal. Der Protest gegen Rechts in Wuppertal hatte gestern zwei Gesichter. Das friedliche, heitere zeigte sich am Vormittag auf dem Kirchplatz. Dort hatten sich Tausende zwischen der Bühne und der Alten Freiheit versammelt – die Polizei sprach von 2500 Menschen allein auf dem Kirchplatz, die Veranstalter vom Bündnis „Wuppertal gegen Rechts“ zählten in der Innenstadt gut 5000 Demonstranten.

Von diesen gab es viel Beifall für die Reden von Oberbürgermeister Peter Jung (CDU) und NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD). Jung freute sich sichtlich über die Vielfalt des Widerstands: „Es ist ein außergewöhnliches Signal, dass sich eine Stadt mit so einem breites Bündnis gegen Rechts positioniert.“ Den Protest vom Samstag sah er als mutiges Bekenntnis gegen den Neonazismus sogar auf Augenhöhe mit der Barmer Erklärung der Bekennenden Kirche von 1934.

„Mut-Bürger.“

Transparent eines Gegendemonstranten

Auch wenn sich nach den Reden der Kirchplatz merklich leerte, ging hier das Fest gegen Rechts bis in den Abend hinein weiter. Die Demonstranten verteilten sich derweil nach Aufforderung der Bündnis-Organisatoren durch die Stadt – entweder, um mit Mitteln des zivilen Ungehorsams in Unterbarmen dem rechten Aufmarsch den Weg aus dem Bahnhofs zu versperren, oder aber, um an den Absperrungen entlang der Zugstrecke Flagge zu zeigen. Warum, brachte Gegendemonstrant André (44) auf den Punkt: „Gegen diesen Aufmarsch reicht es nicht, nur vor einer Bühne seine Überzeugung auszudrücken.“

Die weitaus meisten Gegendemonstranten blieben bei diesen Aktionen friedlich. Nur mehrere Gruppen Autonome suchten die immer wieder den Konflikt mit Polizei und Rechtsextremen – das war das andere Gesicht des Wuppertaler Protests.

Entsprechend krititisch äußerte sich Peter Jung über die Einschränkungen, die die Wuppertaler wegen der massiven Sicherheitsvorkehrungen rund um den rechtsextremen Aufmarsch zu erdulden hatten: „Es kann nicht sein, dass jede Woche eine andere Stadt lahmgelegt wird. Was die Neonazis uns zumuten, ist unerträglich.“ Seine Forderung: Eine Änderung des Demonstrationsrechts, um rechtsextreme Aufmärsche künftig besser verbieten zu können. Das könnte sehr rasch notwendig werden: Die Neonazis kündigten am Samstag an, künftig noch härter um die Straße in Wuppertal kämpfen zu wollen.

„Ich bin froh, dass die bürgerlichen Wuppertaler sich zu einem friedlichen Protest zusammengefunden haben. Wir hoffen, dass jeder heute Abend gesund nach Hause kommt – das gilt natürlich auch für meine Beamten.“ (Birgitta Radermacher, Polizeipräsidentin)
 

„Ich bin hier, um die Leute in die Schranken zu weisen. Wir wollen keine Nazis in unserer Stadt!“
(Paul Decker, Sänger der Gruppe Striekspoen)
 

„Ich finde es super, dass der Platz so voll ist und so viele gekommen sind, um
Flagge gegen Rechts zu zeigen.“
(Christian Hampe, Kreativ-Netzwerk Clownfisch)
 

„ Ich bin überrascht und erfreut. Es ist toll, dass so
viele Menschen aus allen Bevölkerungsgruppen dem Aufruf des Gegenbündnisses gefolgt sind.“
(Charles Petersohn, Musiker)
 

„Neonazismus ist für mich ein Verbrechen. Es ist schlimm, dass der Aufmarsch zugelassen
worden ist.“
(Georg Polikeit, Wuppertaler)