„Junges Theater Wuppertal“ zeigt Collage „Manche sterben langweilig“.

„Junges Theater Wuppertal“ zeigt Collage „Manche sterben langweilig“.
Mit originellen Kostümen und starkem Ausdruck gestaltete das Junge Theater Wuppertal seine Aufführung im Engelsgarten.

Mit originellen Kostümen und starkem Ausdruck gestaltete das Junge Theater Wuppertal seine Aufführung im Engelsgarten.

Anna Schwartz

Mit originellen Kostümen und starkem Ausdruck gestaltete das Junge Theater Wuppertal seine Aufführung im Engelsgarten.

Dass das an diesem Abend gezeigte Stück ungewöhnlich ausfällt, wird den Besuchern schon beim Gang zu den Plätzen klar. In einer Reihe sitzen die 13 Akteurinnen und Akteure des Jugendclubs des Schauspiels am Donnerstag auf der Bühne des Theaters am Engelgarten, kein Vorhang trennt die beiden Sphären. Gekleidet in Rokoko-Kostüme, mit hohen Perücken und teilweise greller Schminke wirken die jungen Schauspieler wie aus der Zeit gefallen – da warten die Gäste dann gespannt, was nun auf sie zurollt.

„Manche sterben langweilig“ heißt das Stück, das das „Junge Theater Wuppertal“ an diesem Abend aufführt. Es ist die Premiere für die neun Mädchen und vier Jungen im Alter von 15 bis 22 Jahren, die seit September an dem Auftritt gearbeitet haben. Angeleitet wurden sie dabei von der Regieassistentin Barbara Büchmann und dem Schauspieler Alexander Peiler. Zusammengekommen ist eine Collage mit eigenen und Fremdtexten sowie einer Mixtur aus beidem.

Jeder einzelne Akteur hat einen Soloauftritt

Zum Start der 45-minütigen Aufführung werfen die Mädchen und Jungen Begriffe ins Publikum, die sie beschäftigen und umtreiben: „Umweltverschmutzung“, „Diskriminierung“, „Antisemitismus“ sowie weitere Schlagwörter. Anschließend folgt eine Art Publikumsbeschimpfung, wie man sie von Peter Handke kennt. „Sie sind doch bestimmt auch mit dem Auto gekommen“, wird mit anklagendem Unterton gefragt. Anschließend folgt eine Spielszene zum Thema „Träume“, in der sich eine Akteurin in die Rolle des Superhelden Peter Parker (alias Spiderman) träumt.

Das startet alles furios, wird dann aber deutlich ruhiger und leiser. Jeder einzelne der 13 Akteure hat einen Solo-Auftritt und kann seine Ängste, Wünsche und Erwartungen ausdrücken. Zwischendurch gibt es Tanz- oder darstellende Einlagen. Den Auftakt übernimmt der in einem Bademantel gekleidete Julius, der sich eloquent und ungeschminkt zum Thema „Übergewicht“ und den Vorurteilen der Öffentlichkeit dazu auslässt.

Emma berichtet von ihrer Angst, die in ihr „wächst wie ein Ballon“, Moritz gibt eine Einlage als Nazi. Und auch die Auftritte von Kira, Ally, Luna, Victoria, Laeticia, Luca, Philipp, Fabia, Isabell und Nelly beleuchten jeweils eine Stimmungslage der jungen Menschen zwischen Selbstzweifel, Liebeskummer, Lebensüberdruss und Zukunftsangst.

Die jungen Akteure zeigen dabei eine ansprechende Aufführung, Lampenfieber ist ihnen kaum anzumerken. Man habe sich bewusst für die Collage entschieden, weil die Jugendlichen „so viel“ zu sagen hätten, dass die Adaption eines bestehenden Stückes gar nicht nötig war, erklärt Regieassistentin Büchmann nach der Aufführung. Und auch Intendant Thomas Braus ist voll des Lobes: „Es ist toll, wenn junge Leute so persönlich sein können!“

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