Der eine oder andere Opernhaus-Besucher mag sich gestern einen anderen Empfang gewünscht haben. Aber die Demonstranten passten ins Bild. Sie sorgten dafür, dass die Verhältnismäßigkeit nicht aus dem Blick geriet. Wuppertal darf 23 Millionen Euro für die Sanierung eines Opernhauses ausgeben, wird aber bei ein paar hunderttausend Euro für Stadtentwicklungsprogramme vom Land ausgebremst.

Oberbürgermeister Peter Jung hat sich nicht gescheut, das Thema gleich zu Beginn seiner Eröffnungsrede richtig einzuordnen. Das war mutig und klug, verhinderte er doch damit, dass sich Sozial- und Kulturträger in einen Verteilungskampf verstricken. Jung hat sich nicht in die üblichen Politik-Floskeln geflüchtet, sondern gegen eine Landespolitik zulasten der Städte positioniert. Da er und der Rest der Stadt dies auch schon vorher getan haben, erklärt sich vielleicht, warum dem Ministerpräsidenten andere Termine wichtiger waren.

Ein Landesvater kommt zwar nicht oft in den Genuss, eine Oper zu eröffnen, hat aber auch keine Lust, sich einen Vorzeige-Termin durch Demonstranten und Kritiker aus dem eigenen Lager madig machen zu lassen. Wie schnell sich Stimmungen im Zeichen der Krise doch ändern. Noch vor einem halben Jahr feierte Rüttgers den NRW-Tag am Stadion Zoo. Von Misstönen keine Spur. Im Gegenteil: Wuppertal war für Rüttgers ein finanztechnisches Vorbild. Beeindruckt zeigte er sich von der finanziellen Kraft privater Unterstützer.

Dieses Engagement hätte er auch gestern hervorheben können, denn die Oper wäre ohne die Wuppertaler nie wiedereröffnet worden. Er hätte auch die Demonstranten loben können, deren Engagement Sozialpolitik überhaupt aufrecht erhält. Stadtteilarbeit, die von der Stadt nicht zu bezahlen wäre. Er hätte ihnen auch sagen können, dass das Konjunkturpaket auch in Wuppertal ankommen wird. Hat er nicht. Wieder eine verpasste Chance.

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