Der Gemeinde-Vorsitzende Leonid Goldberg sieht wachsende Judenfeindlichkeit. Die Schule könnte gegensteuern, meint er.

Pilotprojekt in Niedersachsen: Dort wird Islam-Unterricht an Grundschulen angeboten.
Pilotprojekt in Niedersachsen: Dort wird Islam-Unterricht an Grundschulen angeboten.

Pilotprojekt in Niedersachsen: Dort wird Islam-Unterricht an Grundschulen angeboten.

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Pilotprojekt in Niedersachsen: Dort wird Islam-Unterricht an Grundschulen angeboten.

Wuppertal. Leonid Goldberg, Vorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde Wuppertal, hat sich für die Einführung von deutschsprachigem Islam-Unterricht an Wuppertaler Schulen ausgesprochen. „Ein offizieller islamischer Religionsunterricht unter dem Dach der Schulaufsicht wäre sicherlich ein großer Schritt zur Integration der Muslime“, sagte Goldberg in einem Interview mit der WZ.

Hintergrund der Forderung: Nach Goldbergs Aussage häuft sich in jüngerer Zeit die Feindseligkeit gerade jüngerer Muslime gegenüber Juden in Wuppertal – bis hin zu gewalttätigen Übergriffen.

Der Islam an sich sei tolerant, betont Goldberg

So sei es für den Rabbiner der Gemeinde beispielsweise nicht mehr möglich, mit der traditionellen jüdischen Kopfbedeckung über den Werth zu laufen, ohne beschimpft zu werden. Die Ursache dafür sieht Goldberg nicht im Islam an sich begründet: „Die Religion ist durchaus tolerant“, so Goldberg, „in allen muslimischen Ländern konnten Juden genauso wie Christen ja jahrhundertelang weitgehend unbehelligt leben.“

Einfluss von Hasspredigern begrenzen

Auch freue sich die Gemeinde über ein gutes Verhältnis zu den meisten Wuppertaler Moscheevereinen. Die Judenfeindlichkeit bei manchen Wuppertaler Muslimen führt Goldberg vor allem auf den Einfluss arabischer Propagandasender und Hassprediger zurück. „Was kann der Vorstand eines Moscheevereins tun, wenn seine Leute auf diese Brandstifter hören“, fragt sich Goldberg.

Einen islamischen Religionsunterricht in deutscher Sprache sieht Goldberg daher als Möglichkeit, die islamische Erziehung aus der Sphäre der Hassprediger und der Aufhetzung herauszuholen. Was so ein Unterricht an integrativer Wirkung zeige, habe die jüdische Gemeinde nach Goldbergs Aussage selbst erfahren: Für die Gemeinde arbeitet eine in Deutschland ausgebildete jüdische Religionslehrerin, die jüdischen Wuppertaler Kindern unter dem Dach der Schulaufsicht eine Alternative zum christlichen schulischen Religionsunterricht anbieten kann.

„Das hat dazu geführt“, so Goldberg weiter, „dass wir im Jahr 2009 erstmals in Wuppertals Geschichte Abiturprüfungen in jüdischer Religionslehre hatten.“ Für Goldberg ist das eine Erfolgs-Geschichte. „Ich bin sehr dafür, dass so etwas auch den Muslimen in Wuppertal ermöglicht wird.“