Tatort-Star ruft zur Aktion „Wir starten gleich“ auf. Das Projekt finanziert Schulranzen für Erstklässler, die in Armut leben.

Tatort-Star ruft zur Aktion „Wir starten gleich“ auf. Das Projekt finanziert Schulranzen für Erstklässler, die in Armut leben.
Jo Bausch, Andreas Mucke und Holger Poensgen wollen in Wuppertal möglichst viele Kinder mit Schulranzen in ausstatten.

Jo Bausch, Andreas Mucke und Holger Poensgen wollen in Wuppertal möglichst viele Kinder mit Schulranzen in ausstatten.

Stefan Fries

Jo Bausch, Andreas Mucke und Holger Poensgen wollen in Wuppertal möglichst viele Kinder mit Schulranzen in ausstatten.

Wuppertal. So authentisch wie Joe Bausch kommt im Fernsehen kaum einer rüber. Als Gerichtsmediziner Joseph Roth und Partner der Kölner Tatort-Kommissare Ballauf und Schenk werden die meisten Fernsehzuschauer den knorrig aussehenden Westerwälder kennen. Doch der Mediziner, Schauspieler und Buchautor hat mehr zu bieten als ein Charaktergesicht. Er hat ganz offensichtlich sein Herz auf dem rechten Fleck. Als die Stadt Wuppertal ihn zur Vorstellung des Projekts „Kein Kind ohne Schulranzen“ ins Rathaus bat, da sagte er spontan zu und richtete seinen Terminkalender auf die Wünsche seiner Gastgeber aus – von Starallüren keine Spur.

„Die Kinder werden sagen, den Ranzen habe ich von Papa und Mama.“

Joe Bausch, Mediziner und Schauspieler und Mitinitiator der Aktion „Wir starten gleich“.

Entsprechend überzeugend brachte er im Rathaus sein Anliegen vor: „Man kann die Augen vor der Kinderarmut, die wir bei uns haben, nicht verschließen. Lasst uns schauen, dass wir möglichst viele Kinder an ihrem ersten Schultag mit einem vernünftigen Ranzen ausstatten. Das ist ein ganz wichtiger Tag, wir sollten ihnen einen Start auf Augenhöhe ihrer Mitschüler ermöglichen“, sagte Joe Bausch. Und so funktioniert das Projekt: Aus Einzelspenden oder über Sponsoren werden die Ranzen und Tornister sowie die Inhalte finanziert. Für Kinder ist es sehr wichtig, gut ausgestattet zu sein, denn unter Schülern sind die Tornister Statussymbole. „Das Ganze geschieht absolut anonym. Die Kinder werden später sagen können, den Ranzen habe ich von Mama oder Papa“, verspricht Joe Bausch. 500 Tornister wurden zum Beispiel allein in Dortmund verteilt. Weitere 800 waren es in Köln und Bonn. Oberbürgermeister Andreas Mucke wies darauf hin, dass jedes dritte Kind in Wuppertal in Armut lebt. „Das finde ich sehr bedrückend“, sagte Mucke, der die Schirmherrschaft für das Projekt „Wir starten gleich“ in Wuppertal übernommen hat. Holger Poensgen, Lehrer am Berufskolleg Kohlstraße, hatte in einer Talkshow von dem gemeinsamen Projekt der Tatort-Schauspieler gehört und bei dem Kölner Verein „Tatort Straßen der Welt“ angefragt. „Ich freue mich, dass die logistische Hilfe für uns aus Köln bereitsteht. In Wuppertal gelte es nun, Spenden zu sammeln und die Bedürftigen in Zusammenarbeit mit Vereinen und Organisationen zu finden. Partner wird die Konfetti GmbH sein, einer der Anbieter für Schulranzen in Wuppertal. Als Sponsoren haben bereits die Lions Clubs Wuppertal, die Sparkasse, Vorwerk und die Sparda-Bank ihre Unterstützung angekündigt.

Hilfe für Kinder in aller Welt

Als Gerichtsmediziner Joseph Roth hat der Schauspieler Jo Bausch seit Ende der 1990er-Jahre Auftritte im Kölner Tatort. Er ist ausgebildeter Mediziner und arbeitet als Gefängnisarzt in Verl. Seit 2004 gehört er dem Verein „Tatort Straßen der Welt“ an.
 

Für das Projekt wurde bei der Sparda-Bank West ein Spendenkonto eingerichtet. Dort können auch Einzelspenden eingezahlt werden. Über das Geld werden Schulranzen und Schulmaterial finanziert, mit der die I-Dötzchen ausgestattet werden.

Der Verein „Tatort Straßen der Welt“ wurde im Anschluss an Dreharbeiten in Manila von den „drei B“ des Kölner Tatorts gegründet: Bär, Behrendt und Bausch. Das Vereinsziel war es zunächst, philippinischen Straßenkindern zu helfen. Ihr Engagement haben die drei „Kriminalisten“ mit dem Verein nun auf Swaziland und Deutschland ausgeweitet. Der Tag der nächsten Einschulung rückt wieder näher, doch nicht allein bei den künftigen I-Dötzchen besteht bald wieder Bedarf. „Hinzugekommen sind die Kinder der Flüchtlinge, die das ganze Jahr über eingeschult werden“, sagt Joe Bausch. Der Verein wist darauf hin, dass ein Drittel der Flüchtlinge Kinder sind. Mit ihrer Popularität werben Behrendt, Bär und Bausch seit den späten 1990er-Jahren für ihre Hilfsprojekte. „Das tun wir meistens im Wechsel, so wie es unser Terminkalender gerade zulässt. Wenn es in Wuppertal 15.000 Ranzen werden, dann kommen wir alle drei wieder“, sagt Bausch schmunzelnd. Um dann lächelnd hinzuzufügen: „Nein, das war nur ein Scherz, so viele Ranzen müssen es gar nicht sein.“

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer