WZ-Interview: SPD-Chef Dietmar Bell können Wahlschlappen offenbar nicht schrecken.

Dietmar Bell führt die Wuppertaler SPD in den Wahlkampf. Er weiß, dass bei einer Kommunalwahl auch Bundespolitik eine Rolle spielt. Dort sieht es für die SPSD nicht so gut aus, Bell aber will im Tal deutlich zulegen.
Dietmar Bell führt die Wuppertaler SPD in den Wahlkampf. Er weiß, dass bei einer Kommunalwahl auch Bundespolitik eine Rolle spielt. Dort sieht es für die SPSD nicht so gut aus, Bell aber will im Tal deutlich zulegen.

Dietmar Bell führt die Wuppertaler SPD in den Wahlkampf. Er weiß, dass bei einer Kommunalwahl auch Bundespolitik eine Rolle spielt. Dort sieht es für die SPSD nicht so gut aus, Bell aber will im Tal deutlich zulegen.

Uwe Schinkel

Dietmar Bell führt die Wuppertaler SPD in den Wahlkampf. Er weiß, dass bei einer Kommunalwahl auch Bundespolitik eine Rolle spielt. Dort sieht es für die SPSD nicht so gut aus, Bell aber will im Tal deutlich zulegen.

Herr Bell, die SPD hat bei der Europa-Wahl bundesweit gerade einmal 20 Prozent eingefahren. Das ist katastrophal, die Stimmung in der Partei am Boden. Sie sind Spitzenkandidat der SPD in Wuppertal. Ist Ihnen da nicht die Lust auf die anstehenden Wahlkämpfe vergangen?

Dietmar Bell: Im Gegenteil. Ich freue mich auf den Kommunalwahlkampf. Wir werden ab Montag für eine Menge Überraschungen in Wuppertal sorgen und einen jungen, online-gestützten Wahlkampf mit einem jungen und kreativen Team führen. Ich bin sehr gespannt auf die nächsten Wochen - und äußerst zuversichtlich, was unser Wahlergebnis betrifft.

Das klingt sehr nach Durchhalteparolen. Wie kann man angesichts der desaströsen Wahlergebnisse und Prognosen glaubwürdig so viel Optimismus verbreiten?

Ganz einfach, weil es die von Ihnen unterstellte Depression in der Partei nicht gibt. Davon konnte sich jeder beim Bundesparteitag letzte Woche überzeugen. Das Wahlergebnis ist für die SPD eine Herausforderung. Für uns in Wuppertal war die Europawahl nicht befriedigend, aber auch keine Katastrophe. Deshalb können wir realistisch davon ausgehen, unser Wahlziel zu erreichen.

Das da wäre?

Stärkste Fraktion im Rat zu werden und mit Dietmar Bell den Oberbürgermeister zu stellen.

Das sehen Sie wirklich als realistisch an?

Allerdings, wir rechnen mit einem deutlichen Zuwachs gegenüber der Kommunalwahl 2004. Was die Direktwahl betrifft: Ich trete mit einem deutlich anderen Profil als Peter Jung an. Der Amtsinhaber versteht sich ausschließlich als Repräsentant. In der wirtschaftlichen Situation der Stadt ist mir das zu wenig.

Wie es scheint, glauben an diese Erfolgsstory nur Sozialdemokarten, und selbst die sind sich da nicht einig.

Dietmar Bell ist Geschäftsführer der Gewerkschaft Verdi, Vorsitzender der Wuppertaler SPD und zugleich Herausforderer von Oberbürgermeister Peter Jung (CDU) bei der Direktwahl am 30. August. Am Montag wollen die Sozialdemokraten offiziell den Wahlkampf eröffnen und die ersten Plakate im Stadtgebiet aufhängen. Schwerpunktthemen im Wahlkampf werden Arbeit, Bildung Soziales, die Stadtfinanzen und der Strukturwandel sein.

Bei der Europawahl kam die SPD bundesweit auf 21 Prozent. In Wuppertal waren es 25 Prozent (CDU 32 Prozent). Bei der Kommunalwahl 2004 erreichte die SPD 28, die CDU 38 Prozent (gerundet).

Unterschätzen Sie die Dynamik im Wahlkampf nicht. Auch bei der Bundestagswahl 2004 hatten wir eine Situation, in der die Medien die SPD bereits abgeschrieben hatten. Und dann haben wir ein denkbar knappes Ergebnis erzielt.

"Die SPD wird in den nächsten Wochen bundesweit zulegen"

Sie setzten also voll darauf, dass der Trend unmittelbar vor der Wahl noch zu Ihren Gunsten kippt.

Die SPD wird in den nächsten Wochen bundesweit zulegen. Und wir werden in Wuppertal diesen Trend noch toppen. Fünf Prozent über dem Bundesergebnis sind durchaus drin.

Was gibt Ihnen diese Zuversicht?

Die Tatsache, dass wir in Wuppertal gut aufgestellt sind und das richtige Programm für die Stadt haben.

Die Ausgangsvoraussetzungen der SPD Wuppertal sind nicht besser als im Bund. Auch Sie führen Wahlkampf aus einer ungeliebten großen Koalition heraus.

Im Unterschied zum Bund können wir in Wuppertal aber sehr klar herausstellen, wer für die Erfolge in der Kooperation mit der CDU verantwortlich ist - nämlich wir. Ich erinnere nur an den gelungenen Stadtwerke-Umbau. Der trägt ganz klar unsere Handschrift. Damit haben wir bewiesen, dass die SPD die richtigen Rezepte für den wirtschaftlichen Strukturwandel hat. Und das wird mir auch von den Menschen gespiegelt.

Das Bündnis mit der CDU wird von beiden Seiten als Erfolgsmodell bezeichnet. Wird es nach der Ratswahl eine Neuauflage geben? Nach den Europawahl-Ergebnissen wäre auch eine Ampelkoalition möglich.

Das wird sich nach der Wahl zeigen. Entscheidend wird sein, mit welcher Ratsfraktion wir eine gute Politik machen können.

Ist Frank-Walter Steinmeier der richtige Spitzenkandidat der SPD?

Ja.

Dann haben Sie Ihre Meinung geändert?

Steinmeier hat eine unglaubliche Entwicklung durchgemacht. Er hat mich überzeugt.

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