Tag des Handwerks: Arnd Krüger, Meister der Kreishandwerker, ist voller Zuversicht.

Interview
Kreishandwerksmeister Arnd Krüger sieht die Lage des Wuppertaler Handwerks optimistisch.

Kreishandwerksmeister Arnd Krüger sieht die Lage des Wuppertaler Handwerks optimistisch.

Andreas Fischer

Kreishandwerksmeister Arnd Krüger sieht die Lage des Wuppertaler Handwerks optimistisch.

Herr Krüger, wir führen dieses Gespräch am Tag des Handwerks. Wie geht es dem Wuppertaler Handwerk?

Krüger: Dem Wuppertaler Handwerk geht es sehr gut, wir sind mit den Themen Energieeffizienz und Energieeinsparung sehr gut beschäftigt. Alle unsere Branchen, vom Lebensmittelhandwerk bis zu den Friseuren, haben gut zu tun.

Das heißt, die Konjunktur im Handwerk läuft rund?

Krüger: Ja, das stimmt. Die Bürger investieren lieber in Steine, als in unsicheren Zeiten das Geld zur Bank zu tragen.

Wie profitieren Ihre Unternehmen von der Energiewende?

Die Kreishandwerkerschaft Wuppertal hat derzeit 1000 Mitgliedsunternehmen. In allen 4000 Handwerksbetrieben arbeiten etwa 20 000 Menschen.

Krüger: Das Bewusstsein zum Thema Energieeinsparung hat sich sehr stark verändert. Das ist das Thema des Tages. Das Handwerk bietet jedes Jahr bessere Produkte an, um die geforderten neuen Normen zu erfüllen.

Was meinen Sie damit konkret?

Krüger: Wir können bessere Dämmstoffe für Wände anbieten, neuartige Dächer mit besserer Isolierung, neuere Fenster, energieeffiziente Heizsysteme. All die Forderungen, die Häuslebauer und Wohnungseigentümer haben, können wir wunderbar erfüllen.

Wird sich dieser Trend fortsetzen?

Krüger: Das hängt zwar auch von der Konjunktur ab, aber die fossilen Brennstoffe gehen zur Neige und werden teurer. Allein aus diesem Grund ist ein gewisser Investitionsdruck vorhanden. Das bleibt so und wird sich eher noch verschärfen.

Also sind die Aussichten für das Wuppertaler Handwerk sehr gut?

Krüger: Ja, die Themen, die in Zukunft gefragt sind, werden von uns gut besetzt.

Gibt es denn noch genug Facharbeiter, um die Kundenwünsche zu erfüllen?

Krüger: Diese Frage wird die ganze Gesellschaft in den nächsten Jahren sehr stark beschäftigen. Derzeit haben wir im Wuppertaler Handwerk sehr gut ausgebildete Mitarbeiter, die auch noch nicht zu alt sind. Die Zukunft wird uns jedoch in diesem Bereich sehr viel Sorgfalt abverlangen.

Mit Sorgfalt meinen Sie, dass Sie sich um ihren Nachwuchs kümmern müssen?

Krüger: Richtig, da ist auch die Bildungspolitik gefragt. Wir brauchen ein Schulsystem, das auch wieder für das Fundament einer Gesellschaft tätig ist und nicht nur für die Elitenförderung. Um ein Bild zu benutzen: Wir brauchen nicht nur Häuptlinge, sondern auch Indianer, sprich Facharbeiter.

Und deren Lagerfeuer, um im Bild zu bleiben, sollte dann durchaus in einer Hauptschule brennen?

Krüger: Ja, wenn diese Hauptschule Schüler ausbildet, die wir in einen Handwerksberuf integrieren können.

Bildet denn das Handwerk in der Stadt ausreichend aus?

Krüger: Pro Jahrgang bilden wir zwischen 400 und 500 Lehrlinge aus. Das ist eine Quote, die sich sehen lassen kann. Weil wir einen Fachkräftemangel befürchten, werden wir in Zukunft sogar mehr ausbilden.

Finden Sie denn genug Lehrlinge, die die hohen Anforderungen, wie etwa für den Kfz-Mechatroniker, erfüllen?

Krüger: Das ist schwierig, nicht nur im Kfz-Bereich, sondern auch im Elektrobereich und bei Heizung und Sanitär. Wir brauchen ein schulisches Fundament, auf dem Ausbildung aufsetzen kann.

Gibt es in Wuppertal noch ausreichend öffentliche Aufträge?

Krüger: Ja, die gibt es noch, aber das Handwerk bevorzugt private und gewerbliche Kunden.

Warum?

Krüger: Weil die öffentliche Hand immer billigst den Auftrag vergibt, und es ist nicht immer unser Ziel, der Billigste zu sein.

Auch in Wuppertal wird mehr gebaut. Kommt das Ihren Unternehmen zugute?

Krüger: Ja, sicher. Solange Kräne in einer Stadt stehen, heißt das, dass die Einwohner Zuversicht haben und das bedeutet, dass wir auch in Zukunft hier Arbeit finden werden.

Sehen Sie diese Zuversicht bei den Wuppertalern?

Krüger: Die Bürger sehen Ihre Stadt nicht nur positiv und sehr viele Projekte vermitteln den Eindruck, als würde es klemmen. Aber es gibt hier so viel bürgerschaftliches Engagement, das zeigt: Die Menschen stehen hinter ihrer Stadt.

Aber die Stadt schrumpft?

Krüger: Ja, aber das muss kein Nachteil sein, wenn diese kleinere Stadt auszeichnet, was Wuppertal früher ausgezeichnet hat; das weltoffene Bürgertum, engagierte Gewerbetreibende. Wenn das wieder die Merkmale sind, wofür Wuppertal steht, dann macht mir das keine Sorgen.

Sie gelten als aus ausgesprochener Kritiker der Wuppertaler Politik. Ist das noch immer so?

Krüger: Der Oberbürgermeister und sein Kämmerer schlagen mit ihrer Sparpolitik den richtigen Weg ein. Man muss es aber etwas positiver verkaufen und in der Öffentlichkeit besser vertreten. Man muss als Bürger das Gefühl haben, dass man nicht nur verwaltet, sondern auch kreativ begleitet wird. Dass die Politik auch den Mut und den Willen hat, die Zukunft zu gestalten.

Sie wurden als Kreishandwerksmeister wiedergewählt. Was möchten Sie in den nächsten drei Jahren durchsetzen?

Krüger: Ich möchte das Wuppertaler Handwerk in der Öffentlichkeit noch besser verankern und dessen Leistungsfähigkeit demonstrieren. Da sind wir auf einem guten Weg.

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