Das Wuppertal Institut will das Zentrum auf 4,5 Quadratkilometern vom Verkehr befreien. Die Idee soll eine Diskussion auslösen.

Das Wuppertal Institut will weniger Privat-PKW in der Stadt sehen - und dafür etwa mehr Carsharing-Angebote. Foto: Bernd von Jutrczenka
Das Wuppertal Institut will weniger Privat-PKW in der Stadt sehen - und dafür etwa mehr Carsharing-Angebote. Foto: Bernd von Jutrczenka

Das Wuppertal Institut will weniger Privat-PKW in der Stadt sehen - und dafür etwa mehr Carsharing-Angebote. Foto: Bernd von Jutrczenka

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Das Wuppertal Institut will weniger Privat-PKW in der Stadt sehen - und dafür etwa mehr Carsharing-Angebote. Foto: Bernd von Jutrczenka

Wuppertal. Oslo, Madrid, Florenz – Wuppertal. In so einer Reihe sieht Oscar Reutter vom Wuppertal Institut seine Stadt in Zukunft. Denn er und andere Wissenschaftler des Instituts für Klima, Umwelt und Energie haben eine Vision für die Stadt. Genauer für Elberfeld. Bis 2027 soll die Innenstadt weitgehend autofrei sein - von der Hardt bis zur Briller Straße, von der Bahn bis zur Nordbahntrasse.

Die Vorstellung kurz nach der Öffnung der B7 ist kein Zufall

Die Idee kommt nicht zufällig jetzt auf den Tisch, wenige Tage nach der Öffnung der B7. Denn Uwe Schneidewind, Präsident der Forschungseinrichtung, sagt, nachdem alle aufgeatmet hätten, dass die Straße wieder frei sei, möchte man jetzt Impulse setzen und Wuppertal als Innovationsstandort positionieren, bevor man in die Falle tappe und denke, dass sich nichts verändert. Denn die Verkehrswende ist in vollem Gang. Darauf will sich das Institut künftig konzentrieren.

Schneidewind will eine Diskussion starten, die sich an den positiven Aspekten der Verkehrswende orientiert – und nicht an den Nachteilen. Reutter führt dazu die Vorteile auf: „Die Wuppertaler gewinnen mehr Ruhe, gesündere Luft, aktiven Klimaschutz, mehr Verkehrssicherheit, eine höhere Wohnumfeldqualität, freien Bewegungsraum für Kinder und erweiterte umweltschonende Mobilitätsmöglichkeiten.“

Umgesetzt werden soll das Konzept Schritt für Schritt - durch kleine Anreize, sich mehr zu Fuß, mit dem Rad oder dem ÖPNV zu bewegen und kleinen Restriktionen für den Individualverkehr.

Die Rad- und Fußwege sollen verdichtet, die Höhen mit Aufzügen erreichbar gemacht werden. Der ÖPNV soll ausgebaut und ein Bürgerticket eingeführt, Car-Sharing-Angebote intensiviert werden. Gleichzeitig, so Reutter, sollen keine privaten Autos mehr an den Straßen parken dürfen. Stattdessen sollen die Autofahrer in Stadtteil-Parkhäuser fahren - zu höheren Gebühren.

Das, so betonen Schneidewind und Reutter, soll keine Strafe für die oder Kritik an der bisherigen Politik sein. Sondern lediglich ein Maßnahmenkatalog, um Wuppertal auf eine zukünftsfähige Mobilität vorzubereiten und die Lebensqualität zu steigern. Natürlich soll es aber Ausnahmen geben

Dahinter stecken Impulse, die die Stadt schon lange selbst initiiert hat. Denn der Ratsbeschluss zum neuen Nahverkehrskonzept sehe eine Steigerung der ÖPNV-Nutzung der Wuppertaler Straßen von 25,5 Prozent aktuell auf 30 Prozent bis 2030 vor, so Reutter. Und laut Bundesumweltamt müsste eine Stadt eine Autoquote von 150 Fahrzeugen pro 1000 Einwohner haben für eine zukunftsfähige Verkehrsplanung – in Wuppertal sind es 420.

Die Umsetzung sei nicht einfach, sagt Reutter. „Man muss das wollen.“ Aber dadurch könne man vorweg gehen – und zu Städten wie Oslo, Madrid oder Florenz aufschließen, die bisher voraus sind.

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