Dönberg: Der Bauherr der Groß-Anlage am Fettenberger Weg wehrt sich gegen Vorwürfe, seine Hennen seien illegal eingestallt worden.

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Der Hühnerstall gestern: 14.600 Tiere sind nach Angaben des Agrar-Unternehmers dort untergebracht.

Der Hühnerstall gestern: 14.600 Tiere sind nach Angaben des Agrar-Unternehmers dort untergebracht.

Uwe Schinkel

Der Hühnerstall gestern: 14.600 Tiere sind nach Angaben des Agrar-Unternehmers dort untergebracht.

Wuppertal. Richard Hennenberg klingt genervt: "Ich hoffe, dass das Thema nun endlich durch ist - jetzt, da die Hennen im Stall sind." 14.600 Tiere sind es, sagt der Bauherr des umstrittenen Groß-Hühnerstalls am Fettenberger Weg, eines mehr als 100 Meter langen, 24 Meter breiten und bis zu sechs Meter hohen Baus. Seit dem Frühjahr wird das Projekt an der Stadtgrenze zu Velbert realisiert.

Bürgerverein: Protest gegen den Bau im Grünen

Sehr zum Missfallen etlicher Anwohner, von denen sich einige im Bürgerverein Naturlandschaftschutz Deilbachtal organisiert haben. Sie protestieren gegen die Art des Betriebs, vor allem aber gegen den ihrer Ansicht nach irreparablen Eingriff in ein Naherholungsgebiet. Die ehemals landwirtschaftlich genutzte Fläche befindet sich im Landschaftsschutz. Dass Richard Hennenberg dort überhaupt bauen darf, liegt an einer rechtlichen Besonderheit: Der Unternehmer ist Landwirt in Neviges, und damit baurechtlich privilegiert.

Am vergangenen Montag waren die Hühner angeliefert worden: "Die Legehennen wurden ohne die erforderliche Genehmigung der zuständigen Behörden eingestallt", hatte Hans-Jürgen Jeromin vom Bürgerverein dem Unternehmer vorgeworfen.

Auch die Wuppertaler Stadtverwaltung kritisiert das Vorgehen Hennenbergs: Die Tiere hätten aus baurechtlicher Sicht zu diesem Zeitpunkt noch nicht untergebracht werden dürfen, weil am Montag noch Nachweise und Unterlagen gefehlt hätten. Die Stadt hat ein Bußgeldverfahren gegen den Unternehmer eingeleitet - über die Höhe wurde noch nichts bekannt.

Stadtverwaltung: Baurechtliche Nachweise haben gefehlt

Richard Hennenberg weist die Anschuldigungen zurück: "Es ist alles in Ordnung bei uns. Alle Vorgaben sind erfüllt." Bei einem von der Stadt reklamierten fehlenden Nachweis habe es sich um eine noch nicht installierte Löschwasser-Anlage gehandelt, die jetzt aber vorhanden sei. "Ich habe nichts zu verbergen", sagt Hennenberg, der sich als Opfer von Stimmungsmache sieht: "Was wir hier machen ist keine Tierquälerei, keine Massentierhaltung."

Hennenberg: Tiere mussten jetzt untergebracht werden

Fakt ist: Es gibt eine Baugenehmigung für bis zu 15 000 Hennen. Nachdem die städtische Bauüberwachung bei einem Ortstermin im August festgestellt hatte, dass Vorgaben der Baugenehmigung nicht eingehalten worden waren, wurde die Baustelle kurzfristig stillgelegt. Knapp drei Wochen später und nach erneuter Überprüfung erhielt Bauherr Hennenberg eine Nachtragsgenehmigung.

"Wir halten uns hier an Recht und Gesetz", hatte Hennenberg stets betont. Von den Stall-Gegnern wird das bezweifelt. Und zumindest Anfang der Woche sahen sie sich in ihrer Skepsis bestätigt.

Die Stall-Gegner kritisieren auch den Umgang der Stadt mit dem Genehmigungsverfahren. In einer Fachaufsichtsbeschwerde an die Bezirksregierung Düsseldorf habe man bereits darauf hingewiesen, dass eine illegale Einstallung zu erwarten sei, so Hans-Jürgen Jeromin vom Bürgerverein Naturlandschaftschutz Deilbachtal.

Besonders ärgert den Unternehmer der Vorwurf, er habe die Tiere illegal eingestallt, um Fakten zu schaffen: "Die Hennen mussten jetzt in den Stall - die waren doch bestellt und hätten sonst getötet werden müssen." Und überraschend sei die Tier-Anlieferung auch nicht gewesen: "Die Veterinärbehörde wusste Bescheid, die war vorher zur Abnahme da."

Dazu Stadt-Sprecherin Martina Eckermann: "Aus Veterinär-Sicht mag ja alles in Ordnung gewesen sein." Eine Erlaubnis zur Einstallung sei das aber nicht. "Es ist Sache des Bauherrn, alle erforderlichen Genehmigungen einzuholen." Und am Montag habe es noch keine abschließende Bauabnahme gegeben. "Niemand will Herrn Hennenberg etwas - er wird behandelt wie jeder andere Unternehmer auch."

Der Bauherr soll nun ein Bußgeld zahlen. An den geschaffenen Fakten dürfte die Strafe allerdings kaum etwas ändern. "Die Tiere sind im Stall", sagt Hans-Jürgen Jeromin vom Bürgerverein Naturlandschaftschutz Deilbachtal, "was gibt es da noch für Möglichkeiten, ohne dem schwächsten Glied in der Kette zu schaden - den Hühnern?"

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