Stephan Orth erkundete den Iran äußerst ungewöhnlich.

INTERVIEW
Auf der Urlaubsinsel Kish ging es für Orth mit Masoud, Darius und Saler (v.r.) zum Angeln bis zum Sonnenaufgang.

Auf der Urlaubsinsel Kish ging es für Orth mit Masoud, Darius und Saler (v.r.) zum Angeln bis zum Sonnenaufgang.

privat

Auf der Urlaubsinsel Kish ging es für Orth mit Masoud, Darius und Saler (v.r.) zum Angeln bis zum Sonnenaufgang.

Wuppertal. Reisen ist Stephan Orths „perfekter Aggregatzustand“. Den Iran erkundete der ehemalige Schüler des Wilhelm-Dörpfeld-Gymnaisums und Autor allein – per Couchsurfing. Seine Erlebnisse hat er jetzt in einem Buch veröffentlicht.

Herr Orth, auf wie vielen Couches oder Sofas haben Sie während Ihrer zweimonatigen Iran-Reise genächtigt?

Orth: Tatsächlich auf keiner einzigen - dafür auf Pritschen, Teppichen, und manchmal auch in einem Bett.

Wie kamen Sie auf die Idee, auf eigene Faust den Iran zu durchqueren?

Orth: Der Iran war schon lange auf meiner Liste von Ländern, in die ich gern reisen würde. 2013 war ich das erste Mal für zwei Wochen da. Dabei entstand die Idee für mein Buch: Dieses Land ist anders als seine Klischees.

Wie passt dazu der Untertitel Ihres Buches „Meine Reise hinter verschlossene Türen“?

Orth: Meine insgesamt 22 Gastgeber haben die Vorhänge zugezogen, sobald ich im Haus war - Couchsurfing ist im Iran offiziell verboten, wie so vieles, was im Westen normal ist. Die meisten Namen im Buch habe ich geändert, damit niemand Ärger bekommt.

Was passierte hinter den Vorhängen?

Orth: Dort fand ich mich oft in einer Parallelwelt wider: In der Öffentlichkeit zeigen sich die Leute als unscheinbare Mitglieder der Islamischen Republik. Zu Hause dagegen werden Gesetze gebrochen, Sauf-Partys gefeiert, wird über die Mullahs gelästert. Mein Buch wäre im Iran nicht erlaubt.

Hatten Sie selbst keine Angst?

Orth: Doch, es gab schon kritische Situationen. Speziell, weil ich mit einem Touristenvisum dort war, aber an einem Buch gearbeitet habe. Einmal wurde ich zwei Stunden lang auf einer Polizeiwache durchsucht, wegen Spionageverdachts. Zum Glück ist alles gut gegangen.

Und Ihr schönstes Erlebnis?

Orth: Die iranische Gastfreundschaft. Die ist weltweit einmalig. Allerdings sollte man das persische Höflichkeitsprotokoll kennen: Während eines gemeinsamen Essens - klassisch auf dem Boden sitzend - lobte ich den hübschen Perserteppich. Mein Gastgeber wollte ihn mir sofort schenken. Hätte ich das angenommen, wäre das ein großer Fauxpas gewesen.

Mehr als 50 Länder haben Sie bereist und leben in Hamburg - was zieht Sie immer wieder nach Wuppertal?

Orth: Meine Familie, meine Freunde, die Musikszene: klein, mit tollen Leuten und toller Musik. Das Luisenviertel fehlt mir auch – so eine Atmosphäre gibt es in anderen Städten nicht.

Sie möchten noch viele weitere Kulturen entdecken. Wenn es morgen losginge …

Orth: … würde ich nach Kolumbien oder Argentinien aufbrechen. Ich bin extrem neugierig und ständig auf der Suche nach etwas Neuem. Reisen ist für mich der perfekte Aggregatzustand.

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