Die Staatsanwaltschaft will den Ex-Leiter der Helios-Ausbildungszentren „nur“ wegen Betrugs verurteilen. Doch das Landgericht prüft jetzt erneut auch die Untreuevorwürfe.

Das Helios-Klinikum in Barmen.
Das Helios-Klinikum in Barmen.

Das Helios-Klinikum in Barmen.

Peter Sondermann / www.city-luft

Das Helios-Klinikum in Barmen.

Barmen. Eigentlich sollte am heutigen Mittwoch vor dem Landgericht im Prozess um den früheren langjährigen Leiter (56) der Helios-Ausbildungszentren in Wuppertal und Krefeld, Jochen S., das Urteil verkündet werden. Daraus wurde nichts. Das Gericht ist stattdessen erneut in die Beweisaufnahme eingetreten. Hintergrund: Wie berichtet, hat die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer eine Haftstrafe von dreieinhalb Jahren gefordert – allerdings „nur“ wegen Betrugs in mehr als 340 Fällen. Der ursprünglich in der Anklage erwähnte Vorwurf der Untreue war nicht mehr Gegenstand des Plädoyers. Doch genau das will das Gericht klären. Betrug und Untreue haben zwar grundsätzlich den gleichen Strafrahmen. Der prinzipielle Unterschied zwischen den beiden Straftatbeständen: Der Betrüger schadet einem Fremden. Im Fall der Untreue wird das eigene Unternehmen geschädigt – von einer Person, die eine besondere Vertrauensstellung innehat.

Für die Festlegung des Strafmaßes im Helios-Fall – der Angeklagte hat gestanden, über Jahre Seminare erfunden und die Honorare dafür in die eigene Tasche gesteckt zu haben – könnte das wichtig werden. Wie berichtet, hat die Verteidigung für eine Bewährungsstrafe plädiert. Das Strafmaß der Staatsanwaltschaft ließe dagegen Bewährung nicht mehr zu. Im September sollen Zeugen aus dem Helios-Controlling gehört werden Angesichts einer Schadenssumme von weit mehr als 600.000 Euro und der Zahlungsunfähigkeit des Angeklagten will das Landgericht offensichtlich vermeiden, dass das Urteil angefochten werden kann. Deshalb wurde am Mittwoch der Zeitplan für die Prozessbeteiligten überraschend, aber konsequent über den Haufen geworfen.

Im September sollen Zeugen aus dem Helios-Controlling gehört werden. Schon jetzt wirft die Beweisaufnahme ein Schlaglicht auf die damaligen Kontrollmechanismen im Helios-Konzern. Der Angeklagte selbst hatte bekannt, bereits seit 2002 – also in rechtsverjährter Zeit – regelmäßig Honorare für Seminare samt erfundener Dozenten kassiert zu haben. Und er bekannte, dass der Griff in die Kasse „unglaublich einfach“ gewesen sei. Offensichtlich hatte der Mann einen besonderen Vertrauensbonus im Haus: 2005 gab es eine Helios-Dienstanweisung, die es dem damaligen Chef erlaubte, bis zu 5000 Euro freizugeben – ohne das eigentlich obligatorische Vieraugenprinzip.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer