23 Insassen der JVA Ronsdorf haben nach 18 Monaten ihre Prüfungen bestanden – trotz großen Hürden.

Gefängnis
Rupert Koch (v.l.), Leiter der JVA, die stolzen Absolventen Marco und Nihat und JVA-Mitarbeiterin Frauke Müller.

Rupert Koch (v.l.), Leiter der JVA, die stolzen Absolventen Marco und Nihat und JVA-Mitarbeiterin Frauke Müller.

Otto Krschak

Rupert Koch (v.l.), Leiter der JVA, die stolzen Absolventen Marco und Nihat und JVA-Mitarbeiterin Frauke Müller.

Wuppertal. „Ein bisschen Raub“, antwortet Markus (Name von der Redaktion geändert) auf die Frage, warum er zweieinhalb Jahre in der Justizvollzugsanstalt Ronsdorf verbracht hat. Doch Markus hat die Zeit gut genutzt: „Ich wusste, dass ich etwas ändern muss“, sagt der 22-Jährige.

40 Insassen haben eine Ausbildung in der JVA begonnen

Zehn Maschinen- und Anlagenführer und 13 Bauten- und Objektbeschichter haben am Freitag in der JVA ihre Abschlusszeugnisse bekommen, Markus ist einer von ihnen. 40 Insassen haben vor 18 Monaten eine Ausbildung begonnen, 23 davon haben die Chance genutzt. „Draußen wäre es viel schwieriger gewesen, einen Ausbildungsplatz zu bekommen“, sagt Markus.

Doch auch in der JVA kann nicht jeder eine Ausbildung machen. „Eine gewisse schulische Vorbildung ist Voraussetzung“, sagt Lehrer Heribert Lahme. Er hat früher an einer Realschule unterrichtet, bevor er nach Ronsdorf gewechselt ist. Die Herausforderung dort ist groß: „Wir arbeiten in kleinen Gruppen mit zum Teil grenzwertigen Leuten“, sagt Lahme. Grenzwertig meint vor allem das Sozialverhalten: „Ruhig auf einem Stuhl zu sitzen und zuzuhören ist am Anfang für viele schwierig.“

Kein Bonus für Häftlinge bei der Abschlussprüfung

„Es sind hier andere Probleme“, erklärt Bernd Rauscher, Leiter der Außenstelle des Berufskollegs Werther Brücke. Zum Beispiel müssten Schüler aufgebaut werden, wenn ein Brief des Staatsanwalts neue Vorwürfe ankündigt. „Wir sind hier viel mehr Ansprechpartner als in normalen Schulen“, sagt auch Lehrerin Daniela Alexander.

Um so höher ist die Leistung der 23 neuen Facharbeiter und Gesellen einzuschätzen. Ihre Prüfung mussten sie ganz normal ablegen, einen Bonus gab es nicht. „Eure Ergebnisse können sich auch draußen sehen lassen“, lobte Carmen Bartl-Zorn.

Für Markus kommt der Abschluss genau richtig: Am Dienstag wurde er nach mehr als zwei Jahren entlassen. Ein schwieriger Weg: „Am Anfang ist alles ein bisschen viel. Selbst über die Straße zu gehen und so viele Autos zu sehen, ist komisch“, sagt Markus. Durch die abgeschlossene Ausbildung hat er eine gute Chance, die große Hürde der Resozialisierung zu nehmen.

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