Am 24. Dezember wird Jesus ins Kunstwerk gelegt. Mitte Januar gibt’s eine Versteigerung.

Am 24. Dezember wird Jesus ins Kunstwerk gelegt. Mitte Januar gibt’s eine Versteigerung.
Kolja Kunstreich und Martin Heuwold arbeiten an der Krippe.

Kolja Kunstreich und Martin Heuwold arbeiten an der Krippe.

A. Fischer

Kolja Kunstreich und Martin Heuwold arbeiten an der Krippe.

Luisenviertel. Die Liebe ist ein Gemeinschaftswerk. In den vergangenen Tagen arbeiteten Martin Heuwold alias Megx und Kolja Kunstreich zusammen an den letzten Zügen der diesjährigen Graffiti-Krippe – in diesem Fall heißt das, sie arbeiten an Maria.

Maria ist in diesem Jahr ein E. Das Ende der Liebe sozusagen. Nach ihr kommt nur ein Punkt, der wiederrum einen Heuballen darstellt – das Bett, auf das Jesus am 24. Dezember um 12 Uhr öffentlich gebettet wird.

„Liebe ist ein Generalschlüssel.“

Martin Heuwold, Künstler

Pastoralreferent Werner Kleine wird dann auch die erste Weihnachtsandacht im Tal halten und aus dem Weihnachtsevangelium nach Matthäus vorlesen. Danach wird es eine Fotoaktion vor der Krippe geben. Jeder, der möchte, kann dort ein Foto von sich machen lassen, das danach kostenfrei zur Verfügung steht. Die Buchstaben selbst werden Mitte Januar gegen eine Spende abgegeben. Die Citykirche gibt den genauen Termin aber noch bekannt.

In den vergangenen knapp zwei Wochen haben Heuwold und Kunstreich auf Heiligabend hingearbeitet, die graue Liebe mit Farbe gefüllt. Die Formen sind dabei an klassisches Graffiti angelehnt – große, klare, blockige Buchstaben, die mit Farbe gefüllt werden. Der Inhalt der Liebe ist eher abstrakt als figürlich. Heuwold: „Es geht mehr um Emotionen, weniger darum, alles genau zu erkennen.“

Liebe bereichert – auch die Künstler haben das erfahren

Für Kunstreich, der die Idee hatte, sind das Wort und die Umsetzung die völlige Reduzierung der Elemente Weihnachten und Graffiti – die reinen Buchstaben und das Wort, das sie bilden. „Liebe ist ein Generalschlüssel“, sagt Heuwold. Jeder könne etwas damit anfangen und sei mit der Botschaft mitten auf dem Laurentiusplatz konfrontiert. Dass es ankommt, sehe er daran, dass er immer wieder Menschen vor dem Schriftzug sehe, die sich dort fotografierten.

Aber Liebe sei auch Arbeit, im Alltag, wie in diesem Fall. Nach den Vandalismus- und Sturmschäden hätten die Künstler gut eineinhalb Tage gebraucht, die Buchstaben wieder herzurichten. Was sie daraus lernen? „Liebe ist fragil“, sagt Kunstreich.

Darüber hinaus bereichert Liebe aber vor allem. Auch die Künstler haben das erfahren. Denn ein Unbekannter hat am Kopfende des Buchstabens L ein Comic-Tier mit Herz aufgemalt. Anstatt das zu entfernen, haben die Künstler es nachgezeichnet und integriert. „Es hat ja gepasst“, sagt Heuwold.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer