Gedenken: Die jüdische Gemeinde Wuppertal hatte am Dienstag auf den Friedhof am Weinberg eingeladen.

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Leonid Goldberg warnte vor neuem Antisemitismus in Deutschland.

Leonid Goldberg warnte vor neuem Antisemitismus in Deutschland.

Uwe Schinkel

Leonid Goldberg warnte vor neuem Antisemitismus in Deutschland.

Wuppertal. In einer bewegenden Gedenkfeier an die Reichspogromnacht in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 hat Leonid Goldberg, der Vorsitzende der jüdischen Kultusgemeinde Wuppertal, sowohl an die Grauen der Nazi-Barbarei erinnert, als auch die verschiedenen Kulturen in Wuppertal zu einem friedlichen Zusammenleben aufgerufen.

Warnung vor neuem Antisemitismus

Etwa 100 Mitglieder der Kultusgemeinde und Gäste hatten sich auf dem jüdischen Friedhof am Weinberg versammelt, um gemeinsam der Opfer des Nazi-Regimes zu gedenken. Auch im Bergischen Land wüteten Gestapo und SS, die beiden Synagogen in Elberfeld und Barmen gingen in Flammen auf, ebenso wie das Bethaus an der Luisenstraße. "Es liegt an uns, die Erinnerung wach zu halten", forderte Goldberg die Anwesenden auf.

"Lassen Sie ihre Kinder und Jugendlichen nicht zu Handlangern radikaler Islamisten werden."

Leonid Goldberg, Vorsitzender der jüdischen Kultusgemeinde

Goldberg schlug während seiner Rede den Bogen zu den aktuellen gesellschaftlichen Problemen in Deutschland und Wuppertal und konstatierte: "Die Bedrohung durch Islamisten sowie Links- und Rechtsextreme nimmt nicht ab." Er erinnerte an einen Vorfall in Wuppertal, als vier muslimische Jugendliche einen jungen Juden zusammenschlugen - nur weil er Jude war. Goldberg appellierte an die Vertreter der Moscheen: "Lassen Sie ihre Kinder und Jugendlichen nicht zu den Handlangern radikaler Islamisten werden." Die Probleme der Welt könnten nicht in Deutschland ausgetragen werden.

Gleichwohl stellte der Vorsitzende fest, dass das Verhältnis zu den Moscheevereinen in der Stadt sehr gut sei. Er forderte jedoch mehr Jugendarbeit, um Spannungen zu verhindern. "Wir beschimpfen keine muslimische Frau, nur weil sie ein Kopftuch trägt. Wir wollen aber auch nicht von muslimischen Jugendlichen beschimpft werden, nur weil jemand die Kippa (traditionelle Kopfbedeckung der Juden) trägt", sagte Goldberg. Seine zentrale Aussage lautet: "Wir wollen in diesem Land in Frieden leben."

Oberbürgermeister Peter Jung und sein Solinger Kollege Norbert Feith waren zu der Veranstaltung erschienen. "Auch in unserer Stadt sind Synagogen in Flammen aufgegangen, wurden Menschen geschändet, verschleppt und getötet", erinnerte Jung und sagte: "Wir trauern mit Ihnen um die Menschen, die umgekommen sind. Wir schämen uns aus allertiefstem Herzen."

"Die Menschen im Bergischen stehen an ihrer Seite."

Peter Jung, Oberbürgermeister

Das Wort Pogrom kommt aus dem Russischen und heißt Verwüstung. In der sogenannten Reichspogromnacht wurden in Deutschland in der Nacht vom 9. auf den 10. November etwa 2000 Synagogen und Bethäuser verwüstet und angezündet. Man geht heute davon aus, dass etwa 400 Menschen in dieser Nacht getötet wurden. Zirka 30 000 männliche Juden wurden ab dem 10. November in die Konzentrationslager verschleppt. Juden wurden im Dritten Reich bereits seit 1933 systemisch diskriminiert, nach der Pogromnacht wurde die Verfolgung der Juden erheblich schlimmer und gipfelte in dem Massenmord an ihnen mit etwa sechs Millionen Toten.

Vom Bahnhof Steinbeck in Wuppertal wurden in den Jahren 1941 und 1942 etwa 1000 Juden aus Wuppertal und dem Bergischen Land in die Konzentrationslager verschleppt.

Jung ergänzte: "Wir können im Bergischen Land darauf stolz sein, dass es uns gelungen ist, dem jüdischen Leben eine neue Heimat zu geben." In Reaktion auf den Appell Goldbergs an die Wuppertaler Muslime kündigte er Solidarität an: "Die Menschen im Bergischen stehen an ihrer Seite. Wir werden uns gemeinsam gegen die stellen, die mit ihren platten Parolen die Saat des Dritten Reichs wieder auferstehen lassen wollen."

Die Klasse 7a des Gymnasiums Bayreuther Straße musizierte und bot eine sehr szenische Darbietung während der Gedenkveranstaltung. "Wir wollen, dass so etwas Unmenschliches nie wieder geschieht", sagte einer der Schüler - und sprach damit wohl allen Anwesenden aus dem Herzen.

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