DLRG und Feuerwehr zeigten, wie man sich bei einem Unfall richtig verhält.

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Mit vereinten Kräften hieven die Retter ihr "Opfer" ins Boot.

Mit vereinten Kräften hieven die Retter ihr "Opfer" ins Boot.

Andreas Fischer

Mit vereinten Kräften hieven die Retter ihr "Opfer" ins Boot.

Wuppertal. Sakko und Stoffhose deuten auf ein seriöses Äußeres, sind aber abgewetzt. Dem Kontrast entspricht das Handeln des Mannes. Einsam und unbekümmert stapft er über die zugefrorene Ronsdorfer Talsperre, und weil er nicht einbricht, nimmt er einen Hammer, um ein Loch ins Eis zu schlagen und sich ins Wasser gleiten zu lassen. Dann reckt er den Daumen in die Höhe. Die Aktion kann beginnen.

Der Rettungstaucher als "Opfer"

Was so aberwitzig aussieht und von den wenigen Passanten am Samstag gebannt verfolgt wird, steht im Dienst einer wichtigen Übung von DLRG und Feuerwehr Wuppertal. Der Mann, Frank Wisnewski, ist Rettungstaucher und an diesem Tag Opfer-Mime, der nun von seinen Kollegen aus dem eisigen Wasser gezogen werden soll.

Hintergrund der Übung ist die Tatsache, dass der Irrsinn, der hier nur simuliert wird, leider mitunter Ernst sein kann. "Das Betreten der Eisfläche ist mit Lebensgefahr verbunden", steht deutlich auf einem Schild. Doch Neunmalkluge lassen sich davon nicht unbedingt irritieren.

"Ein paar Minuten nur, dann verkrampfen sich bei den Temperaturen die Muskeln", sagt Klaus Hopp vom DLRG, der Erfahrung mit solchen Vorfällen hat. Wer tatsächlich an der Talsperre ins Eis einbrechen und im Unterschied zu Wisnewski keinen Tauchanzug tragen würde, hätte keine Überlebenschance - denn so schnell könnten die Retter nicht vor Ort sein.

Eingeschlossene Luftblasen und Strömungen unter der Oberfläche machen es gänzlich unmöglich, eine scheinbar geschlossene Eisfläche richtig einzuschätzen. "Bricht man ein, besteht die Gefahr, dass das Loch immer größer wird", sagt Florian Mayntz vom DLRG. "Dann kann man sich mit den Füßen nicht mehr heraus stemmen, und die Hände haben noch vorn ohnehin keinen Halt."

Wer einem Menschen hilft, der ins Eis eingebrochen ist, begibt sich selbst in große Gefahr. Er sollte unbedingt hinreichend gesichert sein. Kann das Opfer gerettet werden, sind heftige Bewegungen zu vermeiden. Denn bei starker Unterkühlung kann das Herz schnell seinen Dienst versagen. Unerlässlich ist die Hilfe eines Notarztes.

Wer das alles noch für übertrieben hält, wird bei der Übung eines Besseren belehrt. Kaum sind zwei angeseilte Retter und ein Schlauchboot auf Kufen beim Opfer, wird das Loch im Eis bedenklich größer. Selbst in der Simulation fällt es jetzt schwer, den Mann aus dem Wasser zu ziehen. Ein Retter bricht gar selbst ein und muss an den Leinen heraus gehievt werden.

Wer Zeuge der Übung ist, wird nie wieder daran denken, eine ungesicherte Eisfläche zu betreten. Wisnewski indessen startet zu einem zweiten Durchgang, damit die Kollegen weitere Erfahrungen sammeln können. "Als echtes Opfer wäre ich jetzt wahrscheinlich nicht mehr bei Bewusstsein. Aber in dem Anzug ist mir sogar warm."

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