Die Ursachen für das Unglück am Sonntag sind wohl Schutt im Kamin und eine defekte Gas-Therme. Die Kripo prüft jetzt, ob jemand für das Gas-Unfall strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden muss.

Im Visier der Kripo: In einem dieser Häuser wäre am Sonntag beinahe eine fünfköpfige Familie an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung gestorben.
Im Visier der Kripo: In einem dieser Häuser wäre am Sonntag beinahe eine fünfköpfige Familie an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung gestorben.

Im Visier der Kripo: In einem dieser Häuser wäre am Sonntag beinahe eine fünfköpfige Familie an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung gestorben.

Wolfgang Westerholz

Im Visier der Kripo: In einem dieser Häuser wäre am Sonntag beinahe eine fünfköpfige Familie an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung gestorben.

Oberbarmen. Es ist nicht gerade alltäglich, dass die Kripo mit einer Drehleiter der Feuerwehr im Einsatz ist. Am Dienstag war es an der Schwarzbach soweit. Der Grund: Am Sonntag war in einem Mehrfamilienhaus eine fünfköpfige Familie (25, 24, 7, 3 und 2 Jahre) mit knapper Not dem Tod entgangen. Seit die Kripo auf dem Dach des Hauses war und insbesondere den Kamin inspizierte, gibt es eine mögliche Erklärung für den lebensgefährlichen Austritt des tödlichen Gases Kohlenmonoxid (CO).

Steine und Bauschutt im Kamin, Sensoren an der Therme defekt

Die Kripo geht davon aus, dass der Grund für das Unglück eine Kombination aus Wartungsmängeln an der Gas-Heiztherme in der Wohnung der Familie bei gleichzeitigem Verschluss des Schornsteins war. Die Wartungsmängel an der Therme hätten vermutlich zum Versagen der Warnsensoren an dem Gerät geführt. Im Schornstein wurden zudem Steine und Bauschutt gefunden. Die Kripo vermutet, dass der gemeinschaftlich mit einem Nachbarhaus betriebene Kamin bei der Sanierung des Nebenhauses als stillgelegt angesehen worden ist und deswegen zweckentfremdet wurde.

Stadtwerke sperren die Gasversorgung

Unklar sei unter anderem, wie Teile des porösen oberen Kaminkranzes in den Kaminschacht kamen. Fakt ist: Der Kamin war offenbar so gut wie dicht, die Abgase konnten nicht wie vorgesehen abziehen. Eine funktionierende Gas-Therme hätte aus Sicht der Kripo zur automatischen Abschaltung des Gerätes geführt. Doch der entsprechende Warnsensor sei so verschmutzt gewesen, dass er nicht reagierte. So gelangte das tödliche Gas in die Wohnung, während die Therme weiterlief. Um ähnliche Unglücksfälle wie am Sonntag zu verhindern, sperrten die Stadtwerke gestern die Gasversorgung der beiden am Kamin hängenden Wohnungen.

Laut Kripo gibt es bislang keinen Beschuldigten

Völlig unklar ist, ob und wer für die defekte Therme und den Kamin-Verschluss strafrechtlich unter anderem wegen Unterlassens zur Rechenschaft gezogen werden könnte. "Es gibt keinen Beschuldigten", hieß es gestern seitens der Kripo. Wie berichtet, war im September dieses Jahres der vorgeschriebene Schornsteinfeger-Termin im Haus geplant. Nach WZ-Informationen soll der Termin kurzfristig abgesagt worden sein, weil zum besagten Zeitpunkt das Haus von der Gas- und Stromversorgung abgeklemmt war. Ob es einen neuen Termin gab, ist noch unklar. Die Ermittlungen dauern an.

Kohlenmonoxid ist farblos, geruchlos und geschmacklos. Wer es einatmet, wird müde, bewusstlos und stirbt. Jene fünfköpfige Familie an der Schwarzbach hatte das Glück, dass die Wuppertaler Feuerwehr in puncto Rauchgasvergiftung top ausgebildetes Personal und entsprechende Messgeräte hat. Als die Retter am Sonntagvormittag in der Unglückswohnung erschienen, stellten sie schnell fest: Die Familie - drei Kinder (2, 3 und 7 Jahre), die Mutter (25) und deren Lebensgefährte (24) hatten das tödliche Gas eingeatmet.

Seit Sonntag wird die Familie in der Uni-Klinik Düsseldorf behandelt. Dort gibt es eine Überdruckkammer, die eine Beatmung mit reinem Sauerstoff in der Form ermöglicht, dass das Kohlenmonoxid sich wieder aus dem Blut entfernt. Täglich wird die Familie zwischen zwei und vier Stunden in der Kammer beatmet. Auch für heute ist noch eine entsprechende Beatmung geplant. Das sei notwendig, um insbesondere bei den Kleinkindern irreversible neurologische Spätschäden wie Parkinson oder Lähmungen zu verhindern. Aus Sicht der Überdruckkammer-Experten in Düsseldorf ist das gelungen. Die Familie aus Wuppertal sei gerade noch rechtzeitig in Düsseldorf angekommen. Die erste Beatmung dort bannte die Lebensgefahr.

Hartmut Strelow, Leiter der Überdruckkammer an der Uni-Klinik, lobte gegenüber der WZ die Feuerwehr: "Fünf Minuten später, und die Familie wäre gestorben." Strelow lobt das schnelle Eingreifen: "Das hat hervorragend geklappt." Und: "Das würde ich mir in ganz NRW wünschen."

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