Zecken können gefährliche Krankheiten übertragen. Der Dermatologe Percy Lehmann erklärt, was vor und nach einem Zeckenstich zu tun ist.

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Zecken nutzen Menschen und Tiere als Wirte und saugen sich mit Blut voll.

Zecken nutzen Menschen und Tiere als Wirte und saugen sich mit Blut voll.

Zecken nutzen Menschen und Tiere als Wirte und saugen sich mit Blut voll.

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Zecken nutzen Menschen und Tiere als Wirte und saugen sich mit Blut voll.

Wuppertal. Der Sommer ist die Hochsaison der Zecken. "Sie sind Überlebenskünstler, die es seit Millionen von Jahren gibt", sagt Professor Percy Lehmann, Direktor des Zentrums für Dermatologie an der Helios-Klinik in Wuppertal. Zecken benötigen für ihre Entwicklung Blut von Wirten - Tieren oder Menschen. Die Insekten stechen und saugen sich mit Blut voll. Dabei können Krankheiten übertragen werden - genau das macht Zecken so gefährlich. Besonders für Menschen, die sich viel im Freien aufhalten.

Zecken übertragen Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis

Zecken können zwei verschiedene Krankheiten übertragen: Deutschlandweit sind 30 bis 50 Prozent der Zecken Träger der bakteriellen Infektionskrankheit Borreliose. Die Möglichkeit einer viralen FSME-Erkrankung - die Abkürzung steht für Frühsommer-Meningoenzephalitis - ist auf Risikogebiete beschränkt. Fünf Prozent der Zecken sind mit FSME infiziert. Dagegen kann man sich impfen lassen - gegen Borreliose aber nicht.

Was tun vor und nach einem Zeckenstich?

Zunächst aber kann man sich ganz simpel gegen Zecken schützen: Es gibt nämlich Präparate, die durch Geruch Zecken fernhalten sollen - ähnlich wie es sie für Mücken gibt. "Die sind getestet und bieten einen wirksamen Schutz", erklärt Lehmann. Zecken müssten so schnell wie möglich entfernt werden, so Lehmann. Man solle aber darauf achten, dass man die Zecke komplett entfernt. Lehmanns Tipp: Die Zecke mit einer langstieligen Pinzette oder einer speziellen Zeckenzange oder -schlinge unter dem Körper greifen und herausziehen. "Wichtig ist, dass man die Zecke nicht zerquetscht. Sonst erhöht sicht die Gefahr, dass die Zecke ihr Gift in den menschlichen Körper abgibt", sagt Lehmann. Der Körper der Zecke solle unversehrt bleiben.

NRW gilt nicht als Risiko-Gebiet - doch bei Reisen heißt es Aufpassen

Wer in FSME-Risikogebiete fährt, hat die Möglichkeit, sich impfen zu lassen. Welche das sind, darüber informiert das Robert-Koch-Institut. NRW wird zurzeit nicht als Risikogebiet eingestuft. Trotzdem können Wuppertaler gefährdet sein, wenn sie in die Risikogebiete reisen.

Die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Institus (Stiko) empfiehlt Bewohnern oder Besuchern der Risikogebiete eine FSME-Impfung, die im Volksmund auch Zeckenimpfung genannt wird. Wer in diese Personengruppe fällt, muss die Impfung beim Hausarzt nicht bezahlen. Es gibt verschiedene Impfstoffe, die über etwa drei Jahre Schutz gewähren. Allerdings sind die Abstände zwischen den drei notwendigen Spritzen lang, sodass man im Januar mit der ersten Impfung beginnen sollte. "Für den Notfall gibt es aber eine Rasch-Impfung", sagt Lehmann.

Krankheiten können unbemerkt übertragen werden

Die Risikogebiete werden regelmäßig vom Robert-Koch-Institut benannt. Im Moment sind diese Gebiete: Bayern, Baden-Württemberg,Hessen, Rheinland-Pfalz und Thüringen.

Es gibt verschiedene Impfungen. Darüber informieren kann der Hausarzt.

Im Volksmund wird vom Zeckenbiss gesprochen. Korrekt aber ist Zeckenstich, da das Tier die Haut erst aufritzt und sich dann mit einem Stachel regelrecht in der Wunde verankert.

Besonders gefährlich ist, dass Zecken beim Stich ein anästhesierendes Material absondern, sodass man Zeckenstiche nicht spürt. So kann es passieren, dass ein Mensch von einer Zecke mit FSME oder Borreliose angesteckt wurde, ohne, dass er es merkt.

Bei FSME zeigen sich neurologische Symptome. Der erste Hinweis auf eine Borreliose ist laut Lehmann eine sogenannte Wanderröte. Es ist wichtig, dass man die Borreliose früh behandelt. Voraussetzung dafür ist aber, dass die Krankheit überhaupt erkannt wird. "Die Symptome von Borreliose sind diffus - von Grippe-ähnlichen Zuständen über Lähmung bis zu psychischen Auswirkungen. Und oft werden Patienten als Spinner abgestempelt", weiß Lehmann.

Gerade deshalb, so der Experte, sei es wichtig, sich zu schützen - und nach Waldspaziergängen zu überprüfen, ob eine Zecke auf einem herumkrabbelt oder sich schon festgebissen hat.

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