Führungspositionen werden in der Stadt zumeist männlich besetzt. Die Kultur ist die große Ausnahme.

Julia Jones ...
Julia Jones ...

Julia Jones ...

... Adolphe Binder ...

... und Susanne Abbrederis geben bei den Wuppertaler Bühnen den Ton an.

Birgitta Radermacher hat bei der Polizei das Sagen.

Auch OB Andreas Mucke ...

... Andreas Feicht (WSW) ...

... Gunther Wölfges (Sparkasse) ...

... und Uni-Rektor Lambert T. Koch sitzen auf dem Chefsessel.

A. Fischer/Uwe Schinkel, Bild 1 von 8

Julia Jones ...

Wuppertal. Oberbürgermeister, Verwaltungsspitze, WSW, Stadtsparkasse, Universität, GWG, Zoo, Museum, Parteien und Fraktionen – die finanziell lukrativen Schaltstellen der Macht sind in Wuppertal von Männern besetzt. Frauen sind auch in der freien Wirtschaft in den Chefetagen noch immer deutlich in der Unterzahl. Eine der Ausnahmen ist die Wuppertaler Kultur: Nach Susanne Abbrederis (Schauspiel) und Adolphe Binder (Tanztheater) gibt bald mit Julia Jones als zukünftiger Generalmusikdirektorin eine dritte Frau auf den Bühnen den Ton an.

„Ich finde es klasse, dass eine Frau ausgewählt wurde. Das ist in dieser Funktion eine absolute Seltenheit. Es freut mich besonders, weil mit Julia Jones ein Kontrapunkt zu dem scheidenden Generalmusikdirektor Toshiyuki Kamioka gesetzt wird“, sagt Bürgermeisterin Ursula Schulz, die als Vorsitzende der Findungskommission über die Berufung der Britin mitentschieden hat. Bei einem männlichen Nachfolger hätten alle darauf geschaut, ob er es anders macht als Kamioka. „Bei ihr wird im Vordergrund stehen, wie sie es macht.“

Enno Schwarwächter, Geschäftsführer der Bühnen, kann darauf verweisen, dass in seinem Geschäftsbereich gleich drei Frauen die erste Geige spielen. „Frau Jones mag es aber persönlich gar nicht, wenn sie auf die Geschlechterrolle reduziert wird“, sagt Scharwächter. Männerbastionen gebe es in der Kulturszene sehr wohl noch. Schaarwächter spielt dabei vor allem auf die Phalanx der Theaterintendanten an, die ihre Häuser wie Patriarchen führen.

Gleichstellungsbeauftragte bleibt skeptisch

Freude hat die Berufung der ersten Generalmusikdirektorin an den Wuppertaler Bühnen bei Roswitha Bocklage, Leiterin der Gleichstellungsstelle der Stadt, ausgelöst. „Ich glaube, dass die Diskussionen um eine Quotenregelung oder Frauenquote grundsätzlich etwas in Bewegung gebracht haben. Das Reden darüber allein verändert schon etwas, dass es keine Männerbastionen gibt“, sagt Roswitha Bocklage. Grundsätzlich stünden alle Jobs Frauen offen, gleichgültig ob bei der Feuerwehr, Bundeswehr oder im IT-Bereich. Ob es Frauen allerdings in Führungspositionen schaffen, hänge von mehreren Funktionen ab.

Die Dezernentenposten in der Stadtverwaltung sind zum Beispiel ausschließlich mit Männern besetzt. Das liegt vor allem daran, dass die Parteien Männer für die Wahl der Beigeordneten vorschlagen – und das hat in der Wuppertaler Stadtgeschichte eine lange Tradition. Anders sieht es unterhalb der Dezernentenebene aus. „In den Ausschreibungsverfahren zählt alleine die Qualifikation. Allerdings wird es schwierig, wenn sich keine Frau bewirbt, was wie in der freien Wirtschaft mit der Unvereinbarkeit von Familie und Beruf zusammenhängen kann“, sagt Roswitha Bocklage.

In Wuppertal sind eine Reihe weiterer Führungspositionen von Frauen besetzt. Silke Asbeck ist Chefin der Stadthalle, Maya Kummrow Tierärztin im Zoo, Martina Langer Projektleiterin für den Umbau des Döppersbergs, Martina Eckermann Chefin des Presseamts der Stadt.

Aktuell wird im Rathaus über die Nachfolge des scheidenden Chefs der Abfallwirtschaftsgesellschaft, Wolfgang Herkenberg, beraten. Neben einer Reihe von Bewerbern soll es eine Bewerberin für die Position geben, und es sollen Zweifel geäußert worden sein, ob eine Frau als Führungskraft zu den Müllmännern passt. Alle Männerbastionen sind noch nicht gefallen.

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