Seit Wochen wartet man auch beim Wuppertaler Winterdienst auf Nachschub. Freitag früh wird das letzte Mal Salz gestreut.

Nichts geht mehr: Im Streusalz-Lager der Stadt wartet man immer noch auf Nachschub.
Nichts geht mehr: Im Streusalz-Lager der Stadt wartet man immer noch auf Nachschub.

Nichts geht mehr: Im Streusalz-Lager der Stadt wartet man immer noch auf Nachschub.

Andreas Fischer

Nichts geht mehr: Im Streusalz-Lager der Stadt wartet man immer noch auf Nachschub.

Wuppertal. Wie es im Streusalzlager der Stadt aussieht? "Dramatisch", berichtet Michael Drecker vom Eigenbetrieb Straßenreinigung (ESW) auf Nachfrage der WZ. Derzeit streue man mit den letzten Reserven - und habe die Feuerwehr und die Stadtwerke darüber informiert. Und auch am Donnerstag war bei der Stadt kein Nachschub vom Großlieferanten Esco mit Hauptsitz in Hannover in Sicht. Der ESW wartet nach eigenen Angaben derzeit auf 1600 Tonnen Salz - verteilt auf Bestellungen, die bis in den Dezember 2009 reichen.

"Wir haben keine Schwierigkeiten."

Siegfried Brütsch, Feuerwehr-Chef

"Normalerweise haben wir keine Lieferprobleme", sagt Drecker. Abgesehen davon, dass etliche Städte händeringend auf Streusalz warten, habe man vom Lieferanten noch keine Nachricht bekommen, wann Nachschub in Wuppertal eintrifft. Andere Streumittel, mit dem die letzten Salzreserven "gestreckt" wurden, erhalte man aber noch.

Bei neuen Schneefällen wird sich die Lage auf Wuppertals Straßen zuspitzen: Im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht sind etwa 1900 Straßen zu versorgen, darunter gut 600 Hauptverkehrsstraßen. Ohne Streusalz werde man die Straßen nur noch räumen und mit anderen Streumitteln versehen können, sagt Drecker.

Und es gibt nach wie vor Probleme mit der Müllabfuhr. "Unser Restmüll steht seit zwei Wochen und stinkt mittlerweile zum Himmel", kritisierte am Donnerstag auch ein WZ-Leser aus Heckinghausen. "Vom Winterdienst sehen wir nichts, und die Straßen sind nicht frei."

Beim Salz-Nachschub geht es zum einen um die Qualität des Materials, zum anderen um Geld: Bei Esco - als langjährigem Lieferanten - bezahle man pro Tonne Salz etwa ein Viertel dessen, was andere Anbieter verlangen, heißt es beim ESW.

Esco (European Salt Company) ist nach eigenen Angaben Europas führender Salz-Lieferant: Wann Wuppertal angesichts enormer Nachfrage "im strengsten Winter seit 30 Jahren" die nächste Lieferung bekommt, könne man nicht sagen, hieß es Mittwochnachmittag auf WZ-Nachfrage.

Nach wie vor komme selbst die ausgeweitete Salzproduktion von 30 000 Tonnen täglich der Nachfrage in Deutschland nicht nach. In den Salzwerken werde mittlerweile "24 Stunden am Tag an sieben Tagen in der Woche" gearbeitet.

Der Landesbetrieb Straßen gehört zu den Großkunden bei Esco - mit 120 000 Tonnen Lagerkapazität, 200 Depots in NRW und entsprechenden Vertragskonditionen. Die Stadt Wuppertal bevorratet sich mit 2600 bis 2700 Tonnen Salz.

Auf zu teures Salz von minderer Qualität werde man sich bei aller Kritik nicht einlassen, sagt Drecker. Ein schwacher Trost für alle Betroffenen - zumal es der Landesbetrieb Straßen in NRW nach eigenen Angaben in diesem Winter bislang noch nicht mit größeren Lieferengpässen zu tun bekommen hat. Klar: Die Autobahnen haben Priorität. Versorgt wird der Landesbetrieb von Esco.

Feuerwehr-Chef Siegfried Brütsch sieht die Salzlage übrigens gelassen: "Split ist für uns genug da. Wir haben keine Schwierigkeiten." Er verweist auf eine Rufbereitschaft zum ESW. Wenn sich bei einem Einsatz abzeichnet, dass Löschwasser für Blitzeis sorgen könnte, wird der Split-Wagen alarmiert. Grundsätzlich sei man nicht mehr so schnell unterwegs. Das liege aber daran, dass der Verkehr im Winter insgesamt langsamer voran kommt.

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