Wie eine Betrügerbande eine pensionierte Lehrerin um 5000 Euro bringen wollte und warum die Dame dann doch „nur“ 100 Euro bezahlte.

Seriöse Dachdecker im Einsatz: 2007 waren am Dönberg allerdings Betrüger unterwegs.
Seriöse Dachdecker im Einsatz: 2007 waren am Dönberg allerdings Betrüger unterwegs.

Seriöse Dachdecker im Einsatz: 2007 waren am Dönberg allerdings Betrüger unterwegs.

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Seriöse Dachdecker im Einsatz: 2007 waren am Dönberg allerdings Betrüger unterwegs.

Wuppertal. Der Nachmittag des 20. November 2007 war dunkel. Ulrike L. (Name von der Redaktion geändert), pensionierte Grundschullehrerin am Dönberg, war’s egal. Sie hatte drei Freundinnen zu Gast. Nett saß man zusammen. Dann klingelte es. Vor der Tür standen zwei Männer und deuteten auf das Dach der Hausherrin. Das sei ja wohl kaputt.

Und überhaupt: Der örtliche Dachdecker habe pleite gemacht. Sie würden jetzt den ganzen Murks, den ihr Vorgänger angerichtet habe, wieder gerade biegen. Eine ganz schlimme Lüge. Aber mit drei Freundinnen im Haus, verspürte Ulrike L. weder Angst noch Argwohn. Sie ließ den wortgewaltigen Fremden auf ihr Dach. Wenig später kam die Diagnose: Der First müsse komplett erneuerte werden. Sofort. Zum Sonderpreis von 5000 Euro.

Das war Ulrike L. dann doch zu forsch. Sie vertröstete das Duo auf den nächsten Tag. Das war wohl ihr Glück. Denn gleichzeitig verständigte sie auch einen Handwerker ihres Vertrauens. Der kam gleich am nächsten Vormittag, kletterte seinerseits aufs Dach und stellte fest, dass vor kurzem erst First abgedeckt worden war. Die entsprechenden Ziegeln waren hinter dem Kamin gestapelt. Klarer Fall: Die beiden angeblichen Handwerker waren dreiste Betrüger.

Gestellt wurde das Duo allerdings nicht. Trotzdem glaubte die Kripo einen Verdächtigen ermittelt zu haben. Sie hatten der Zeugin Lichtbilder gezeigt. Ulrike L. glaubte, den Täter erkannt zu haben, gab aber auch an, sich nicht ganz sicher zu sein. Am Mittwoch jedenfalls musste ein nicht vorbestrafter 32 Jahre alter Schrotthändler aus Osnabrück wegen versuchten Betrugs auf der Anklagebank Platz nehmen.

"Ich war nicht in Wuppertal."

Der Angeklagte

Viel sagte der dreifache Familienvater zu den Vorwürfen nicht. Eigentlich nur zwei Sätze: "Da kann ich nichts zu sagen, weil ich das nicht gewesen bin." Und: "Ich war gar nicht in Wuppertal."

Mit dem Freispruch trägt der Staat die Kosten des Verfahrens, insbesondere die des freigesprochenen Mannes aus Osnabrück. Die als Zeugen geladenen Handwerker verzichteten auf ihre Auslagen.

Die Kripo war auf den Osnabrücker gekommen, nachdem sie der Hauptzeugin Lichtbilder verschiedener Personen vorgelegt hatte. Schon damals soll die Frau bei der Identifizierung des Mannes aber nicht sicher gewesen sein.

Der Dönberger Betrugsfall hatte damals für eine Verfolgungsjagd gesorgt. Die falschen Dachdecker konnten allerdings nicht gestellt werden.

Es folgte eine kuriose Gegenüberstellung im Gerichtssaal. Bevor Ulrike L. befragt wurde, verhüllte der Verteidiger mit einem braunen Dreieckstuch das Antlitz seines Mandanten. Klar: Erst einmal sollte die Hauptzeugin den damaligen Besucher aus dem Gedächtnis beschreiben. Das tat sie, so gut sie das nach zwei Jahren noch konnte. Bei der Enthüllung des Angeklagten dann die Ernüchterung: "Ich glaube eher, dass er das nicht war", sagte die Ex-Lehrerin.

So wurde der Angeklagte aus Osnabrück freigesprochen. Zwar ist damit der Fall der falschen Dachdecker-Kolonne vom Dönberg immer noch nicht aufgeklärt. Eine gute Nachricht gibt es trotzdem: Ulrike L. hat ihren von den Betrügern abgedeckten First längst reparieren lassen. Von einem Dachdecker ihres Vertrauens und für "nur" 100 Euro.

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