Eine Stadtführung mit Kristof Stößel als Baronin von Wupp ist etwas Besonderes – nicht nur optisch.

Eine Shoppingtour der besonderen Art mit der Baronin von Wupp (r.).
Eine Shoppingtour der besonderen Art mit der Baronin von Wupp (r.).

Eine Shoppingtour der besonderen Art mit der Baronin von Wupp (r.).

Andreas Fischer

Eine Shoppingtour der besonderen Art mit der Baronin von Wupp (r.).

Wuppertal. Viele wollen mitgehen, wenn Kristof Stößel als „Baronin von Wupp“ eine Stadtführung macht. An diesem Samstagvormittag warten 23 Teilnehmer am Treffpunkt Rathausgalerie. Ein erfreutes „Ah!“ geht durch die Gruppe, als die Baronin vom Karlsplatz herüberkommt. Für den Rundgang durch Elberfeld bis zum Luisenviertel hat sich Stößel, Chef des Theaters im Tanzhaus, schick gemacht. Zur blonden Perücke trägt er ein rotes Kleid und einen bunt schillernden Umhang. Auch der Pracht-Regenschirm fällt aus dem für Stadtführer üblichen Rahmen.

Zur Begrüßung gibt es für jeden ein paar Küsschen auf die Wange. „Das ist in Holland üblich“, sagt die Baronin mit unüberhörbarem Akzent. Niederländischer Singsang und schrille Kostüme - diese Mischung kennen Theaterbesucher schon von Stößels Bühnenfigur „Fabienne van Straten“. „Vor drei Jahren hat man mir gesagt, ich bin der Wuppertaler Adel“, erklärt Baronin Fabienne.

In dieser Rolle macht Stößel seit 2015 Stadtführungen für Wuppertal Marketing. Aber nicht nur. Zusammen mit Jürgen Holzhauer ist er als Team Engels und Marx unterwegs, das einen mitnimmt in die Tal-Vergangenheit. Als Herr Speck und Frau Latius laden er und Theaterkollegin Angela H. Fischer zu vorweihnachtlichen Schwebebahnfahrten ein.

Welche Rolle er auch spielen mag - der Stadtführer Stößel zieht. Er berichtet, dass seine Teilnehmerlisten schon bis Dezember gut gefüllt seien. Er habe bereits Zusatztermine für Herrn Speck und Frau Latius vereinbart.

Die Nachfrage ist groß

Die große Nachfrage spiegelt den allgemeinen Trend wieder. „Der Prospekt für Stadtführungen wird in jedem Jahr dicker“, sagt Florian Schmitz von Wuppertal Marketing. Dabei enthält die aktuelle Broschüre allein touristische Stadtführungen mit fast 80 Terminen. Für kulinarische Stadtführungen gibt es ein Extra-Programm, das fast 30 Angebote auflistet und in dem man auch Baronin von Wupp wiederfindet. Dazu kommen die Termine für Kaiserwagenfahrten und Stadtrundfahrten im Oldtimer-Bus. An diesen Fahrten können Gruppen bis zu 60 Personen teilnehmen.

Mit Blick auf 2016 spricht Christiane Höhnke von Wuppertal Touristik von „sehr guten Buchungszahlen“. Danach haben insgesamt 2316 Personen an touristischen Stadtführungen teilgenommen. 1.335 Personen nahmen an den Bus-Rundfahrten teil. Den Löwenanteil haben die Kaiserwagenfahrten (12 265 Personen).

Die Stadtführungen der Baronin von Wupp brauchen kein Eiltempo. Was nicht nur daran liegt, dass sie Pumps trägt und deshalb gar nicht so schnell könnte. Nein, die Wupp hat gut zwei Stunden Zeit und Lust am Fabulieren, grüßt Passanten und Bekannte. „Alles, was ich heute erzähle, kann wahr sein, muss aber nicht“, versichert sie.

Dass die Wuppertalerin Mina Knallenfels eine literarische Figur ist, gibt sie allerdings gerne zu. „Gleich zwei Originale!“, denkt man, wenn die Baronin neben Minas Bronzefigur auf der Alten Freiheit steht. So ein wandelndes Original zieht Aufmerksamkeit auf sich. Jung und Alt werfen ihr erstaunte bis amüsierte Blicke hinterher. Den größten Spaß haben natürlich Stößels Begleiter. „Der ist genial“, meint der Solinger Rolf Nohl. „Baronin von Wupp hat es verdient, noch bekannter zu werden.“ „Das kam alles so locker daher“, sagt Vera Gürlies aus Velbert am Ende. „Da ist viel Hintergrundwissen, nicht nur Jux und Dollerei“, stellt Bärbel Ahrens aus Hannover fest. „Wir kannten das von unseren bisherigen Besuchen noch nicht.“ Und ihrem Ehemann Bernhard gefiel, dass Stößel für alle die richtige Ansprache gefunden habe.

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