Seit sechs Jahren vermittelt alpha Erziehungsstellen für traumatisierte Kinder – eine sinnvolle Alternative zum Heim.

Von der Entbindung bis zur ersten Spielgruppe hilft die Koordinierungsstelle an der Alexanderstraße.
Von der Entbindung bis zur ersten Spielgruppe hilft die Koordinierungsstelle an der Alexanderstraße.

Von der Entbindung bis zur ersten Spielgruppe hilft die Koordinierungsstelle an der Alexanderstraße.

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Von der Entbindung bis zur ersten Spielgruppe hilft die Koordinierungsstelle an der Alexanderstraße.

Wuppertal. 30 Kinder aus Wuppertal leben derzeit in Erziehungsstellen. Viele von ihnen haben Schlimmes durchgemacht - ihre Elten waren drogenabhängig und haben sie vernachlässigt oder sie wurden geschlagen oder haben nie genügend zu essen bekommen. Deshalb sind einige der Kinder traumatisiert, aggressiv oder verhaltensauffällig und brauchen eine besondere Unterstützung außerhalb ihrer Herkunftsfamilie.

Das Kind soll langfristig in der Erziehungsstelle leben

Der Verein alpha vermittelt seit sechs Jahren Kinder in Erziehungsstellen - und sieht sich selbst als Bindeglied zwischen Jugendamt und Familie. Im Unterschied zur Pflegefamilie hat bei den Erziehungsstellen mindestens eine Person eine pädagogische Fachausbildung, ist beispielsweise Lehrer, Psychologe oder Sozialpädagoge. Die Erziehungsstelle ist eine eigenständige Jugendhilfeform und somit eine Alternative zur Heimerziehung. Das Kind soll langfristig in der Familie leben.

"Das Kind soll in der Familie korrigierende Erfahrungen machen", sagt Petra Hollender, Leiterin der alpha-Erziehungsstellen. Durch den pädagogischen Hintergrund würden die Familien mit einer großeren Professionalität auf mögliche Auffälligkeiten reagieren- etwa wenn das Kind aggressiv ist, keine Beziehungen aufbauen kann, schlimme Alpträume hat oder ständig ins Bett macht.

Der Bedarf an Familien mit pädagogischem Background ist groß, wie Jugendamtsleiter Dieter Verst bestätigt. "Wir haben immer wieder Kinder mit erhöhtem Förderbedarf." Ein gesundes familiäres Umfeld könne für die betroffenen Kinder "heilsam" sein und sei häufig eine sinnvolle Alternative zur Heimunterbringung. Leider gäbe es aber in Wuppertal nicht genügend Erziehungsstellen.

So sucht alpha dringend Familien. In einer ausführlichen Bewerbungsphase wird untersucht, wer zu welchem Kind passen könnte. Ganz wichtig dabei: Die Erziehungsstellen müssen ein großes Herz und viel Geduld mitbringen. Dann gibt es ein erstes inkognito-Treffen. Gerade zu Beginn ist der Kontakt zu alpha sehr eng - anfangs ist fast wöchentlich ein Mitarbeiter vor Ort. Später gibt es regelmäßige Elternabende und eine Rufbereitschaft, an die sich die Familien bei Problemen wenden können. Jeder alpha-Mitarbeiter betreut 12 bis 14 Kinder. "Wir wollen das Gefühl vermitteln, dass wir die Eltern nicht allein lassen", sagt Hollender. Auch unterstütze man bei der der Suche nach therapeutischen Plätzen, Kindergarten oder Schule.

Alpha ist Träger und Initiator zahlreicher Einrichtungen, Dienste und Initiativen im Raum Wuppertal, im Bergischen Land und in Herdecke. In den unterschiedlichen Diensten betreut alpha zirka 400 Kinder.

Neben Familiengruppen und erzieherischen Hilfen vermittelt alpha auch Erziehungsstellen. Die Entscheidung über die Vermittlung in eine Erziehungsstelle liegt beim Jugendamt. Je nach Kind werden nach Angaben des Wuppertaler Jugendamtes 1000 bis 2500 Euro für eine Erziehungsstelle gezahlt. Im Vergleich dazu sind es bei einer Pflegefamilie je nach Kind 680 bis 850 Euro.

alpha Erziehungsstellen, Oberbergische Straße 4, Telefon 511 95 70.

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