Mehr als 150 Wuppertaler waren bei der Veranstaltung zur Bürgerbeteiligung. Es gab viele Vorschläge, doch die Sorge bleibt, dass die Umsetzung scheitert.

Mehr als 150 Wuppertaler waren bei der Veranstaltung zur Bürgerbeteiligung. Es gab viele Vorschläge, doch die Sorge bleibt, dass die Umsetzung scheitert.
Proppenvoll war es in der Aula des Gymnasiums Bayreuther Straße: Mehr als 150 Besucher kamen zur Bürgerbeteiligung.

Proppenvoll war es in der Aula des Gymnasiums Bayreuther Straße: Mehr als 150 Besucher kamen zur Bürgerbeteiligung.

Ein Fahrstreifen für Radfahrer an der Schützenstraße: Doch bis zur Fahrradstadt bleibt noch ein weiter Weg.

Stefan Fries, Bild 1 von 2

Proppenvoll war es in der Aula des Gymnasiums Bayreuther Straße: Mehr als 150 Besucher kamen zur Bürgerbeteiligung.

Wuppertal. Kurz vor 19 Uhr füllte sich die Aula des Gymnasiums Bayreuther Straße noch einmal richtig. Für 150 Besucher war bestuhlt worden, ein paar Sitzgelegenheiten mussten dann noch herangeschafft werden. Die Resonanz überstieg damit sogar die bei der ersten Bürgerbeteiligung zum Radverkehrskonzept im April. Das zeige, wie wichtig das Thema für die Stadt und für die Wuppertaler sei, waren sich die Anwesenden einig. Gut drei Stunden lang wurden erste Ergebnisse vorgestellt, Workshops angeboten, Vorschläge gesammelt und vor allem wurde diskutiert. Das Konzept dürfte ein ganz wichtiger Schritt zum Ziel sein, Wuppertal bis 2025 zur Fahrradstadt zu machen. Doch Skepsis blieb am Ende bei einigen, ob die Umsetzung gelingt – in einer finanziell klammen Stadt, in der, so die Meinung vieler Anwesender, der Autoverkehr bislang immer vorgezogen wurde.

Bestes Beispiel dafür: der Döppersberg. Der Radverkehr, so die Kritik, habe bei der Neugestaltung keine Rolle gespielt. Kein Wunder, sei die Planung doch mehr als zehn Jahre alt, als kaum jemand daran dachte, dass sich jemand freiwillig in Wuppertal aufs Rad setzen und in den Verkehr stürzen würde. Doch die Zeiten haben sich geändert, sagte Rolf Kaulen vom Stadt- und Verkehrsplanungsbüro Kaulen, das für die Wuppertaler Verwaltung das Konzept erarbeitet.

Das Konzept soll Schwachstellen beseitigen

356 Kilometer umfasst das Radverkehrsnetz, das das Büro vorstellte. Wo Licht ist, sei auch viel Schatten, hatte Kaulen erklärt – und anhand von Fotos diverse Stellen im Stadtgebiet gezeigt, „die so gar nicht gehen“. Ein Negativbeispiel an der Friedrich-Engels-Allee mit einer besonders schlechten Wegeführung für Radler sorgte dann auch für einige Lacher in der Aula. Schmunzelnd erklärte Kaulen, dass es dieser Schandfleck sogar in die allgemeine Präsentation des Büros geschafft habe und auch anderswo Erheiterung bringe.

Ziel des Konzeptes sei es aber, gerade solche Schwachstellen zu beseitigen und vor allem die Netzlücken, die für Radler nicht sicher sind – momentan gut 45 Prozent der Gesamtstrecke – zu schließen. Mithelfen sollten dabei die Anwesenden, die sich in zwei Workshops – einer zur Infrastruktur, einer zum Thema Informationen und Kommunikation – einbringen konnten. Deren Anregungen und Vorschläge seien, lobten Kaulen und seine Kollegen, äußerst durchdacht gewesen. Anerkannt wurde auch, dass der Großteil der Teilnehmer eben nicht ideologisch unterwegs gewesen sei, nur das Rad im Blick gehabt habe. Das sagte auch Besucherin Lisa Marie Pesendorfer gegenüber der WZ. Die junge Wuppertalerin ist Sport- und Alltagsradlerin. Dass sich etwas tun müsse, sei klar. Aber es gehe auch darum, „einen Kompromiss zwischen Rad- und Autofahrern zu finden“. Das müsste man auch bei den Vorschlägen berücksichtigen.

Ein wichtiger Punkt. Denn dass zum Beispiel am Döppersberg baulich kaum noch etwas geht, stehe fest, so Christoph Grothe von der IG Fahrradstadt. Um etwas für Radler zu erreichen, „muss man an die Fahrspuren dran“.

Die Finanzierung ist ein schwieriges Thema

Das „Wie“ muss jetzt das Büro erarbeiten. Auch der Döppersberg sei nicht verloren. „Wir können alles reparieren“, so Kaulen. Bleibt die Frage der Umsetzbarkeit. Nicht nur die Finanzierung sei ein schwieriges Thema, sondern auch die Zustimmung in den zuständigen Gremien. Kaulen verwies auf viele Vertreter von Stadt und Politik im Publikum. „Das zeigt eine sehr hohe Ernsthaftigkeit.“ Fahrradfreundliche Lösungen seien immer möglich. „Man muss nur wollen.“ Auch Mitarbeiterin Claudia Nowak sagte, dass sich nicht das Büro das Ziel „Fahrradstadt“ gesetzt habe. „Das war die Stadtverwaltung.“

Frank Meyer dämpfte allerdings die Erwartungen im Publikum. Man müsse nicht nur wollen, sondern auch können, sagte der Verkehrsdezernent und verwies auf die Finanzen. Wie Norina Peinelt, städtische Fahrradbeauftragte, im Gespräch mit der WZ erklärte, stehen ihrem Arbeitsbereich 20 000 Euro zur Verfügung. Zur Einordnung: Schon das Absenken eines kleinen Stücks Bordstein schlage mit bis zu 3000 Euro zu Buche. „Wir leben praktisch von der Hand in den Mund“, so Meyer. Warum dann nicht beim Autoverkehr einsparen?, rief ein leicht erzürnter Besucher in Richtung Podium. Das wiederum müssten die demokratisch gewählten Vertreter im Rat entscheiden, entgegnete Meyer und warb um Geduld. » Seite 16

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