Wuppertal. Seit heute müssen sich der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Betriebskrankenkasse Delphi (zuvor BKK Reinshagen, mittlerweile Deutsche BKK) Theo S.  (62) und der frühere Verwaltungsratsvorsitzende Dieter E. (65) vor dem Amtsgericht verantworten. Den beiden Männern werden unter anderem mehrere Fälle von Untreue, Bestechlichkeit und Bestechung vorgeworfen. Laut Staatsanwaltschaft haben die beiden Angeklagten von 2002 bis 2007 ihre leitenden Positionen in der BKK für eigene Zwecke ausgenutzt. 

Beide Männer stritten die Vorwürfe vor Gericht nicht ab, wunderten sich jedoch darüber, dass sie sich dadurch strafbar gemacht haben sollen. Theo S. erhob schwere Vorwürfe gegen die Staatsanwaltschaft und warf ihr tendenziöse Ermittlungen vor. Laut Theo S. hätten die Ermittler Fakten bewusst unterschlagen oder falsch interpretiert. Auch der Mitangeklagte Dieter E. gab an, nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt zu haben. Die Vernehmung artete zeitweise zu einer erhitzten Debatte zwischen den Angeklagten und der Staatsanwaltschaft aus.

Die Staatsanwaltschaft sprach davon, dass die Angeklagten die BKK als "Selbstbedienungsladen" benutzt hätten. Im Publikum saßen viele ehemalige oder aktuelle Mitarbeiter, die sich lautstark über das Verhalten der Angeklagten empörten. Der Prozess wird morgen fortgesetzt. 

Die Anklage listet 25 Fälle auf, in denen S. Familienangehörige, Mitglieder des Verwaltungsrates - auch den Angeklagten E. - und Mitarbeiter auf Kosten der BKK "versorgt" hat.

Viermal sollen Verwaltungsratssitzungen auf die Initiative des Chefs zu mehrtägigen Reisen samt touristischen Programms umfunktioniert worden sein. Mal vergnügte man sich auf Rügen, auf der Bodensee-Insel Reichenau oder in Wismar.

Seiner Tochter soll der Ex-Kassenchef eine Bauchstraffung genehmigt haben. Sogar ein Knöllchen über 35  Euro stellte er   "seiner" Kasse in Rechnung, so die Anklage. Offenbar fühlten sich die beiden Männer sicher: Laut Anklage soll E. seinem Chef S. noch im Januar 2007 eine Gehaltserhöhung von 1550 Euro monatlich bewilligt haben.

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