Landtagsabgeordneter Josef Neumann berichtet von seiner Dialogreise nach Bangladesch. Bürger sollen ihr Konsumverhalten überprüfen.

Josef Neumann berichtete von Bangladesch.
Josef Neumann berichtete von Bangladesch.

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Stefan Fries

Josef Neumann berichtete von Bangladesch.

Wuppertal. Die Dialogreise nach Bangladesch ist für Josef Neumann in gewisser Weise auch eine Fahrt in die Vergangenheit gewesen. Für sechs Tage war der SPD-Landtagsabgeordnete aus Wuppertal Mitte Februar mit einer Reisegruppe aus weiteren Landespolitikern, Entwicklungs- und Umweltexperten in dem asiatischen Land unterwegs, das vor allem für seine Textilproduktion und die weltweite Versorgung mit Billigkleidung bekannt ist. Die Situation der arbeitenden Menschen dort habe ihn an die „frühe Textilindustrie im Wuppertal des 19. Jahrhunderts“ erinnert, sagte Neumann am Donnerstagabend bei einem Vortrag in der Kulturschmiede in Cronenberg.

Zwangsarbeit, Kinder- und Frauenrechte, Arbeiterorganisation sowie Verarmung standen im Mittelpunkt der Besuche in mehreren Textilfirmen und in Gesprächen mit Beschäftigten und Arbeitnehmervertretern. Die Fahrt fand vor dem Hintergrund eines traurigen Ereignisses statt. Am 24. April 2013 war die Textilfabrik Rana Plaza nahe der Hauptstadt Dhaka aufgrund von Baumängeln eingestürzt: Mehr als 1200 Menschen starben, über 2500 wurden verletzt. Das Ereignis wurde zum Fanal der globalen Ausbeutung von Beschäftigten der Textilindustrie in Entwicklungsländern: „Das war ein enormer Einschnitt für Bangladesch und die Welt“, so Neumann.

Und es hat zumindest bei den Unternehmern, die in dem Land für den Export produzieren lassen, etwas bewegt. Die Arbeitsbedingungen in den Textilunternehmen müssten mittlerweile umfangreich unter anderem auf die Einhaltung der Sicherheitsstandards zertifiziert sein. Ansonsten erhalten sie keine Aufträge von internationalen Kunden. Die Firmen, die die Reisegruppe im Februar besuchte, machten denn auch einen vergleichsweise guten Eindruck: „Ich habe in Wuppertal schon schlimmere Fabrikgebäude gesehen“, sagte Neumann.

Dennoch: Die Produktionsbedingungen in den exportorientierten Textilunternehmen sind nur eine Seite der Medaille, ganz anders sieht es vermutlich in jenen Betrieben aus, die für den heimischen Markt produzieren. Zudem ist die Textilbranche in Bangladesch gut angesehen, weil sie - zumindest bei den führenden Unternehmen - Mindestlöhne zahlt.

Neumann betonte, jeder einzelne Bürger sollte sich und seine Konsumgewohnheiten bei Textilien oder anderen global gehandelten Produkten hinterfragen. Der Kunde habe mit seinem Kaufverhalten „eine ungeheure Verantwortung“. Zudem nützte es nichts, immer mit dem Finger auf Unternehmen wie Primark zu zeigen, unterstrich der SPD-Politiker. Auch viele andere Unternehmen im Westen profitierten von den ungerechten Produktionsbedingungen in anderen Ländern der Welt.

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