Im Mordprozess um das Ehepaar Springmann ist klar geworden, dass der Großvater offenbar Zweifel am Fortgang des Studiums des Angeklagten hatte.

Springmann Mord, Auftakt der Gerichtsverhandlung, Indizienprozess
Rüdiger Deckers (l.) und Klaus Bernsmann, die Verteidiger des Enkels (Mitte), nahmen den Hochschulprofessor ins Kreuzverhör.

Rüdiger Deckers (l.) und Klaus Bernsmann, die Verteidiger des Enkels (Mitte), nahmen den Hochschulprofessor ins Kreuzverhör.

Fischer, Andreas (f22)

Rüdiger Deckers (l.) und Klaus Bernsmann, die Verteidiger des Enkels (Mitte), nahmen den Hochschulprofessor ins Kreuzverhör.

Wuppertal. Am vierten Prozesstag um die Ermordung des Unternehmerpaars Christa und Enno Springmann hörte das Landgericht einen Bekannten von Enno Springmann an, durch den dieser wohl erfahren hat, dass sein Enkel nicht oder nicht mehr studiert.

Der Hochschulprofessor berichtete, dass Enno Springmann ihn mehrfach fragte, ob an der Universität tatsächlich keine Leistungsnachweise mehr verlangt werden. Das habe sein Enkel so gesagt. Der Zeuge hat Springmann nach eigener Aussage erläutert, dass es Leistungsnachweise und Noten gibt und dass diese auch in der Universität dokumentiert werden. Enno Springmann habe darauf empört reagiert und etwas wie „Der lügt mich an!“ gesagt. Der Zeuge versicherte, er habe die Situation – gut zwei Wochen vor dem Tod der Springmanns – noch genau in Erinnerung. „Das war eine starke emotionale Reaktion.“

Der Enkel war seit 2014 kein Student mehr

Das Gericht verlas ein Dokument, aus dem hervorging, dass der Enkel nur von 2013 bis 2014 als Maschinenbau-Student eingeschrieben war. Die Anklage wirft dem Enkel (26) vor, dass er mit seinem Mitangeklagten (45) seine Großeltern ermordete, weil er die Enterbung fürchtete, nachdem sie von seinem Studienabbruch erfahren haben.

Die Verteidiger des Enkels bohrten nach, wann und warum sich der Zeuge bei der Polizei gemeldet hat und ob er dabei beeinflusst worden sei. Der Zeuge sagte, er habe sich erst gemeldet, als bekannt wurde, dass die Polizei im familiären Umfeld ermittelt. Er erklärte: „Ich habe mich gefragt: Lenkt man da nicht den Verdacht auf völlig unschuldige Personen?“ Da nickten der Enkel und sein Verteidiger nachdrücklich. Beeinflusst worden sei er nicht, versicherte der Zeuge.

Das Gericht hörte zudem den langjährigen Steuerberater und Testamentsvollstrecker Enno Springmanns. Den Enkel habe er 2016 kennengelernt, berichtet dieser. Dabei sei ihm der besonders liebevolle Umgang von Großvater und Enkel aufgefallen: „Das war für mich anrührend.“

Er wusste ebenfalls von den Sorgen Springmanns, dass es mit dem Studium des Enkels nicht voranging. Das habe diesen beschäftigt, weil er schon über den Studienabbruch des Sohnes enttäuscht gewesen war. Dies habe unter anderem zu dem schlechten Verhältnis von Vater und Sohn beigetragen. In Bezug auf den Enkel habe er ihm gesagt, „dass es ein leichtes ist, sich das Studienbuch vorlegen zu lassen.“ Offenbar habe Springmann das aber nie getan.

Der Zeuge berichtete, dass Enno Springmann seinem Enkel in mehreren Schritten knapp 700 000 Euro und Immobilien im Wert von 230 000 Euro geschenkt hat. Anschließend habe er sich gesorgt, dass sein Enkel diese Schenkungen nicht ordnungsgemäß versteuert. Mehrfach habe das Steuerbüro die nötigen Unterlagen beim Enkel angefordert.

Im Nachhinein sei ihm eine E-Mail bekannt geworden, in der Enno Springmann mahnte, dies müsse dringend erledigt werden und sollte beim anstehenden Wochenendbesuch besprochen werden – dem Tag, an dem die Großeltern dann getötet wurden.

Die Übertragung von Vermögen und Immobilien dienten nach Ansicht des Steuerberaters dazu, den Enkel schrittweise an den Umgang mit Vermögen heranzuführen. Enno Springmann sei sicher davon ausgegangen, dass das Geld in Wertpapieren angelegt wird. Laut Anklage hat der Enkel das Geld aber „weitgehend für Autos und Luxusgüter“ ausgegeben.

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