Der elfjährige Lennart aus Wuppertal ist seit einem halben Jahr Teil des berühmten Chores.

Der elfjährige Lennart aus Wuppertal ist seit einem halben Jahr Teil des berühmten Chores.
Lennart Sippel von den Wiener Sängerknaben.

Lennart Sippel von den Wiener Sängerknaben.

Anna Schwartz

Lennart Sippel von den Wiener Sängerknaben.

Wuppertal. Der elfjährige Wuppertaler Lennart Sippel ist Wiener Sängerknabe und seit einem halben Jahr Teil des dortigen Brucknerchores. Das ist schon etwas Besonderes. Denn der traditionsreiche Chor - der eigentlich aus mehreren Chören besteht, die Namen berühmter österreichischer Komponisten tragen - kann sich seine Sänger aus einer Vielzahl an Bewerbern aussuchen. Lennart hat, als er letztes Jahr im Dezember vor einem Konzert der Sängerknaben in Wuppertal dem Kapellmeister des Brucknerchores Manolo Cagnin vorsingen durfte, offenbar derart überzeugt, dass er sofort nach Wien eingeladen wurde.

Mitten im Schuljahr: Von heut auf morgen Sängerknabe - das heißt schon was. Guter Grund für Oberbürgermeister Andreas Mucke, den Sopran persönlich kennen lernen zu wollen. So lud er Lennart und seine Eltern auf ein Gespräch in sein Amtszimmer. Verständlich, dass Eltern, Uwe und Christiane, und die beiden Geschwister Berit (13) und Wingard (8) stolz auf Lennart sind. Auf ihn aufmerksam gemacht wurde der OB durch einen Brief der Schwester: „Indem sie den Oberbürgermeister angeschrieben hat und gesagt hat: Wissen sie eigentlich, dass ein Wuppertaler bei den Wiener Sängerknaben ist und außerdem ist das auch noch mein Bruder“, erzählt die Mutter.

Davon wusste Lennart nichts. Es ist eine große Ehre, Teil dieser Institution zu sein, dort zu lernen und mit bedeutenden Orchestern und Dirigenten arbeiten zu können.

„Früher wusste ich gar nicht, wer die Sängerknaben sind“

Auch, wenn Lennart selbst die Aufregung um seine Person gar nicht recht verstehen kann. Ausgesprochen bescheiden wirkt er. Vielleicht kann er sein Glück noch nicht richtig fassen. „Früher wusste ich gar nicht, wer die Sängerknaben eigentlich sind“, sagt er, doch gefällt es ihm dort richtig gut. Obwohl es schon etwas stressig ist. „Um sieben stehen wir auf, dann geht es in die Schule, von 11 bis 13 Uhr ist Probe, dann wieder Schule. Dazwischen haben wir Freizeit. Um neun Uhr abends wird das Licht ausgemacht“, berichtet Lennart. Der Schulstoff muss komprimiert in kürzerer Zeit vermittelt werden, denn auf den Tourneen - Ende des Jahres geht es nach Süd- und Nordamerika - gehört die Zeit allein der Musik. „Bist Du auch in der Schule gut?“, fragt Mucke - der sich viel Zeit nimmt, um mit Lennart freundlich zu plaudern und bekräftigt: „das ist wichtig, denn vom Singen alleine wird man ja nicht satt. Die wenigsten Sänger - vielleicht Pavarotti - können davon leben“.

Der Fünftklässler ist gut, er hat sich gut eingelebt, hat Freunde gefunden. Und da gibt es die Freuden der Konzerte: es fühlt sich schon „ziemlich gut an, man steht da vorne und wird von ganz vielen Leuten angeschaut“, schwärmt Lennart über sein erstes Konzert in Wien - die Krönungsmesse von Mozart in der Hofmusikkapelle. Die Erfahrungen - die er voraussichtlich die nächsten vier Jahre in Wien sammeln darf - werden ihn sein ganzes Leben begleiten.

„Er lernt unglaublich viel nebenher, auch durch die kulturelle Vielfalt“, weiß Vater Uwe zu berichten. Lennart sieht es alles locker. Das macht ihn aber umso sympathischer. Auch, wenn er - wie der OB sagt, nun der jüngste „Singende Botschafter der Stadt Wuppertal ist. Aber schön wuppertalerisch weiter sprechen“, scherzt er noch.

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