Manfred Schnock zeigt erstmals in bewegten Bildern, was 1950 leider niemand festhielt. Zwei Jahre lang tüftelte der 69-Jährige an dem Animationsfilm.

Manfred Schnock zeigt erstmals in bewegten Bildern, was 1950 leider niemand festhielt.
Der Rentner animierte die unerhörte Flucht des Zirkuselefanten aus einer fahrenden Schwebebahn. Repro: Stefan Fries/Animation: Manfred Schnock

Der Rentner animierte die unerhörte Flucht des Zirkuselefanten aus einer fahrenden Schwebebahn. Repro: Stefan Fries/Animation: Manfred Schnock

Liesa und Manfred Schnock vor der Schwebebahn.

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Der Rentner animierte die unerhörte Flucht des Zirkuselefanten aus einer fahrenden Schwebebahn. Repro: Stefan Fries/Animation: Manfred Schnock

Wuppertal. „Hut ab: Was Manfred Schnock da in seinem Film auf die Beine gestellt hat, verdient höchstes Lob“, schwärmt Detlef Kamp, Vorsitzender der Stiftung regionale Verkehrsgesellschaft, bewundernd. Kamp meint damit den Animationsfilm über den legendären Sprung des Elefanten Tuffi aus der Schwebebahn in die Wupper. Diese Szene aus dem Jahr 1950, als der Zirkus Althoff am 12. Juli aus Werbezwecken mit der Elefantendame „Tuffi“ vom Schwebebahnhof Alter Markt eine Fahrt in Richtung Elberfeld antrat.

Der sieben Minuten lange Film setzt auf originalgetreue Details

Die in einer Kurve quietschende Schwebebahn und das dichte Gedränge im von Journalisten überfüllten Waggon irritierte Tuffi so sehr, dass sie auf einen Sitz kletterte und kurz vor Erreichen der Station Adlerbrücke im zweiten Versuch eine Wand durchbrach und in die Wupper sprang. Eine Aktion, die um die Welt ging, von der aber weder ein Film noch ein Foto existierte.

Was aber den Ehrgeiz des Heinsberger Rentners Wolfgang Schnock (69) weckte, der seit zwei Jahren erfolgreich an Animationsfilmen tüftelt. Er setzte sich mit den Wuppertaler Stadtwerken in Verbindung, besonders mit Detlef Kamp, erhielt originalgetreue Pläne der damaligen Schwebebahnwaggons und wurde mit vielen Details aus der Umgebung, den einstigen Umständen und dem Inneren des Waggons vertraut gemacht. Er studierte Augenzeugenberichte aus alten Zeitungsarchiven und machte sich ans Werk.

Heraus kam nach nur vierteljähriger Arbeit ein sieben Minuten langer Film, auf dem in einer Rekonstruktion die Station Alter Markt und die damals noch existierende „Lichtburg“ ebenso zu sehen sind wie der damalige Fotograf des General Anzeigers auf seiner Vespa Baujahr 1948.

Mit unendlicher Liebe zum Detail und beispielhaftem Fleiß ist nun ein Film entstanden, der das dramatische Geschehen nahezu originalgetreu wiedergibt. Wozu natürlich auch das glückliche Ende des Sprungs aus zehn Metern Höhe gehört, denn die bullige Elefantendame landete in einer schlammigen Stelle und trug bis auf ein paar Schrammen am voluminösen Hinterteil keine Schäden davon. Die blieben auch Zirkus-Direktor Franz Althoff erspart, der nämlich nachspringen wollte, von seinen Mitarbeitern aber glücklicherweise davon abgehalten wurde, sonst hätte das Abenteuer tatsächlich noch tragisch enden können.

Die Ausstellung „Von Preußisch Grün zu Himmelblau“ im Historischen Zentrum zeigt die Entwicklung der von Eugen Langen erfundenen Schwebebahnen von den zwei grünen Prototypen von 1898 bis zur heutigen blauen Version. Alle Typen sind im Maßstab 1:20 in kindgerechter Höhe zu sehen.

Manfred Schnock, der zusammen mit seiner Frau Liesa ein Musik-Studio betreibt, hat den farbigen Animationsfilm auch vertont und mit dem Gesang seiner Frau unterlegt.

Sein Filmkunstwerk wird noch bis zum 9. Juli im Rahmen der umfangreichen Schwebebahn-Ausstellung „Von Preußischgrün zu Himmelblau“ im Historischen Zentrum (Engels-Haus) in einer stummen Endlosschleife zu sehen sein.

Liesa und Manfred Schnock waren Gäste bei der Eröffnung der Ausstellung durch Bürgermeisterin Ursula Schulz und wohnten dafür ganz in der Nähe der Stelle, an der Tuffis Sprung Wuppertal und die Schwebebahn ins Interesse der ganzen Welt rückte.

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