Leseförderung: Die Stadtbibliothek hat eine Initiative gestartet, um bildungsfremden Kindern das Bücher-Lesen näher zu bringen.

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In der Kinderarztpraxis Dr. Karimi gibt es zahlreiche Kinderbücher. Tobisa und Mira entdecken zusammen mit Dr. Afshin Karimi neue Welten.

In der Kinderarztpraxis Dr. Karimi gibt es zahlreiche Kinderbücher. Tobisa und Mira entdecken zusammen mit Dr. Afshin Karimi neue Welten.

Andreas Fischer

In der Kinderarztpraxis Dr. Karimi gibt es zahlreiche Kinderbücher. Tobisa und Mira entdecken zusammen mit Dr. Afshin Karimi neue Welten.

Wuppertal. Das kleine Mädchen in der Arztpraxis setzt sich sofort dazu, als eine andere Mutter ihrem Sohn ein Bilderbuch vorliest. Eifrig deutet sie mit dem Finger auf die Seiten und sagt: "Berg". Dass sie die dicken Wolken für einen Berg hält, mag ein Indiz dafür sein, dass sie wenig Erfahrung mit Bilderbüchern hat. Trotzdem ist sie vollauf begeistert.

Es sind also die Eltern, vor allem die aus bildungsfernen Schichten, die zum Vorlesen animiert werden müssen. Die Stadtbibliothek Wuppertal hat nun eine neue Initiative gestartet, um diese Eltern zu erreichen: Finanziert durch die Jackstädt-Stiftung verteilt der Förderverein der Stadtbibliothek ansprechende Kinderbücher an alle Kinderarzt-Praxen der Stadt.

"Zum Kinderarzt gehen fast alle Eltern, und sie haben dort keine Vorbehalte", erklärt Birgit Stache-Thorn von der Stadtbibliothek. Außerdem müssen Eltern und Kinder beim Arzt häufig längere Zeit warten - ein geeigneter Moment, um ein Buch zur Hand zu nehmen. "Bücher anschauen bietet gemeinsame Zeit, die Möglichkeit zur Kommunikation, Nähe und Geborgenheit für das Kind", schwärmt Stache-Thorn.

Damit Kinder und Eltern einen Anreiz bekommen, sind in der neuen Kiste einfache Bilderbücher ebenso wie hübsche Geschichten mit ansprechenden Bildern, Sachbücher und auch zweisprachige Exemplare. 25 bis 30Bücher hat so jede Arztpraxis neu. "Ich bin oft erschreckt, dass viele Eltern ihren Kindern nicht mehr vorlesen", ist die Erfahrung von Kinderarzt Dr. Afshin Karimi. Undeutliche Sprache und ein geringer Wortschatz sind die Folge. Den Rat vom Kinderarzt jedoch nehmen sich viele zu Herzen. Schon jetzt bekommt jede Familie zur U6, wenn die Kinder ein Jahr alt sind, eine Tasche mit einem Bilderbuch und Infomaterial. "Da nehmen sich die Eltern schon vor, auch auf deutsch vorzulesen", weiß Karimi.

Gemeinsames Bücher-Angucken erweitert den Horizont

Jetzt spendiert die Stadtbibliothek außerdem einen Gutschein für einen Bibliotheksausweis für drei Monate. In den Stadtteilbibliotheken finden die Eltern nicht nur alle Bücher der Empfehlungsliste der Stiftung Lesen, sondern auch viele fremd- oder zweisprachige Bilderbücher. Denn das gemeinsame Bücher-Angucken, sowohl auf Deutsch als auch in anderen Muttersprachen, fördert die Sprachkenntnisse, erweitert den Horizont und hilft später beim Start in die Schule. "Vorlesen kommt vor Lesen", heißt der Slogan des Flyers der Stadtbibliothek, der mehrsprachig überzeugt: Vom ersten bis zum sechsten Geburtstag lernt ein Kind durchschnittlich acht Wörter pro Tag. Ein Wort muss etwa 40-mal gehört werden, bevor es in den aktiven Sprachschatz aufgenommen wird. Und auch Kinder im Babyalter bekommen einen eigenen Bibliotheksausweis.

Die neuen Kinderbücher und der Flyer mit dem Bibliotheksgutschein liegen in fast allen Wuppertaler Kinderarzt-Praxen aus.

Um die Kinder von Anfang an fürs Lesen zu begeistern, bildet die Stadtbibliothek zweimal pro Jahr an jeweils zwei Terminen Vorlese-Paten aus. Diese gehen in Kindergärten und Schulen, um dort gezielt vorzulesen. Wer sich dafür interessiert, kann sich unter Telefon 563 6001 informieren.

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